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| Uniturm tauscht Unterlagen
Mitschriften der einzelnen Studienfächer tauschen,
Klausurfragen verraten und Lösungen vergleichen... mehr...
Neues Dach überm Kopf
In München stehen den 92.000 Studenten gerade mal 9.200
Wohnheimplätze des Studentenwerks sowie weitere 2.600
Wohnplätze anderer Träger zur Verfügung. mehr... |
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Buchladen |
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Berliner Herrenabend
“Was hältst du von ´ner exklusiven Nacht-Stadtführung?”
Mit dieser Einladung beginnt in Michael Ross‘ Erstlingswerk
“Herrengedeck” ein rasanter und abwechslungsreicher
Streifzug zweier ungleicher Freunde durch Bars und Clubs des
nächtlichen Berlin. Dabei ist es dem Berliner Comickünstler
auf Anhieb gelungen, zwei sympathische und glaubhafte Charaktere
einzuführen: den unbekümmert-flapsigen Manon und
den disziplinierten Tom, die im Laufe der Nacht noch vollkommen
andere Facetten ihrer Persönlichkeit offenbaren.
Ross gelingt es spielerisch, die rauschhafte nächtliche
Großstadt-Atmosphäre mit ihren Verlockungen und
Verheißungen spürbar zu machen. Viel trägt
dazu sein prägnanter Zeichenstil bei, der, obwohl unverkennbar
von französischen Meistern inspiriert, versiert und eigenständig
ist. Scheinbar schnell hingeworfene, bisweilen skizzenhaft
anmutende Bilder halten den Leser bis zum furiosen Finale
in Atem.
Selbst der Morgen danach ist noch für eine Überraschung
gut, und auch hier versteht es der Künstler, den Katzenjammer
der beiden Freunde glaubhaft darzustellen. So glaubhaft, dass
man beim Lesen das Gefühl hat, ihre erste, erlösende
Tasse Kaffee schmecken zu können.
Comicfreunden sei dieses gelungene Album ans Herz gelegt,
ein liebenswertes, witziges Erstlingswerk, das jugendhaften
Verve ausstrahlt und neugierig auf weitere Arbeiten von Ross
macht.
Stefan Jass
Michael Ross’ “Herrengedeck”
ist in der Comic Company München, Fraunhoferstr. 21,
für 15 Euro erhältlich; auf Anfrage auch beim Künstler
selbst (zeeero@gmx.de).
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New Yorker Küchenhitze
Von 1995 bis 2002 arbeitete er als Literaturredakteur für
den New Yorker – und tauschte plötzlich für
ein Jahr den Stift gegen den Kochlöffel ein: Bill Buford
heuerte als selbst ernannter Küchensklave im New Yorker
Sterne-Lokal Babbo an, um bei 50 Grad am Grill zwölf
Stunden am Tag zu schwitzen, sich unzählige Male beim
Tranchieren zu verletzen und an den Rand der Verzweiflung
zu geraten. Und warum das alles? Weil er, von Wissensdurst
und Ehrgeiz gepackt, den Unterschied zwischen den Bemühungen
eines Hobbykochs und den Meistern der Haubenkochkunst kennenlernen
will. Im Buch „Hitze“ serviert Buford seine rasanten
Küchenerlebnisse, die lebendig, authentisch – und
vor allem herrlich persönlich daherkommen. Satiriker
Wiglaf Droste liest den unterhaltsamen Bericht im gleichnamigen
Hörbuch – und das vielleicht ein bisschen zu atemlos.
Andererseits unterstreicht der schnelle Vortrag die Raserei
des beflissenen Buford, der in seiner Liebe zum Essen alles
um sich herum zu vergessen scheint, um so deutlicher. Vorsicht,
das Buch sollte nicht während des Zwiebelschneidens gehört
werden – der Zuhörer könnte sonst lachen,
bis ihm die Tränen kommen. Guten Appetit.
Nadine Nöhmaier
Bill Buford: Hitze. Abenteuer eines
Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und
Metzgerlehrling. Hanser Verlag 2008. 384 Seiten, 24,90 Euro.
Bill Buford: Hitze. Sprecher: Wiglaf Droste.
4 Audio-CDs. Hörverlag 2008. Gekürzte Lesung,
244 Minuten. 19,95 Euro.
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Nordische Miss Marple
Eiseskälte in Norwegen. Der einzige Zug zum Bergdorf
Finse entgleist in einem Schneesturm, die Passagiere, unter
ihnen die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen, finden Zuflucht
in einem nahen Hotel. Abgeschnitten von der Außenwelt
bilden sie eine Notgemeinschaft, deren Gespräche bald
nur noch um ein Thema kreisen: Warum stehen Wachen vor den
Türen des Hotels, wen beschützen sie? Die königliche
Familie, einen Terroristen? Während die Spekulationen
ins Kraut schießen, geschieht in Anne Holts neuem Kriminalroman
„Der norwegische Gast“ ein brutaler Mord: ein
mitreisender Fernsehpastor liegt steifgefroren und mit einem
großen Loch im Kopf vor dem Hotel. Wilhelmsen findet
sich schneller in ihrer alten Ermittlerrolle wieder als ihr
lieb ist ...
Autorin Holt hat ihr neues Werk in der Tradition klassischer
„Whodunit“-Krimis à la Miss Marple geschrieben:
Hier steht die Suche nach dem Mörder im Mittelpunkt,
und weniger die blutige Tat. In „Der norwegische Gast“
bemühen die Leser ebenso wie Ermittlerin Wilhelmsen die
grauen Zellen, sie suchen den Täter und werden von der
Frage geplagt, wem sie noch trauen können. Nebenbei vermittelt
die Autorin skandinavische Lebensatmosphäre und ein Gefühl
für die Geschichte ihres Landes; Kronprinzessin Mette-Marit
spielt im Buch ebenfalls eine Rolle.
Jedenfalls: Wer eine packende Krimilektüre für frostige
Wintertage sucht, ist mit „Der norwegische Gast“
bestimmt gut beraten. Wenn’s auch in Deutschland schneit
und wütet, fühlt man um so intensiver mit den unfreiwilligen
Gästen des norwegischen Berghotels mit.
Nadine Nöhmaier
Anne Holt: Der norwegische Gast. Piper
2008. 336 Seiten, 19,90 Euro.
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Zeit für Zeit?
Warum haben Menschen immer weniger Zeit, obwohl heutzutage
alles immer schneller geht als früher? Warum verstreichen
manche Stunden unendlich langsam, warum fliegen manche Jahre
nur so dahin? Zum dritten Mal schickt der französische
Bestsellerautor François Lelord seinen Helden, den
Psychiater Hector, in die weite Welt hinaus – diesmal,
um die Rätsel der Zeit zu erkunden.
Zu Beginn der Geschichte hört sich Hector die Klagen
seiner Patienten an. Sabine erzählt, sie fühle sich
vom Leben betrogen, weil ihre Zeit mit Job und Familie verrinnt
– ohne dass sie zum Atemholen kommt. Fernand hingegen
moniert, dass er nur noch zweieinhalb Hunde besitzen kann
– er misst die Zeit in den Lebensjahren der geliebten
Tiere.
Seine anschließenden Reisen zu den Eskimos sowie nach
China helfen Hector, den Lauf der Zeit ein wenig besser zu
verstehen – und zu verkraften. Den Leser bringt er mit
Fragen und Vorschlägen ins Grübeln: „Messen
Sie an einem bestimmten Tag die Zeit, die Sie für sich
selbst haben. Schlafen zählt nicht mit (außer wenn
Sie es im Büro tun)“; „Und wenn Ihr Leben
nur jemandes Traum wäre? Wo schläft der Träumende
in diesem Fall?“.
Fakten über das Phänomen Zeit werden im Buch leider
kaum vermittelt. Wer jedoch den verträumten, humorvollen,
manchmal auch naiven Stil des Autors in seinen Erstlingswerken
mochte, sollte auch Zeit ins jüngste Buch investieren.
Nadine Nöhmaier
François Lelord: Hector und
die Entdeckung der Zeit. Piper 2006, 224 Seiten, 16,90 Euro
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Die Zeit zurückdrehen
Ganze sechs Jahre hatte sich Ken Follett mit seinem
1989 erschienenen Mittelalter-Roman „Die Säulen
der Erde“ in der Bestsellerliste des „Spiegel“
gehalten – es überrascht also nicht, dass der Nachfolger
„Die Tore der Welt“ gleich nach Erscheinen im
März diesen Jahres ebendort gelandet ist, auf Platz 1,
versteht sich. Die „Tore der Welt“ sind ein eigenständiger
Roman und auch ohne die Lektüre der „Säulen
der Erde“ verständlich. Schauplatz ist erneut die
Ortschaft Kingsbridge, seit Band 1 allerdings sind 200 Jahre
verstrichen – die Nachfahren der Kathedralenbauer-Familie
Builder begegnen einem zunächst in den 20er Jahren des
14. Jahrhunderts. Auch diesmal geht es um Architektur, selbst
wenn sie nicht soviel Raum erhält wie in „Die Säulen
der Erde“. Und wieder wird gegen die Intrigen der Mächtigen
gekämpft. Insgesamt sind auch „Die Tore der Welt“
ein Werk, das man nicht aus der Hand legen kann, hat man einmal
damit angefangen. Wer Follett nicht kennt, kann die neue Lektüre
gut und gerne zum Einstieg nutzen. Die Leser des ersten Bandes
werden den Nachfolger ohnehin bereits verschlugen haben.
Arno von Buxhoeveden
Ken Follett: Die Tore der Welt. Lübbe
2008, 1120 Seiten, 24,95 Euro
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Zeitgenossen mit Geheimnissen
Silvana E. Schneider, Herausgeberin der Anthologie
„Das Lachen deiner Augen – Frauenporträts
in Lyrik und Prosa“, versuchte sich mit „Tod der
Puppenkönigin“ erstmals an einem literarischen
Psycho-Thriller. Das Debüt ist mehr als geglückt:
Hochspannung ist das ganze Buch hindurch garantiert!
Die dicht und hintergründig geschriebene Geschichte,
die in München und am Ammersee spielt, handelt von zwei
Frauen, deren Lebenswege sich zwar berühren, die einander
aber nie wirklich begegnen. Die beiden könnten nicht
gegensätzlicher sein. Später tritt auch ein Mann
mit besten Manieren auf, der sich letztlich als Wahnsinniger
entpuppt.
Die Hauptpersonen sind raffiniert miteinander verknüpft
und bewegen sich auf verschiedenen Handlungsebenen. In mehreren
Spannungsbögen verrät die Autorin ein Geheimnis,
um gleich wieder ein neues aufzubauen und dabei geschickt
formulierte Gesellschaftskritik zu üben.
Silvana E. Schneider ist ein hochinteressantes und empfehlenswertes
Buch gelungen, weswegen sich der Rezensent wünschte,
die MAYERS-Chefredaktion hätte ihm mehr Platz für
die Besprechung eingeräumt.
Tino Krense
Silvana E. Schneider: Tod der Puppenkönigin.
Starks-Sture-Verlag 2008, 96 Seiten, 12,90 Euro
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Die Liebe in den Zeiten der Vorwende
Es ist 1987, als DDR-Flüchtling und Aushilfsblumenhändlerin
Soja in West-Berlin auf Harry trifft – Junkie, Ex-Knacki
und HIV-positiv. Um nicht erneut im Bau zu landen, bedarf
Harry einer Rundumbetreuung. Soja nimmt sich seiner an und
begegnet ihm mit unbedingter, weil unerwiderter Liebe. Nach
seinem Tod hinterlässt Harry ein Heft mit undatierten
Aufzeichnungen – 89 Sätze, in denen Soja mit keiner
Silbe erwähnt wird. „Ach Harry, wäre dieses
Heft bei jemand anderem gelandet […], er hätte
nicht einmal ahnen können, dass es mich in deinem Leben,
das meines war und ist, jemals gab.“
Katja Lange-Müller liest „Böse Schafe“,
das Hörbuch zu ihrem gleichnamigen Roman, selbst –
und Katja Lange-Müller ist aus (Ost-)Berlin. Letzteres
ist nicht zu überhören – daher sollte man
dem Hauptstadtdialekt nicht gänzlich abgeneigt sein,
wenn man sich die fünf CDs zulegt. Wer sich darauf einlässt,
wird durch Lange-Müllers spröde Lesung härter
mit der Stimmung des Romans konfrontiert, als es die Buchlektüre
dieser wunderbar tragischen Liebesgeschichte vermag.
Christopher Haarhaus
Katja Lange-Müller: Böse
Schafe. Hörverlag 2007, 5 CDs, 340 Minuten, 29,95 Euro
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Schluss mit lustig
Wieso nur wollte die Evolution, dass man in langen Beziehungen
aufhört, miteinander zu schlafen? Ist es eine Strategie,
um die Überbevölkerung zu stoppen? Oder wird der
Sexualtrieb ganz gezielt abgestellt, damit man leichter treu
bleibt? Lasse, mit dessen Karriere als Comedian es bergab
beziehungsweise flussab geht – er moderiert inzwischen
Seniorennachmittage auf einem Clubschiff –, hadert mit
seiner Beziehung. Seit sieben Jahre lieben sich Tess und er
in Michael Birbæks Buch „Beziehungswaise“;
ihre inzwischen zweijährige Sexflaute allerdings nagt
am Selbstwertgefühl. Ist das noch eine Beziehung oder
nur noch Freundschaft? Als Tess ein Jobangebot aus China bekommt,
ziehen sie trotz tiefer Gefühle füreinander einen
Schlussstrich unter die gemeinsame Zeit.
Aber Singlesein – wie geht das nochmals? Rumvögeln
und sich frei fühlen? Die Nächste suchen? Der Letzten
nachweinen? Lasse ist kein bisschen erleichtert, zudem besteht
sein schwerkranker Vater darauf, endlich Enkelkinder zu bekommen
...
„Beziehungswaise“ ist ein unheimlich komischer
wie trauriger Roman. Im ersten Kapitel zündet Birbæk
ein Gagfeuerwerk, doch bald entwickelt die Geschichte eine
zunächst unerwartete Tiefe: es geht um die Urängste
aller Menschen, um Tod, Verlust, Einsamkeit. Ein Glück
für den Leser, dass Birbæk trotz aller Tragik leichtfüßig
erzählt – zu lachen gibt es stets genug. Der Autor
hält somit, was sein Lebenslauf verspricht: immerhin
hat er als Gagschreiber für Harald Schmidt und Stefan
Raab gearbeitet, er ist Erfinder der Sit-Down-Comedy und hat
seinen Erstlingsbüchern hübsche Titel wie „Wenn
das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr“ und
„Was mich fertig macht, ist nicht das Leben, sondern
die Tage dazwischen“ verpasst. Der Balanceakt, die Tragik
wie die Komik des Lebens unter einen Hut zu bringen, gelingt
Birbæk definitiv hervorragend – und erschreckend
realistisch: was kein Wunder ist, zumal er seiner „Lieblingsex“
im Anhang des Buches dankt.
Nadine Nöhmaier
Birbæk, Michel: Beziehungswaise.
Lübbe 2007, 495 Seiten, ISBN 978-3-7857-2283-1, 16,95
Euro
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Liebe und Lotto
Wer wird Millionär? Robert Allmann knackt den Jackpot!
Der Held in Thommie Bayers Roman „Eine kurze Geschichte
vom Glück“ gewinnt sechs Komma zwei Millionen Euro
im Lotto. Und ist dennoch ein armer Schlucker, denn seine
Frau liebt einen anderen...
Bayer spielt in seinem neuen Werk den Traum vom Lotto-Glück
durch – mit allem, was dazu gehört: Dem Wunsch
etwa, der Überbringerin der Frohbotschaft, einer Angestellten
der Lottogesellschaft, Gutes zu tun. Dem Entschluss, einmal
im Leben spontan ein dickes Auto zu kaufen – welches
dem neureichen Besitzer allerdings gleich den Stempel „arrogante
Bonze“ aufdrückt. Auch verrät Allmann seiner
Frau nichts vom Reichtum: denn was wäre ihre Beziehung
wert, wenn sie nur weiterbesteht, weil er Rockefeller geworden
ist? Allmann erfährt, dass Geld allein nicht glücklich
macht – aber dass es ihm verdammt hilft, schlechte Zeiten
durch aufwändige Einkaufsbummel versüßen zu
können.
Thommie Bayer, ein ehemaliger Liedermacher, hat schon raffinierter
konstruierte Bücher geschrieben, „Das Aquarium“
zum Beispiel. Er war auch schon witziger – in „Einsam,
Zweisam, Dreisam“. Und auch tragischer – im „Singvogel“.
Doch ebenso wie all diese empfehlenswerten Vorgänger-Bücher
liest sich „Eine kurze Geschichte vom Glück“
leicht und spannend – zudem malt Bayer beim Schreiben
einmal mehr wunderbare Bilder aus Worten und Gedanken. Rein
literarisch gesehen mag das neue Werk dennoch kein Sechser
im Lotto sein, ein lohnender, kurzweiliger Lesespaß
aber ist es allemal.
Nadine Nöhmaier
Bayer, Thommie: Eine kurze Geschichte
vom Glück. Piper 2007, 224 Seiten, ISBN 978-3-49204-920-7,
16,90 Euro
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Ein Mann, ein Wort
Lieb ist Sabine nicht. Sie hat gerade Schluss gemacht mit
Uwe, einem „spießigen Manager-Spacken“ –
nach acht Jahren „total toller Beziehung“. Uwe
diktiert seiner Sekretärin einen nüchternen Abschiedsbrief
an die Ex, in dem er Schlüssel, Stornokosten für
den Urlaub und die letzte Miete fordert. Seine Sekretärin
allerdings schickt Sabine zusätzlich zum Brief die Kassette
mit dem vollständigen Diktat. Welches weniger nüchtern
klingt: Uwe resümiert darauf die gesamte Beziehung –
und weiß beispielsweise sehr wohl, wie sehr es Sabine
als Studentin genossen hat, sich von ihm im Auto mit Sitzheizung
von der Uni abholen zu lassen.
„Liebe Sabine“ ist das neueste Werk von Jan Weiler,
dem ehemaligen Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen
Zeitung. Es ist nicht gedruckt, sondern nur auf CD erschienen
– und das hat seinen Grund: hier werden die Möglichkeiten
des Mediums Hörbuch einmal wirklich genutzt! Der Zuhörer
spielt Mäuschen bei der intimen Abrechnung mit Sabine,
das knarzige Diktiergerät und die Geräusche, die
durch Hin- und Rückspulen entstehen, sind Bestandteil
der Geschichte und machen sie plastisch. Das alles ist nicht
nur raffiniert produziert, sondern auch spannend, witzig und
trotz der Trennung des Pärchens kein bisschen traurig.
Uwe wird von Jan Weiler selbst gesprochen, Annette Frier gibt
die Sabine.
Frank Prieß/ Nadine Nöhmaier
Weiler, Jan: Liebe Sabine. Hörverlag
2007, 1 CD, 78 Minuten, ISBN 978-3-86717-129-8, 14,95 Euro
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Bei Kommissars unterm Sofa...
So brillant sie ihrem Beruf ausüben, so bescheiden
scheint es um das Privatleben skandinavischer Kriminalkommissare
bestellt zu sein: Vom schwedischen Eigenbrötler Kurt
Wallander beispielsweise wissen wir, dass er geschieden ist
und eine eher mittelmäßige Beziehung zu seinem
Vater wie zu seiner Tochter pflegt. Hanne Willemsen, Heldin
diverser Krimis der Norwegerin Anne Holt, muss miterleben,
wie ihre langjährige Freundin viel zu jung ums Leben
kommt. Und der Stockholmer Autor Arne Dahl verrät in
seinem neuesten Werk „Rosenrot“, dass die erfolgreiche
Spezial-Ermittlerin Kerstin Holm vor Jahren mit einem Kollegen
liiert war, der sie Nacht für Nacht vergewaltigt hatte.
Pikanterweise ist dieser Ex-Freund in dem im vergangenen Jahr
auf Deutsch erschienenen Krimi Gegenstand der neuesten Ermittlungen
Holms: Er wird verdächtigt, einen südafrikanischen
Asylbewerber bei einer Razzia vorsätzlich getötet
zu haben. Trotz ihrer persönlichen Verwicklung kann Holm
die Finger nicht von diesem Fall lassen – und findet
heraus, dass dieser mehr mit ihr selbst zu tun hat, als ihr
lieb ist...
„Rosenrot“ ist Dahls fünfter seiner auf zehn
Bände angelegten Reihe über die Arbeit der „Spezialeinheit
für Gewaltverbrechen von internationalem Charakter“.
Einmal mehr gelingt ihm das Kunststück, scheinbar Unzusammenhängendes
virtuos wie glaubwürdig miteinander zu verknüpfen,
die verdrehten Motive des Täters nachvollziehbar zu machen
– und die Geschichte nicht nur hochspannend zu gestalten,
sondern auch zu Herzen gehen zu lassen. Berührungsängste
vor großen Themen – Dahl zitiert etwa das Hohelied
der Liebe – hat er dabei nicht. Braucht er auch nicht:
seine teilweise lyrische, immer jedoch stimmige Sprache sowie
die raffinierte Konstruktion des Buches machen dieses zu einem
schönen Stück Literatur.
Nadine Nöhmaier
Dahl, Arne: Rosenrot. Piper Nordiska
2006, 400 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-49204-809-5. Tipp:
Wer noch kurz wartet, bekommt „Rosenrot“ für
8,95 Euro – im Juni erscheint der Roman als Piper-Taschenbuch,
ISBN 978-3-49224-964-5
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Hesse zum Hören
Hermann Hesse (1877 bis 1962) hat einmal geäußert,
dass ein Gedicht ganz aus dem Erleben des Dichters heraus
entstehe : „Es ist sein Aufatmen, sein Schrei, sein
Traum, sein Lächeln, sein Umsichschlagen.“ Für
ihr Hesse-Projekt haben die Komponisten Angelica Fleer und
Richard Schönherz denn auch besonders stimmungsintensive
und emotionale Gedichte des Literatur-Nobelpreisträgers
zusammen getragen: und diese mit Schauspielern und Musikern
wie Ben Becker, Till Brönner, Ani Choying Drolma, Matthias
Habich, Annett Louisan, Xavier Naidoo, Juliane Köhler,
Caterina Valente oder Roger Willemsen vertont. Das Ergebnis
ist die CD „Die Welt unser Traum“, die im März
im Hörverlag erschienen ist.
Manche der Künstler allerdings klingen beim Rezitieren
der „Die Welt unser Traum“-Gedichte übertrieben
schmalzig. Dem steuert die musikalische Begleitung entgegen,
die den Klang und den Rhythmus, den Hesse in seine Zeilen
hineingeschrieben hat, aufnimmt – Fleer und Schönherz
haben ganze Arbeit geleistet! Andere Gedichte wiederum sind
mit einer solchen Leichtigkeit vorgetragen, dass die Hesse-Worte
im Raum zu schweben scheinen. Dieser Eindruck wird durch instrumentale
Intros verstärkt, die jeweils das nächste Gedicht
einleiten. Mal werden jene von einem Keyboard oder einer Gitarre,
mal von einer Oboe oder einem ganzen Orchester gespielt.
Wer grundsätzlich gerne Gedichte hört, sollte sich
die CD leisten, sofern er einen der vortragenden Schauspieler
oder Musiker mag: Denn die Stimmen sämtlicher Sprecher
harmonieren wunderbar mit den von ihnen vertonten Gedichten.
Das Hesse-Projekt ist die zweite Produktion von Richard Schönherz
und Angelica Fleer: Für ihre erste mit dem Titel „Rilke-Projekt“
wurden sie im Jahr 2004 unter anderem mit dem internationalen
Buchpreis Corine ausgezeichnet.
Nadja Gosch
Schönherz, Richard und Fleer, Angelica:
Hesse-Projekt „Die Welt unser Traum“. Hörverlag
2007, Laufzeit ca. 59 Minuten, 17,95 Euro, ISBN 978-3-89940-880-5
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Der Österreicher und das Mars-Märchen
Der Schriftsteller Herbert W. Franke ist 80 geworden, und
ich – wie doch die Zeit vergeht! – habe die 40
auch schon überschritten. An die 20 Jahre dürften
vergangen sein, seit ich zuletzt ein Buch des österreichischen
Science-Fiction-Altmeisters in Händen gehalten habe.
Jetzt, zu Frankes Jubiläum, hat der dtv-Verlag ein neues
Werk von ihm auf den Markt gebracht – „Flucht
zum Mars“ heißt es. Natürlich war ich neugierig.
Die „alten“ Romane von Franke hatte ich früher
sehr gerne gelesen, mir gefiel, dass der Wiener Schriftsteller
Science Fiction ohne Technikstumpfsinn verfasste – und
stattdessen originelle Gedankenspiele mit künftig denkbaren
Gesellschaftsformen und deren Wertsystemen machte. „Flucht
zum Mars“ unterscheidet sich in dieser Hinsicht ein
wenig von den Vorgängern: Es ist mehr ein in der Zukunft
spielender Abenteuerroman – und weniger eine Auseinandersetzung
mit Gesellschaftsformen.
Beschrieben werden im neuen Werk die Probleme und Erfolge
einer achtköpfigen Gruppe, die im 23. Jahrhundert auf
den Mars flieht. Jedem der Beteiligten ist ein Kapitel gewidmet,
das die Erzählung jeweils unterbricht. In diesen Kapiteln
wird berichtet, wie die jeweilige Person ins Abenteuer hineingerutscht
ist. Dabei reißt Franke künftige Gesellschaftsmodelle
an – und erinnert ein wenig an sein früheres Schaffen.
Der rote Faden der Geschichte aber, das Mars-Abenteuer, ist
zwar unterhaltend wie spannend, aber nicht übermäßig
komplex oder überraschend aufgebaut.
Wer mit der „Flucht zum Mars“ ein Buch wie „Der
Elfenbeinturm“, „Sirius Transit“ oder „Ypsilon
minus“ erwartet, könnte enttäuscht werden.
Ich allerdings habe das neue Werk an einem Wochenende gelesen.
Es ist zwar nicht mein Lieblingsbuch von Franke – Isaac
Asimov-Romane allerdings schlägt er für mich auch
mit diesem Werk immer noch um Längen.
Frank Prieß
Franke, Herbert W.: Flucht zum Mars,
dtv 2007, 360 Seiten, 14,50 Euro, ISBN 978-3-423-24600-2
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Jan, uns schmeckt’s!
„Wenn das Kolosseum nicht in Rom stünde, sondern
beispielsweise in München, so würde dort heute noch
der FC Bayern München spielen, weil es dann nämlich
immer noch tadellos in Schuss wäre“: Davon ist
zumindest Antonio Marcepane überzeugt, der Held in Jan
Weilers halbwahren Geschichten in „Maria, ihm schmeckt’s
nicht!“, die inzwischen als Hörbuch erschienen
sind. Marcepane ist Weilers italienischer Schwiegervater –
und hat einen wunderbaren Hang zur Übertreibung. Im (gekürzten)
Hörbuch liest der Autor höchstpersönlich die
Anekdoten vor, die er mit Marcepane und dem Rest der angeheirateten
Familie erlebt – wobei er deren Parts mit italienischem
Akzent spricht. Was absolut amüsant ist.
Nadja Gosch
Weiler, Jan: Maria, ihm schmeckt’s
nicht! 4 CDs, Random House, rund 15 Euro. ISBN 978-3-89830-752-9
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Das Neue in München
„münchenleben – das buch zur stadt“,
herausgegeben von Tino Krense, ist der Titel eines 2006 im
Verlag Thomas Mayer erschienenen Stadtführers. Wer dahinter
einen schnöden Touri-Guide erwartet, irrt allerdings
gewaltig. Vor allem der erste Teil, der unterschiedlichste
Münchner und ihre Arbeit oder Hobbys in kurzen Portraits
oder Interviews vorstellt, offenbart ungewöhnliche Blickwinkel:
München aus der Sicht einer blinden Sportlerin, eines
britischen Dialektforschers, eines hiesigen Feinstaub-Gegners
oder junger Nachtschwärmer bei der Suche nach der nächsten
Party. Auch die zweite Hälfte zeigt sich vielseitig und
wartet mit einem ausführlichen Serviceteil auf, der mit
hilfreichen Adressen zu den Themen Beratung, Kultur &
Medien, Jugend & Bildung und Freizeit gespickt ist. Thematisch
spricht „münchenleben“ keinen an, der München
nur kurz besuchen möchte. Vielmehr ist es an all diejenigen
gerichtet, die bereits in der bayerischen Metropole wohnen
– und jetzt die Stadt wirklich erleben möchten.
Selbst eingefleischte Münchner Kindl dürften in
diesem knapp 300 Seiten starken Taschenbuch noch Neues über
ihre ‚Stadt mit Herz’ herausfinden. Die amüsant
interessanten ‚Münchner G`schichten’ und
der ausgiebige Serviceteil sind den Kaufpreis von 8,80 Euro
allemal wert. Da kann man auch über den kleinen Schönheitsfehler
in der Buchmitte hinwegsehen: Die aus Sicht der Fliege Ferdinand
verfassten Bildunterschriften zu an sich ansprechenden Fotos,
die wie ein literarischer Irrflug wirken.
„münchenleben“ ist im Buchhandel erhältlich.
Einige Leseproben und ein Gewinnspiel, bei dem man unter anderem
einen Haarschnitt gewinnen kann, finden sich auf www.muenchenleben.de.
Daniela Geffe
Tino Krense (Herausgeber): münchenleben
– das buch zur stadt; Verlag Thomas Mayer 2006; 8,80
Euro
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Die Wahrheit
in Indien
Mit einer Fleisch gewordenen Männerphantasie fängt
es an: der zum Lotterleben neigende Student Edgar von Rabov
vertrödelt seine Zeit in verruchten Kneipen im Berlin
des Jahres 1926, anstatt sich seinem Chemie-Studium zu widmen.
Eine magisch-exotische Schönheit steckt ihm, dem Helden
in Wolfram Fleischhauers Roman „Schule der Lügen“,
während einer dieser Zechtouren einen Zettel zu: „Übermorgen
hier. Gleiche Zeit. Ich erwarte Sie“. Übermorgen
folgt ihre Bitte, sie, die Inderin Alina, durch die „intimen“
Orte der Berliner Nacht zu führen, an welchen sie Edgar
schließlich nach allen Regeln der (indischen) Kunst
verführt. Atemlos folgt man den beiden auf ihrer weiteren
Reise von Berlin über London nach Madras und zurück
- auf der Suche nach der Wahrheit, die sich hinter Alinas
berechnenden Verführungskünsten und Edgars widersprüchlicher
Familiengeschichte verbirgt. Alles in allem ist „Schule
der Lüge“ ein lebendiges, hochspannendes Buch,
dessen besonderen Reiz die Zwanziger-Jahre-Szenerie ausmacht.
Nadine Nöhmaier
Wolfram Fleischhauer: Schule der Lügen;
Piper 2006; 22,90 Euro
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Die Liebe im Dschungel
„Ich habe die Schönheit entdeckt! Verzeih mir!
Ich werde dich nie wieder sehen!“ Mit den letzten per
SMS versandten Worten einer Ornithologin an ihren Geliebten
beginnt Christian Krugs Roman „Philomela und der Vogel
des Paradieses“. Denn Philomela hat im Dschungel Papua-Neuguineas
einen sagenumwitterten Vogel gefunden – und landet bei
dessen Verfolgung bei Einheimischen, welche die Gesetze der
Zivilisation nicht kennen. Natürlich macht sich der Geliebte
auf den Weg, Philomela zurückzuholen; diese allerdings
bezahlt indessen einen hohen Preis für ihr Eindringen
in eine Welt, in die sie nicht gehört. Poetisch erzählt
der Münchner Krug diese abenteuerliche, atemlose Liebesgeschichte,
in der die Helden nicht verschont werden, denen ihr Lebenstraum
vielmehr zum Alptraum wird. Zeitgleich zu „Philomela“
veröffentlichte Krug im Reise-Know-How-Verlag eine Reportage
über seine 1700-Kilometer-Wanderung durch Indien („Auf
heiligen Spuren“).
Nadine Nöhmaier
Christian Krug: Philomela und der Vogel
des Paradieses; Allitera Verlag 2006; 15,90 Euro
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Die Mexiko-Connection
Es gibt diese Nächte, in denen man längst nach
Hause gehen wollte. Zu viel Alkohol. Zu viel Party. Es reicht.
Doch dann geht man an einem Club vorbei, sieht durch die Fenster,
steht einen Augenblick später an der Bar und bestellt
doch noch ein Bier. Vielleicht unterhält man sich danach
mit aufregenden Frauen. Vielleicht starrt man auch nur stumpf
auf die tanzenden Gäste. Oder man steht zufällig
neben einem Typen an der Bar, der Zigaretten raucht, ein Weißbier
vor sich stehen hat – und sich Notizen auf kleinen Zetteln
macht. In diesem Fall sollte man unbedingt versuchen, dem
Typen über die Schulter zu schauen und heimlich mitzulesen.
Es könnte spannend werden.
Tatsächlich bleibt es bei Stefan Wimmer nicht bei den
in kleiner Schrift zwischen Weißbier und Cuba Libre
notierten Sätzen. Der 36-jährige Münchner Autor,
Journalist und ehemalige Playboy-Redakteur hat einige davon
bereits in wilde Kurzgeschichten verwandelt und in ein Buch
gepackt. Eine schräge und fließende Mischung aus
Erlebtem und Fiktion, Geschichten zwischen Bars und Hörsaal,
München und Mexiko, hübschen Frauen und Transvestiten,
Weißbier und Kokain, großer Liebe und dilettantischem
Scheitern. Das klingt dann so: „Es war ein klirrend
kalter Nachmittag, an dem ich ein letztes Mal durch die Hallen
des Instituts schweifte. Die Semesterferien hatten begonnen,
und die Universität war wie leergefegt. Dort in einem
der Korridore sah ich das Mädchen. Die Engel der Vernichtung
zeigen sich ihren Opfern zunächst in gleißendem
Licht.“ Kein Wunder, dass so ein Buch „Die 120
Tage von Tulúm“ heißen muss. Und noch weniger
überraschend, dass auf dem Buchumschlag der Name „Hunter
S. Thompson“ erwähnt wird – US-Kultautor,
Erfinder des sich zwischen gnadenloser Subjektivität,
Fakten und schräger Fiktion bewegenden Gonzo-Journalismus
und inzwischen auch einem breiten Publikum als Verfasser der
wilden und mit Johnny Depp verfilmten Drogenstory „Fear
and Loathing in Las Vegas“ bekannt. Thompson erschoss
sich Anfang 2005, hier atmet sein Geist weiter.
Stefan Wimmer studierte Literaturwissenschaften an der Uni
München. Dann ging er mit einem Stipendium nach Mexiko:
„Die Dissertation“, so sagt sein Alter Ego Ingo
Falkenhorst in einer der Geschichten, „sollte mich dazu
befähigen, mit einem Stipendium zu den Traumstränden
Yucatáns, den Mezcaldestillerien Oaxacas und den Marihuanapartys
Jaliscos – kurz: nach Mexiko – zu flüchten.“
Tatsächlich bleibt Wimmer drei Jahre dort, arbeitet als
freier Journalist und TV-Producer für mexikanische und
deutsche Medien. Und was er dort zwischen ausgeflippten Partys,
korrupten Behörden und seltsamen Begegnungen erlebt hat,
dürfte zum Nährboden für „Die 120 Tage
von Tulúm“ geworden sein. Jetzt ist Stefan Wimmer
wieder in München. Er träumt immer noch von Mexiko
und sicherlich wird er eines Tages wieder dorthin gehen. Bis
dahin aber kann man ihn mit etwas Glück nachts an einer
Bar sitzend sehen. Vielleicht schreibt er dann wieder etwas
auf. Und vielleicht wird ja noch einmal ein Buch daraus.
Alexander von Streit
Stefan Wimmer: Die 120 Tage von Tulúm,
Maas, Berlin 2004, ISBN: 3-929010-96-8, 16.80 Euro.
Weitere Informationen und Leseproben auf der Website www.die120tage.de
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Schwarzseher
Benjamin von Stuckrad-Barre muss man nicht näher vorstellen;
er ist neben Christian Kracht längst eine feste Größe
unter den jungen deutschen Literaten, die gerne als Popautoren
bezeichnet werden. Seine Blackbox speichert Gesprächsfetzen,
den herben Schicksalsschlag eines Talkshow-Scouts, der die
Langeweile als Marktlücke entdeckt, oder Monologe, die
an ein Gegenüber, das einfach nicht zu Wort kommt, gerichtet
sind. Kurz gesagt: Es gibt in dem Buch viele Arten von Abstürzen.
Sie werden etwa hervorgerufen durch bewusstseinsverändernde
Mittel, eine zerbrochene Beziehung oder unliebsame Entdeckungen.
Seinen eigenen Absturz hat Stuckrad-Barre erst seit kurzem
hinter sich: drei Klinikaufenthalte wegen Essstörungen
und Kokainsucht, verbunden mit Depressionen. Vermutlich handelt
nur zufällig eine Geschichte (Strg S) von
einer essgestörten Person namens S, wobei nicht klar
wird, ob S ein Mann oder eine Frau ist.
Einige der Blackbox-Texte klingen so, als ob
jemand einfach während einer Unterhaltung auf den Record-Knopf
gedrückt hat. Und wie es bei Unterhaltungen nun mal ist,
wird viel geblubbert, was umso deutlicher beziehungsweise
erst deutlich wird, wenn es schriftlich fixiert ist. Bei einigen
Beobachtungen dagegen denkt man sich: Haargenau so ist
es! Mit diesem Buch kann man es wie mit einem Magazin
halten: Man muss nur das lesen, was einem gefällt, da
sich die Beiträge nicht aufeinander beziehen.
Benjamin v. Stuckrad-Barre: Blackbox.
Kiepenheuer & Witsch, 2000, 3. Aufl.
Nadja Gosch
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Die Farbe Lila
Martin Suter belehrt nicht, und vollführt auch keine
Sprachexperimente: Er unterhält seine Leser einfach mit
guten Geschichten. Die oft, wie im Falle seines gradlinig
erzählten Romans Lila, Lila, wie geschaffen
für eine filmische Umsetzung wären. Das rührt
vielleicht daher, dass der Schweizer Autor auch Drehbücher
schreibt.
Lila, Lila beginnt Suter mit dem Zitat eines
nicht näher beschriebenen Mannes, der eine Niederschrift
und kurz darauf sein Leben beendet. Fünfzig Jahre später,
also in der heutigen Zeit, findet ein linkischer, junger Mann,
der in dem Züricher In-Lokal Esquina als
Kellner jobbt, das Manuskript. Um bei Marie, einem außerordentlich
hübschen neuen Gast, Eindruck zu schinden, gibt David
ihr sein Manuskript zum Lesen. Sie ist tief beeindruckt,
wie empfindsam er seine Gefühle zum Ausdruck bringen
kann. Das hätte sie ihm nicht zugetraut. Fortan ist er
für sie nicht mehr nur der Kellner. Die beiden
werden ein Paar. Marie schickt das Manuskript ohne sein Wissen
an einen Verlag. Damit werden dem ohnehin entscheidungs- und
durchsetzungsschwachen Jungautor die Fäden
aus der Hand genommen. Er gerät in die Mühlen des
Literaturbetriebs, über den der Leser einiges Aufschlussreiches
erfährt, und muss widerwillig Lesereisen absolvieren
ständig mit der Angst im Nacken, dass im Publikum
jemand aufsteht und ruft: Aber ich bin doch der Autor!
Mit immer neuen Problemen wird David durch dieses Buch Lila,
Lila konfrontiert: Kann er einen Erpresser los werden,
behält er Maries Zuneigung und schafft er es, doch noch
einen eigenen Roman zu schreiben? Der lockere, gut zu lesende
Roman macht neugierig auf Suters Krimis Small World
oder Ein perfekter Freund.
Martin Suter: Lila, Lila. Diogenes,
2004.
Nadja Gosch
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Bye-bye,
Bier!
Irgendwann nach ein paar Bier, Limo, Prosecco oder was auch
immer ist es unweigerlich soweit. Die Blase ist voll. Also
weg vom mühsam erkämpften Platz an der Theke, durch
die Menge, ab in Richtung Klo. Man landet dann vielleicht
in einem dunklen Loch mit feuchtem Boden, manchmal in Räumlichkeiten,
die schicker sind als die Kneipe selbst, mal hängt Werbung
an der Wand, mal Tapete, Klosprüche, Sofas, Musik, Klofrauen.
Alles ist möglich. Nur: Vorher weiß man das nicht.
Geht auch anders, haben sich vor zwei Jahren die beiden Münchner
Designerinnen Claudia Aigner und Juliane Böttcher gedacht
und die Lücke zwischen allen Kneipenführern, Stadtbüchern
und Szenemagazinen geschlossen. Endlich. Trinken und
Pinkeln ist ein Bildband mit hübschen Texten, oder
ein Textband mit hübschen Bildern, zumindest ist es ein
Buch über 33 gute Lokale und deren Toiletten. Weil das
eben zusammen gehört. Die bebilderte Reise durch Läden
wie Holy Home, Jennerwein, Alter Ofen, Substanz oder Ododo
zeigt Momentaufnahmen in den Kneipen - Stühle, Tische,
Theken, Plattenspieler, dazu nützliche Infos zum jeweiligen
Stammpublikum, Stil, Essen, Musik und anderen wichtigen Sachen.
Auf den Rückseiten des in zwei Richtungen lesbaren Buches
finden sich dann die anderen Bilder. Die von den Klos. Auch
hier: Ausschnitte, Stimmungsbilder und lustige Details wie
der Beware of the Limb Dancers!-Spruch am unteren
Spalt einer Trennwand im Steinheil oder der Haarspray und
die Handcreme auf der Toilette des Baracudas. Dazu gibt es
hübsche Kurzgeschichten rund ums Weggehen, Trinken und
Pinkeln sowie ein Interview mit dem Herrn Zeus, Klomann im
Glockenspiel. Wer sich seine Stammkneipe gerne nach der Toilette
aussucht, dem wird das alles bestimmt helfen.
Alex von Streit
Trinken & Pinkeln gibt
es nicht mehr im Handel. Was schade ist. Kaufen kann man es
trotzdem noch direkt bei den Macherinnen: Brief, Fax
oder Mail an Aigner.Böttcher.Design, Adlzreiterstr. 24,
80337 München, trinken&pinkeln@yahoo.de, Fax 18913870.
Das Buch kostet 11,30 Euro plus 3 Euro Versandkosten.
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Bye-bye,
Job!
Der Schweizer Wirtschaftsanwalt Urs Blank bewegt sich nur
in den höchsten Kreisen der Geschäftswelt. Gelangweilt
vom Alltag in Großkonzernen begegnet er der jungen hübschen
Lucille. Sie überredet ihn zu einem Trip mit halluzinogenen
Pilzen. Blanks Wesen verändert sich nachhaltig und jegliches
Unrechtsbewusstsein schwindet dahin. Blank handelt, ohne nachzudenken:
Lucilles junger Katze dreht er den Hals um. Und warum sich
überholen lassen? Ein tödlicher Unfall auf der Gegenspur
lässt ihn kalt.
Während des Pilzrausches fühlt sich Urs Blank
als Teil des Waldbodens. Immer mehr gerät er in den Bann
der Wälder, bis er sich schließlich wochenlang
in das Dickicht der Bäume zurückzieht. Ein seltener
Pilz ist sein Ziel, der die Wirkung schon beim ersten Mal
verstärkt hatte und der ihm helfen soll, wieder in die
gewohnte Welt zurückzufinden. Im spannenden Roman Die
dunkle Seite des Mondes von Martin Suter ist jeder Satz
von unglaublicher Präzision, kein Wort zu viel und doch
besticht jede Szene durch ihre Anschaulichkeit. Von einem,
der unfreiwillig weggeht und vielleicht nie wieder kommt.
Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes.
Diogenes Verlag 2001, 9,90 Euro
Ulrich Wenzel
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Bye-bye,
Love!
Madga, eine Frau Mitte Dreißig, verlässt in Margriet
de Moors Roman Erst grau dann weiß dann blau
ohne ersichtlichen Grund von heute auf morgen ihren Mann Robert
- und verschwindet erstmal auf Nimmerwiedersehen. Nach zwei
Jahren taucht sie ebenso plötzlich wieder auf und verhält
sich so, als sei sie nie fort gewesen. Kein Wort verliert
sie darüber, warum sie weg war und was sie in der Fremde
getan hat.
Aufgeteilt in vier Kapiteln, kommt jeweils eine andere Hauptperson
zu Wort, so dass sich allmählich die Beziehungsgeflechte
und die Charaktere der Beteiligten erschließen. In Rückblenden
wird allmählich das Geheimnis um Magdas Verschwinden
gelüftet und die Biografie der einzelnen Personen mehr
oder weniger genau herausgearbeitet.
Dem Leser wird Magdas Verhalten allmählich verständlich.
Magda stellt während der zwei Jahre fest, dass
sich ganz in der Nähe des Lebens, in dem man zufällig
gelandet ist, ein anderes befindet, das man seelenruhig genauso
gut hätte führen können.
Margriet de Moor geht mittels innerem Monolog ganz dicht
an die Personen heran. Dann wieder distanziert sie sich, indem
sie in die auktoriale Erzählweise wechselt. Knappe Beschreibungen
der Landschaft, der Gegenstände in einem Raum oder der
olfaktorischen Wahrnehmungen schaffen eine herbstliche, aber
dennoch nicht schwermütige Grundstimmung.
Margriet de Moor: Erst grau dann weiß
dann blau. dtv 1995, 9 Euro
Nadja Gosch
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Bye-bye, Bush!
Einer, der möchte, dass jemand anders weggeht, ist
ganz sicher Erfolgsautor Michael Moore. Nach Recherchen über
Waffen, Konsumterror und ähnlich brisanten Themen ist
er zum Schluss gekommen, dass der amerikanische Präsident
lieber gestern als morgen den Hut nehmen sollte... Natürlich
teilt uns Moore seinen Wunsch ausführlich begründet
in Buchform mit: Hey, Dude, where is my country
heißt auf deutsch Volle Deckung, Mr. Bush
und ist im Piper Verlag als Taschenbuch erschienen.
Michael Moore: Volle Deckung, Mr.
Bush! Piper Verlag 2003, 12,90 Euro.
Christine Schucker
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Geballte Infos für alle Lebenslagen
Wer ganz genau wissen will, was München alles zu bieten hat,
sollte sein Bücherregal demnächst mit der neuen Ausgabe von
„münchenleben – das buch zur stadt“ bestücken. Es ist im Januar
2003 im Verlag Thomas Mayer erschienen und enthält viele Beiträge
von MAYERS-Autoren. Neben interessanten Texten zu Jugend,
Alltag, Politik, Freizeit und Kultur in München bildet eine
umfangreiche Adress-Sammlung das Herzstück des Buches. Egal
ob Restaurants, Kinos, Museen, Theater, Musikclubs, Freizeit,
Sport oder Studium und Wohnen – unter allen Rubriken findet
ihr die Adressen der entsprechenden Einrichtungen; in den
meisten Fällen gibt’s dazu einen Kommentar mit genaueren Beschreibungen.
Mehr über das Stadtbuch erfahrt ihr unter www.muenchenleben.de.
Krense, Tino (Hrsg.): münchenleben – das
buch zur stadt, Verlag Thomas Mayer, 6,50 Euro.
Steffi Nemet
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Hier kommt die Maus!
Emotionen und Computer schließen sich nicht aus: Manch einer
umwirbt seinen PC mit Kosenamen, andere bewerfen ihn mit Schimpfwörtern
und Unrat. Computer machen Spaß und verursachen Frust: Wer
aber nach der Lektüre dieses Ratgebers erst mal die Basics
drauf hat, kann sich getrost dem PC-Imperium stellen.
Deshalb beginnt dieser Ratgeber bei den absoluten Grundlagen.
Angefangen mit einem Crashkurs in Computer-Chinesisch lernen
Sie, worauf beim PC-Kauf zu achten ist. Wenn dann die Verkäufer
bezwungen und alle Geräte eingestöpselt und zum Laufen gebracht
sind, gilt es die sogenannten "Soft skills" in den Griff zu
kriegen.Nach präziser Anleitung wird Schritt für Schritt der
Rechner gezähmt, das Keyboard erobert und das Menü bewältigt.
Nach den ersten hundert Seiten von Computer Basics kann der
lernwillige Leser schreiben, speichern, drucken und formatieren.
Mit Computer Basics macht der Weg zum IT-Profi dank eingestreuter
Geschichten, persönlicher Statements und fröhlicher Fotos
richtig Spaß. Auch wenn's jetzt richtig zur Sache geht: Festplatten
wechseln, CD-Brenner einbauen oder gleich ein ganzes Netzwerk
einrichten - mit der richtigen Hilfestellung kein Problem!
Im "Erste-Hilfe-Kapitel" findet Ihr schlaue Tricks, Sofortmaßnahmen
gegen Virenbefall - und als letzte Rettung die wichtigsten
PC-Telefon-Hotlines.
Allerdings versuchen die Autoren allen verschiedenen Rechnern
und Betriebssystemen gerecht zu werden und erteilen deshalb
oft ziemlich pauschale und allgemeingültige Anweisungen. Also
genau schauen, welche Tipps für Euern PC zutreffen und dann
erst loslegen.
Bärbel Schermer, Cecile Prinzbach, Ralf
Sablowski: Computer Basics. Alles, was man braucht, um schnell
richtig fit zu sein. Gräfe und Unzer, Taschenbuch (168 Seiten),
ca. 20 Euro
Kerstin Schmidt
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Weck die Zicke in dir!
Dieses Buch wurde für Frauen geschrieben, die den Zwang zum
Lieb- und Nettsein so sehr verinnerlicht haben, dass sie -
auch wenn sie ganz offensichtlich nur ausgenutzt werden sollen
- einfach nie nein sagen können.
Als einfaches Rezept, sich gegen solche Ansinnen von außen
und die entsprechenden eigenen Tendenzen zur Wehr zu setzen,
empfiehlt die amerikanische Autorin den Satz "ICH GLAUBE NICHT!"
. Das Buch bewegt sich auf der Ebene der populären Lebensberatung,
und es sollten deshalb keine allzu tiefschürfenden Erkenntnisse
erwartet werden.
Elizabeth Hilts beschäftigt sich jedoch in konstruktiver
Weise mit einem Phänomen, das viele Frauen gut kennen dürften,
und versucht, den Boden für eine selbstsichere, nicht so leicht
von anderen ausnutzbare Einstellung zu bereiten. Dass sie
das tut, ohne allzu klischeehafte und vereinfachte Feindbilder
("Alle Männer sind Schweine!") aufzubauen, macht das Buch
sympathisch. Etwas unglücklich erscheint die Übersetzung des
englischen "bitch" mit "Zicke", aber vermutlich gibt die deutsche
Sprache kein besseres Wort her.
Ingrid Zorn
Elizabeth Hilts: Weck die Zicke in
dir! mvg Verlag, 176 Seiten, 7,90 Euro
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Paint It, Black!
Als Mathilda den Himmel malen musste, damals im ersten Schuljahr,
verwendete sie so viel schwarze Farbe, dass ihr Himmel der
letzte war, der trocknete. Er hatte die Kraft eines Gewitters,
das überzugreifen drohte auf die fröhlichen blauen Himmel
der anderen Kinder. Aber Mathilda hatte den Himmel nur so
gemalt, wie sie ihn sah, nachts in ihrem Zimmer im Dachgeschoss:
ein kleiner blauer Ausschnitt im Schatten der Zimmerwand,
ein Himmel hinter Glas, mit Kanten und vier Ecken.
Aber dann ziehen unerwartet dicke Wolken auf. Am Morgen ihres
18. Geburtstags, an dem der Vater ihr ein Auto schenkt und
ein Geständnis macht. "Ich bin nicht dein Vater", sagt er
nur. Für Mathilda bricht eine Welt zusammen, sie packt ihre
Sachen und haut ohne ein Wort von Zuhause ab. Es sei an der
Zeit einige Dinge zu tun, die ihr Vater nie geduldet hätte,
sagt sie zu ihrer besten Freundin Julia.
In ihrem Schmerz flüchtet Mathilda in die Großstadt und versucht
die Wunde in ihrer Biografie zu schließen: Sie schmeißt zwei
Wochen vor dem Abi die Schule, fährt nach Hamburg, schläft
im Auto und verteilt Flugblätter für eine Table-Dance-Bar.
Egal ob sich Mathilda bei der alten Frau Jeske einquartiert
oder mit dem ungehobelten Lukas erotische Spielchen treibt
- all die Dinge sollen den übermächtigen Vater verletzen.
Schließlich fährt sie mit Julia in die Ferien, einer Reiseroute
folgend, deren Orte sie nach dem Alphabet auswählen: Amsterdam,
Brüssel, Cannes und weiter. Erst als sie nach Hause zurück
kehren, stellt sich Mathilda der befreienden Wahrheit über
ihre Kindheit, um in ein neues Kapitel ihres Lebens aufbrechen
zu können.
Schön, dass es Nicol Ljubic gelungen ist, an den üblichen
Coming-of-Age-Klischees der "Jungen deutschen Autoren"-Riege
vorbei zu schreiben. Wer die stille, etwas verbohrte Heldin
auf ihrem unspektakulären Weg ins Erwachsenendasein begleitet,
wird mit der Offenheit und der beeindruckenden Beobachtungsgabe
des Autors belohnt. Ganz besonders aber hat mich die unverschleierte
Sichtweise und die einfache sinnliche Sprache berührt, mit
der Ljubic die poetischen Momente beschreibt, die Mathilda
auf der Suche nach sich selbst hin und wieder begegnen.
Nicol Ljubic: Mathildas Himmel. Eichborn,
Hardcover (168 Seiten), 16,90 Euro
Kerstin Schmidt
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Love Is Strong
Wo "Aschermittwoch" beginnt, haben die meisten Liebesgeschichten
schon längst aufgehört: Jimmy lässt seine schwangere Freundin
Christy sitzen. Macht Schluss, ohne zu ahnen, dass ihre gemeinsame
Geschichte jetzt erst richtig losgeht.
Christy nimmt den Bus zu ihrer Familie nach Texas, Jimmy
bereut seinen Entschluss im selben Moment und fährt mit seinem
69er Chevy Nova hinterher. Auf einer verschneiten Greyhound-Station
holt er Christy ein und überrascht sie mit einem ziemlich
impulsiven Heiratsantrag. Aber die Entscheidung, eine Familie
zu gründen, ist gar nicht so einfach. "Nie werde ich jemand
mehr lieben als dich", sagt Jimmy. "Die Frage ist also: Glaube
ich an die Liebe?"
Auf der Fahrt von Kingston über Manhattan, Cincinnati und
New Orleans bis nach Houston haben die beiden eine Menge Zeit,
sich darüber klar zu werden und ihr Gepäck an Familiengeschichten,
Komplexen, Ängsten und Träumen miteinander zu teilen. Aber
zwischen Treueversprechen und Kinderwunsch geht es doch nur
um die eine große Entscheidung: Ob man nämlich einem anderen
Menschen "das Einzige" schenken will, "was wir wirklich zu
geben hatten: unsere Zeit".
So banal diese Erkenntnis auch scheinen mag, so berührend
und aufwühlend erzählt Ethan Hawke diese Geschichte von zwei
Menschen und ihrem gemeinsamen Weg aufeinander zu. Dass er
schreiben kann, hat der Schauspieler (Club der Toten Dichter,
Reality Bites, Gattaca) schon in seinem ersten Roman "Hin
und Weg" bewiesen. In "Aschermittwoch" geht es wieder - und
diesmal noch eindrücklicher - um die großen Themen Liebe,
Vertrauen, Glück und Verantwortung. Dabei schildert Hawke
mal aus Jimmys, mal aus Christys Perspektive, wie schwierig
und schmerzhaft es doch sein kann, jemanden zu lieben und
denjenigen, wie sich selbst, mit seinen ganzen Schwächen anzunehmen.
Freut euch auf die seltenen Einblicke in das Seelenleben
von Mann und Frau und natürlich auf Jimmys glorreiche Erkenntnisse:
"Ich habe eine Theorie: Wenn eine Frau einen Mann wirklich
halten möchte, muss sie ihn nur erzählen, dass sie an ihn
glaubt und dass er einen großen Schwanz hat. Mehr ist nicht
nötig. Und es muss nicht mal stimmen."
Ethan Hawke: Aschermittwoch. Kiepenheuer
& Witsch (315 Seiten), 19,90 Euro
Kerstin Schmidt
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Reisen zu Marco Polos Zeiten
Eine Buchreihe beleuchtet die Grundlagen der Moderne aus
der Sicht von Entdeckern und Weltreisenden.
Wie sehr Geschichte und Geographie miteinander verbunden
und wie weitreichend Entdeckungen vor 500 bis 700 Jahren waren,
zeigt eine kleine Buchreihe aus dem Heyne-Verlag. Sechs kommentierte
Reise- und Zeitzeugenberichte aus dem Zeitalter der Entdeckungen
sind hier zusammengestellt und entwerfen eine Vision vom Aufbruch
in ein neues Zeitalter: die Moderne.
Von Marco Polo bis Sir Francis Drake reicht die Sammlung,
die nun erstmals in Taschenbuchform erhältlich ist. Die Reihe
lässt in abgeschlossenen Einzelausgaben die großen Entdecker
selbst zu Wort kommen. Ihre Ausführungen sind kritisch kommentiert
und in einen historischen Kontext gesetzt.
Chronologisch gesehen, beginnt die Reihe mit Marco Polos
Reisebericht „Von Venedig nach China“. Im Alter von 17 Jahren
brach er in Richtung China auf und kehrte 20 Jahre später
nach Venedig zurück. Sein Reisebericht aus dem 13. Jahrhundert
gilt als eine der bedeutendsten Quellen des Spätmittelalters.
Knapp 30 Jahre später, 1325, machte sich der junge Ibn Battuta
von Tanger aus auf, um nach Mekka und Medina zu reisen. Er
kehrte erst 1353 zurück, weil er ganz nebenher fast die gesamte
damals bekannte Welt außerhalb Europas bereiste. Sein farbenfroher
Bericht von den „Reisen ans Ende der Welt“ belegt die kulturelle
Führungsrolle der Araber in jener Zeit.
„Das Bordbuch“ von Christoph Columbus von 1492 stürzt die
Leser mitten hinein in das Entdecker-Wettrennen zwischen den
Portugiesen und Spaniern. „Das Bordbuch“ beinhaltet nämlich
nicht nur Columbus´ eigene Aufzeichnungen von der Entdeckung
der neuen Welt. Hier finden sich auch die Niederschriften
anderer Teilnehmer der Expedition sowie die dramatisierten
Erinnerungen von Mitgliedern des Hofes und der Gesellschaft,
so dass die historischen Ereignisse in einen weiten politischen
und gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt werden.
Im nächsten Band der Reihe berichten Augenzeugen über „Die
Entdeckung des Seewegs nach Indien“ durch den Portugiesen
Vasco Da Gama (1497-1499). Dieser große Konkurrent von Columbus
löste die von der portugiesischen Krone gestellte Aufgabe,
eben jenen Seeweg um das Kap der Guten Hoffnung herum nach
Indien zu finden. Dass Columbus gleich einen neuen Kontinent
entdeckte, deshalb berühmter wurde und die Spanier reicher
machte, konnte ja keiner ahnen.
Konsequent führt Columbus´ Triumph zu den Aufzeichnungen
des Spaniers Hernan Cortés über „Die Eroberung Mexikos“ (1520-1524),
die er an seinen Herrn, den Kaiser Karl V. schickte. Seine
kriegerischen Eroberungen im Gefolge von Columbus und Da Gama
sorgten blutigst dafür, dass die Atzteken-Reiche vernichtet
wurden, ihr Gold der Spanischen Krone unermesslichen Reichtum
verschaffte und der Mythos von El Dorado den ersten Siedlerstrom
in die Neue Welt auslöste.
Berichte, Dokumente und Zeugnisse des Seehelden Sir Francis
Drake und seiner Zeitgenossen beschreiben in „Pirat im Dienst
der Queen“ das letzte Kapitel des Zeitalters der Entdeckungen.
Die Faszination des kühnen Freibeuters und Tausendsassas Drake
hat auch 400 Jahre später nichts von ihrem Glamour eingebüßt.
Der Abenteurer, Agent und Weltumsegler war in der Zeit von
1567 – 96 mehr als nur ein Vorbote für Spaniens Niedergang.
Seine Raubzüge zur See, der Angriff auf Panama und San Juan
sowie die Entdeckungen seiner Weltreise bildeten den Grundstock
für Englands Aufstieg zur Weltmacht.
Hier wie in den anderen Bänden der Reihe ist es vor allem
das Zusammenspiel von kurzen historischen Einführungen, Zeitzeugenberichten,
Briefen und Dokumenten, die aus der Historie spannende und
faszinierende Bücher machen. Die menschlichen Schicksale und
Tragödien, die hier angerissen werden, schärfen den Blick
für die Komplexität von Geschichte. Das ist so spannend, dagegen
ist jeder der gerade so populären Historischen Romane entsetzlich
langweilig.
Harald Witz
Marco Polo - Von Venedig nach China. Heyne,
338 Seiten
Ibn Battuta - Reisen ans Ende der Welt. Heyne, 315 Seiten
Christoph Columbus - Das Bordbuch. Heyne, 349 Seiten
Vasco da Gama - Die Entdeckung des Seewegs nach Indien. Heyne,
237 Seiten
Hernán Cortés - Die Eroberung Mexikos. Heyne, 333 Seiten
Sir Francis Drake - Pirat im Dienst der Queen. Heyne, 348
Seiten, jeweils 8,50 Euro
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Tödliche Recherche
Melanie ist Journalistin - jung, hübsch, tot. Alex will den
Mörder ihrer besten Freundin finden und stürzt dadurch in
eine Beziehungskrise mit Michael. Reporter Hans will Alex
und setzt seinen ganzen Charme ein. Erst im Liebestaumel,
dann in Lebensgefahr – hinter dem düsteren Titel verbirgt
sich eine raffinierte, spannende Kriminalgeschichte. Welche
brisanten Geheimnisse wollte die Reporterin enthüllen? Wer
wollte dies verhindern? Und welche Rolle spielt das Stadtmagazin
im mysteriösen Münchner Medien-Milieu? Ideal als Ferienlektüre,
denn am Tatort im Englischen Garten bekommt ihr die perfekte
Mischung aus Gänsehaut und Sonnenbrand!
Kerstin Schmidt
Billie Rubin: Schwabinger Schatten. Vertigo
Verlag, 208 Seiten, 10 Euro
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Schlaflos in München
Schlaflos in München Miriam lebt anders als der Rest der
Welt. „Polyphasisches Schlafmuster des desorganisierten Typus“
lautet die Diagnose. Für Miriam bedeutet das: Spaghetti um
fünf Uhr morgens, vor der Tagesschau ins Bett und nachts Spaziergänge
durch München.
Die Anekdoten der Ich-Erzählerin amüsieren auf den ersten
Seiten von Claudia Frenzels Roman „Nö“; die Autorin bringt
den Leser durch den saloppen Umgang Miriams mit ihrer Schlafkrankheit
öfters zum Schmunzeln – zum Beispiel, wenn sie schreibt „...an
weite Reisen oder einen Acht-Stunden-Job ist nicht im Traum
haha zu denken...“. Witzig ist auch die Begegnung Miriams
mit Reich-Ranicki und Wondratschek in der Gaststätte Leopold
beschrieben. Wenn Miriam im Laufe des Buches aber nicht mehr
aus dem Haus geht, ohne einen Promi zu treffen, und ununterbrochen
möchtegern-komisch über ihre Schlafkrankheit palavert - sie
malt sich sogar ihr eigenes Beerdigungsszenario aus, inklusive
Grabstein, auf dem „Endlich kann sie ausschlafen!“ steht -,
dann ist nicht nur Miriam, sondern auch dem Leser zum Schlafen
zumute.
Nadine Nöhmaier
Claudia Frenzel: Nö! dtv-Verlag, 220 Seiten,
14 Euro
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Frausein light
Doc Martens und Wochentags-Höschen, David-Bowie-Poster und
Unisex-Parfüm, RAF und Aids, die erste Interrail-Tour und
das Leben vor dem Privatfernsehen. In ihrem Debüt „Generation
Ally“ analysiert Katja Kullmann die Frauengeneration, die
in den 80ern pubertierte – mit Eltern, die ihre Eigenheime
in Blumennamen-Strassen errichten und Lehrern, die auf ewig
Bob Dylan verehren. Heute sind die Mädels der Jahrgänge 1965
bis 1975 erfolgreich im Job, kennen sich aus in Sachen Lifestyle
und Sex – und ihr Idol heißt Ally McBeal. Zwischen Alice Schwarzer
und Verona Feldbusch groß geworden, wissen sie nur eins: Kein
Karrieremonster werden, aber noch weniger Hausmütterchen und
schon gar kein Boxenluder! Vielleicht etwas klischeehaft,
eine ganze Generation über einen Kamm zu scheren. Aber dieses
Buch will in erster Linie unterhalten – „Soziologie light“
mit einem hohen Nostalgiefaktor!
Kerstin Schmidtr
Katja Kullmann: Generation Ally. Eichborn
Verlag, 217 Seiten, 14,90 Euro
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Legenden leben ewig
Der Berliner Comicverlag Egmont Ehapa setzt Lucky Luke
mit dem Band „Eine Westernlegende“ ein Denkmal – allerdings
fast unfreiwillig.
Auch Comic-Figuren können sich irren. Irgendwann in den Weiten
des Westens sagt Lucky Luke über sich: „Ich habe nur einen
Namen, aber nicht das Zeug zu einer Westernlegende.“ Das ist
die Bescheidenheit des Westmanns, dessen Herz am rechten Fleck
sitzt, der dem Tod schon hundertmal ins finstere Auge geblickt
hat, der stets der guten Sache zum Sieg verhalf.
Aber: Der „poor lonesome Cowboy“ ist längst zu einer Legende
geworden. Dennoch ist es eher Zufall als Kalkül, dass der
Berliner Egmont Ehapa Verlag jetzt Eine Westernlegende veröffentlicht
- fast genau ein Jahr, nachdem Morris, Lucky Lukes geistiger
Vater, in die ewigen Jagdgründe einzog. Denn Maurice de Bévère,
wie Morris, der Belgier, mit bürgerlichem Namen hieß, verstarb
77-jährig am 16. Juli 2001.
In Eine Westernlegende geht es eigentlich gar nicht um Lucky
Luke und sein nicht minder berühmtes Pferd Jolly Jumper, sondern
um Buffalo Bill, der mit seiner Wildwest Show Anfang des 20.
Jahrhunderts in den Oststädten der USA triumphale Erfolge
feiert. Buffalo Bill, unter Historikern höchst umstritten,
inszenierte damals sein Zerrbild davon, wie der weiße Mann
den Westen eroberte. Sogar sein Erzfeind Sitting Bull machte
mit und trat auf. Auf diese Helden trifft Lucky Luke in Eine
Westernlegende - und auf noch ein paar mehr: die Winchester-Lady
Anny Oakley ist ebenso mit dabei wie die Dalton-Gang und ihre
trotteligen Vettern.
Das macht den 76. Lucky-Luke-Band zu einem der typischsten
der Reihe, denn von Anfang an entlieh Morris die Figuren seiner
Stories der US-Geschichte. Er ließ Billy the Kid, Jesse James,
Calamity Jane, Richter Roy Bean oder Sarah Bernhardt Seite
an Seite mit Lucky Luke in den Sonnenuntergang reiten.
Wer heute einen Lucky-Luke-Band aufschlägt, der begibt sich
auf eine zweifache Zeitreise. Zum einen eben die Begegnung
mit den realen Mythen des Wilden Westens, die als Karikaturen
ihren Mythos einbüßen und an Herzlichkeit gewinnen. Zum anderen
die Begegnung mit einer Art zu zeichnen und zu erzählen, wie
sie heute nicht mehr denkbar wäre. Damals aber richtungsweisend
die Szene, wie in einem Bild Lucky Luke an dem Strohalm einer
Cola-Flasche saugt, im nächsten Bild nur die dünne Rauchfahne
aus dem Holster anzeigt, dass der Cowboy, der schneller zieht
als sein Schatten, wieder in Aktion getreten ist (ungerührt
nuckelt er weiter an der Cola), und im dritten Bild endlich
die vier Daltons, die fluchend ihre Hosen festhalten, weil
der Scharfschütze ihnen die Gürtel weggeschossen hat. Comics,
insbesondere Mangas, wie sie in den vergangen zehn Jahren
entstanden sind, bräuchten für den gleichen Bewegungsablauf
eine ganze Seite, würden sich in Schnitt und Gegenschnitt
und tausend Bewegungsstrichen verirren.
Das macht den Reiz der Lucky-Luke-Geschichten auch heute
noch aus. Morris war verliebt in historische Details, aber
nie oberlehrerhaft; er war witzig, aber nie aberwitzig. Er
reitet jetzt in einem Tal, in dem sein Schatten niemals kürzer
wird. Und neben ihm Lucky Luke - eine echte Westernlegende.
C.C. Filius
Lucky Luke, Bd. 76, „Eine Westernlegende“,
Morris/Patrick Nordmann, Egmont Ehapa Verlag, Berlin, 8,60
Eur
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Voyeuristische Spannung
June ist jung, schön und gelähmt, und sie lebt in einer Wohnung
mit großem Fenster, das ihren Nachbarn von Gegenüber zum Beobachten
einlädt. June genießt die Blicke. Als sie ihre E-Mail-Adresse
an ihre Wand pinselt, beginnt eine halb virtuelle, halb reale
Amour Fou zwischen ihr und ihrem Voyeur.
Seitenweise sind die darauf folgenden E-Mail-Dialoge der
beiden in Thommie Bayers Roman „Das Aquarium“ dokumentiert;
aufgelockert werden diese mit Szenen aus dem Parallel-Alltag
der beiden und ihren jeweiligen Vorgeschichten. Eine gemeinsame
Fortsetzung des Lebens der vom Schicksal gezeichneten Nachbarn
drängt sich auf.
Thommie Bayer (geboren 1953 in Esslingen) wirft lakonisch
mit Worten um sich, manchmal auch brutal, beispielsweise,
wenn der Nachbar die Gestalt der Rollstuhlfahrerin June als
„Oberkörper mit sinnlos herunterbaumelnden Extremitäten“ sieht.
Geschickt macht der Autor auch den Leser zum gebannten Spanner;
seinen raffiniert gestrickten Roman, der mit vielen wunderbaren
Details verziert ist, mag man nicht aus der Hand legen, so
lange gegenüber noch etwas zu sehen ist.
Nadine Nöhmaier
Thommie Bayer: Das Aquarium. Eichborn 2002,
336 Seiten, 19,90 Euro.
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Skandalöses Vermächtnis?
„16 Jahre nach seinem Tod erstmals zugänglich: das skandalöse
Vermächtnis des italienischen Literaturstars Goffredo Parise.“
So macht der Piper Verlag Parises autobiographischen Roman
„Der Geruch des Blutes“ schmackhaft.
Skandalös an dem Roman ist höchstens dessen zu viel versprechende
Werbung. Die Geschichte ist einfach: Silvia und Filippo sind
seit 20 Jahren verheiratet. Eines Tages stürzt sich Silvia
in eine Affaire mit einem viel Jüngeren, einem Halbstarken
in Lederkluft. Ein langatmiges, sich immer wiederholendes
und arg psychologisches Katz- und Mausspiel zwischen den Eheleuten
folgt, das zumeist am Telefon stattfindet. Während Silvia
der Faszination des Primitiven erliegt, dem Geruch des Blutes,
versucht Filippo durch ständiges Fragen, alle Details der
Liaison zu erfahren.
Das Problem dabei: Die ewig gleich ablaufenden Gespräche
zermürben nicht nur Silvia, sondern auch den Leser. Zudem
erklärt der Autor jeden Gedankengang Filippos allzu ausführlich,
was dem Leser das eigene Denken abnimmt. „Dieser Roman sollte
nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Parise versiegelte
ihn nach der Niederschrift und nahm ihn nie wieder zur Hand“,
schreibt der Piper Verlag. Vielleicht wusste der Italiener
ganz genau, warum.
Nadine Nöhmaier
Goffredo Parise: Der Geruch des Blutes.
Piper 2002, 276 Seiten, 19,90 Euro.
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Alles für
den Eimer?
Ein Melancholiker ist ein Mensch, der, seinen Blick nach
hinten richtend, in der Vergangenheit stets das Versäumte
sucht und entgangenen Gelegenheiten nachtrauert. Was wäre
gewesen, wenn...? Wie ein Geißler fügt er sich
mit der Peitsche der Selbstvergewisserung blutende Wunden
zu.
Ähnlich lässt sich die Motivation des Rezensenten
des Buches 101 Gründe, nicht zu studieren beschreiben,
als er das zu besprechende Werk in seine zittrigen Hände
nahm. "War der ganze Käse umsonst?", fragte
sich der MAYERS-Redakteur, der seit zwei Jahren seinen
Magisterhut spazieren führt.
Seine Angst wich einer grimmigen Entschlossenheit, sich seinen
Lebensweg nicht von einem Miesepeter kaputt reden zu lassen.
Was kann da schon groß drinstehen? Dass einem ein Studium
keine besseren Perspektiven eröffnet? Pah! Mit einem
Studium kann man reich und berühmt werden. Zum Beispiel
als MAYERS-Redakteur.
Auf der letzten Seite des Buches angelangt, kann der Rezensent
sein zum Selbstschutz errichtetes Bollwerk nicht länger
verteidigen gegen die Argumente des Autors, die wie Kanonenkugeln
die Bastionen seines Weltbildes erschüttern. Zu niederschmetternd
sind die Gründe, die der Autor ins Feld führt.
Glatt widerlegen kann Zeller seine bisherige Annahme, Studenten
würden die Uni zwecks Mehrung ihres Wissens besuchen.
Nein, es ist die Suche nach frohem Jugendleben. "Was
das frohe Jugendleben beinhaltet, weiß man vorher nicht
so genau, denkt aber, es demnächst zu erfahren. Schon
so irgendetwas mit viel Sex, abends lange weggehen, morgens
lange ausschlafen, viel Sex, trinken und rauchen und zwar
harte Sachen, Sex, beliebt sein, Sex. In der Reihenfolge.
Und dann noch sexuelle Erfahrungen sammeln."
Ebenso entlarvt Zellers Röntgenblick die Arbeit der
Professoren, die ja bekanntlich durch ihr selbstloses Wirken
den Fortschritt der Menschheit vorantreiben. Ohne ihren väterlichen
Rat würden die Studenten wohl immer im intellektuellen
Dämmerschlaf verharren: "Als die Professoren noch
studierten, da stand ein Professor im Range eines Hohepriesters,
der sich von den Studenten anbeten ließ. Heute ist das
anders.
Heute kommt sich ein Professor vor wie ein Gott. Denn wie
Gott kann er Gebote und Plagen erlassen und entscheidet über
Wohl und Wehe ganzer Volksscharen". Wie ein Kartenhaus
brach schließlich der Irrglaube des Rezensenten zusammen,
die Frucht monatelanger, entbehrungsreicher Studien, seine
Scheine, wären Ausdruck seines geistigen Reifens. "Die
Bezeichnung Schein rührt weniger von dem Papier her,
das eine erbrachte Leistung bescheinigt, sondern soll durch
die Assoziation mit Geld suggerieren, dass es etwas wert wäre."
Gramgebeugt und von der Nichtigkeit seines langjährigen
universitären Wirkens überzeugt, kann der Rezensent
der studentischen Nachwelt nur noch einen gutgemeinten Tipp
geben: Leute, lest dieses Buch lieber nicht...
Frank Buchenau
Bernd Zeller: 101 Gründe nicht zu studieren,
Piper Taschenbuch, 113 S., 7,90 Euro
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Training fürs
Hirn
Was macht Mozart hoch zu Ross auf einem Heuwagen, bekleidet
mit einem gewebten grünen Pullover, in der einen Hand
einen Blumenstrauß, in der anderen einen mit Punsch
gefüllten Humpen, der ihm den Bizeps anschwellen lässt?
Ganz einfach: Er hilft uns dabei, berühmte Opernkomponisten
im Gedächtnis zu behalten.
Je abstruser die Bilder sind, die wir uns als Erinnerungshilfen
ausdenken, desto besser funktionieren sie, meint Gregor Staub,
der Autor von "Mega Memory". Optimales Gedächtnistraining
für Privatleben, Schule und Beruf - so der Untertitel
des Buches - will er vermitteln und macht die Leser mit Techniken
vertraut, die helfen, Informationen aller Art so im Gedächtnis
zu verankern, dass man sie bei Bedarf sofort wieder findet.
Wer seinen Rat befolgt und als erstes die Übung auf der
beigelegten CD mitmacht, merkt schnell, wie gut es funktioniert
und dass es sogar Spaß macht!
Die Methoden selbst sind zwar nicht neu, sondern waren zum
Teil schon den alten Griechen bekannt; Gregor Staub hat den
Stoff aber didaktisch so gut aufbereitet, dass am Ende jeder,
der das Buch ernsthaft durchgearbeitet hat, in der Lage sein
sollte, sich eine 20-stellige Zahl zu merken und ähnliche
Gedächtnisleistungen zu vollbringen.
Ingrid Zorn
Gregor Staub: "Mega
Memory", mvg-Verlag, Hardcover, 220 S. + CD, 39,80 Mark.
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Islam zum
Nachschlagen
Heute bekennt sich ein Fünftel der Menschheit zum Islam.
Dennoch wissen hierzulande nur wenige Genaueres darüber. Wie
vielschichtig diese Weltreligion ist, stellt Murad Hofmann
im Paperback "Islam" dar. Der Autor arbeitete 33 Jahre lang
im diplomatischen Dienst und konvertierte 1980 zum Islam.
Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis des Buches zeigt, wie
vielfältig die Themen sind. Hofmann spannt den Bogen von den
Glaubensinhalten über die Geschichte des Islam bis zur Situation
in der Gegenwart. Die einzelnen Kapitel gehen meist nicht
über eine Seite hinaus, die darin enthaltene Information ist
aber sehr komprimiert.
Zu Fragen, die im Zusammenhang mit dem Islam immer wieder
aufgeworfen werden, stellt der Autor die unterschiedlichen
Standpunkte vor, so dass man sich als Leser selbst ein Urteil
bilden kann. Zum Beispiel setzt sich Hofmann mit dem Widerspruch
zwischen unabänderlicher Vorherbestimmung und freiem Willen
auseinander.
Der Leser stößt immer wieder auf interessante Details, die
in vielen anderen einführenden Büchern über den Islam nicht
vorkommen. Es weiß wohl kaum jemand, dass die Vorlage für
"Robinson Crusoe" von einem Araber (Ibn Tufail) stammt.
Einige wenige Kapitel sind allerdings schwer verständlich.
So werden nur Theologen und Philosophen etwas mit dem Abschnitt
über "Die gnostische Schöpfung" anfangen können, weil diese
mit Begriffen wie Monismus, Materialismus etc. besser vertraut
sind.
Im Anhang finden sich ein Begriffs- und Namensglossar, ein
Sachwortregister zum schnellen Nachschlagen, Literaturhinweise
und ein Adressverzeichnis islamischer Zentren in Deutschland.
Nadja Gosch
Murad Hofmann: Islam,
Diederichs kompakt, 12,90 Mark.
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Souverän geklammert
Peter, der Erzähler in Fridolin Schleys Debütroman "Verloren,
mein Vater", ist in München aufgewachsen und studiert in Freiburg
Medizin. Eines Tages verschwindet sein Vater. Dass diesem
nichts zugestoßen ist, ist bald klar.
Immerhin schickt er seinem Sohn regelmäßig Fotos. Peter
allerdings nimmt keinen Kontakt zu seinem Vater auf, obwohl
er die Möglichkeit dazu hätte. Vielmehr beginnt er, in seiner
Erinnerung nach Brücken in die Vergangenheit zu suchen. So
taucht der Leser in die Welt von Peters Eltern und Großeltern
ein. Peter sucht noch mehr - seine Cousine beispielsweise.
Die findet er nicht.
Überhaupt sucht der Erzähler vor allem nach Dingen, die
er nicht findet. Gerade in dieser Hinsicht versteht man ihn
oft nicht. Genauso viel und so wenig, wie man sich selbst
nicht versteht. Fridolin Schley macht nicht wie so viele Jungautoren
den Fehler, die Welt erklären zu wollen. Und gerade dadurch
nimmt man ihm die Geschichte ab.
Schley schreibt mit spielerischer Leichtigkeit. Die Sätze
sind kurz. Die Sprache ist klar und flüssig. Letzteres wohl
auch durch eine Eigenart des Autors, die einen zunächst befremdet:
Er benutzt Klammern - und das exzessiv.
Aber was man erst gewöhnungsbedürftig findet, lernt man
bald zu schätzen. Schley verschont den Leser durch diese Technik
nämlich mit Nebensatzungeheuern, die so viele Bücher verunstalten.
Man tut sich jedenfalls schwer, den Roman wegzulegen, wenn
man einmal damit angefangen hat.
Er fesselt. Alles in allem ein bemerkenswertes Werk, das
aus der Flut von Büchern junger Autoren, die derzeit auf den
Markt geworfen werden, heraussticht. Der Autor (Jahrgang 1976)
hat an dem von der LMU, dem Literaturhaus und dem Bertelsmann-Verlag
initiierten Kurs für Kreatives Schreiben (www.muenchen.de/referat/kultur/institute/lit-haus/manuskriptum/index.htm)
teilgenommen. Fridolin Schley scheint einiges mitbekommen
zu haben. Talent sicherlich - und ein hohes Selbstbewusstsein.
Ein solches braucht man auch, um im ersten Satz seines Debütromans
eine Klammer einzuschieben.
Florian Kast
Fridolin Schley: "Verloren,
mein Vater", Verlag C. H. Beck, 38 Mark
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Vietnam: Urlaub
ohne Neckermänner
Seitdem Thailand als geldbeutelschonendes Reiseziel gilt,
kommt zu den Strapazen des Langstreckenfluges auch noch die
unvermeidliche Gesellschaft üble Klischees bestätigender Neckermänner.
Zeit, sich nach einem neuen Reiseziel umzusehen! Zumindest
dem abenteuerlustigen Menschenschlag bietet das noch nicht
allzu lang touristisch erschlossene Vietnam eine interessante
Alternative.
Eine neue Reihe sozio-kultureller Reiseführer bei Hueber
hat das Ziel gesetzt, bei der Entdeckung dieses zum Teil noch
wenig an Touristen gewöhnten Landes Hilfestellung zu leisten.
Die Reihe Kultur-Schlüssel versteht sich als eine Art Kultur-Knigge
für all jene, die sich für Gesellschaft, Tradition und Politik
ihres Reiselandes interessieren. Wer Gespräche sucht und gern
neue Bekanntschaften schließt, wird auch während der Reise
gern die paar Hundert Gramm mehr im Reisegepäck mit sich herumtragen,
um auf unvorhergesehene Situationen richtig reagieren zu können.
Eine spontane Einladung zum Essen beispielsweise mag manchem
als gute Gelegenheit erscheinen, fremde Essgewohnheiten kennen
zu lernen, doch sollte man wissen, wann man sie besser ablehnt:
in Nordvietnam nämlich dann, wenn sie nur einmal ausgesprochen
wurde.
Diese interessante und durch die historischen Lebensbedingungen
der Menschen in diesem Landstrich auch gut begründete Information
erhält der Leser im 'Kulturspiel' am Ende des Buches. Hierbei
handelt es sich um ein kleines Frage-und-Antwort-Spiel ähnlich
Psychotests in Frauenzeitschriften. Der Autor Hans-Jörg Keller,
im Hauptberuf Lehrer, kam wohl nicht umhin, eine Art Lernerfolgskontrolle
einzubauen...
Zum Glück gibt es im Buch viel mehr zu lernen, als in den
zehn Situationen des Kulturspiels abgefragt werden kann. So
gibt es zahlreiche farbig unterlegte Textkästen, in denen
Tipps, Sprachhilfen und Zusatzinformationen übersichtlich
vermittelt werden. Auch sonst ist das Buch pädagogisch durchdacht
aufgebaut: den Anfang macht eine kleine Geschichte, in der
sich der Leser in der Figur des interessierten Fluggastes
wiedererkennen kann. Eine gute Hilfe beim Querlesen sind die
ausführlichen Randnotizen: diese Textpassagen ermöglichen
es, den Inhalt ganzer Kapitel schnell zu erfassen. Allerdings
ist die rote Schrift auf grauem Hintergrund schlecht lesbar.
Derb geht es im Kapitel 'Musik und seltsame Kunstfertigkeiten'
zu. Hier wird vietnamesische Musik mit Essensgeräuschen und
solchen des Spuckens und Rotzens auf eine Stufe gestellt.
Autsch, das ging daneben - dieser Vergleich ist ein geschmackloser
Missgriff, der in seiner kulturellen Ignoranz nicht hierhin
gehört.
Der Kulturschlüssel Vietnam ist ein knapp gefasstes und
dennoch ausführliches, gut lesbares Buch. Es öffnet die Augen
für die Andersartigkeit des Landes und gibt dem Leser konkrete
Tipps, wie sich Kulturschocks überwinden und Fettnäpfchen
umgehen lassen. Wer also mehr von seiner Vietnamreise haben
will, dem ist zusätzlich zu einem eher reisetechnisch orientierten
Reiseführer die Lektüre des KulturSchlüssels unbedingt zu
empfehlen.
Agnes Hach
Hans-Jörg Keller:
KulturSchlüssel Vietnam, 310 Seiten, farbig, ISBN 3-19-005309-X,
Max-Hueber-Verlag, 29,80 Mark
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Studienführer
Großbritannien/ Nordirland
Was für uns die ZVS ist, ist für Großbritannien UCAS. Wer
ein Semester oder sogar ein ganzes Studium in England, Schottland,
Wales oder Nordirland plant, der sollte über diese Dinge Bescheid
wissen. Der Studienführer Großbritannien/ Nordirland des Cornelsen
Verlags gibt einen Überblick über das Gewirr an Begriffen
und Abkürzungen rund ums Studium auf der Insel. Auf 192 Seiten
findet der Leser Informationen und praktische Tipps, angefangen
bei der Auswahl der Hochschule über die Zimmersuche hin zur
Formalitäten, wie die Krankenversicherung, den EU-Führerschein
oder die Studiengebühren. Man erhält auch Hintergrundwissen
zum Beispiel über das britische Erziehungssystem und das Hochschulwesen
oder auch das Studentenleben an sich. Außerdem wird man instruiert,
auf Englisch Bewerbungsschreiben und Lebensläufe zu verfassen.
Alle Informationen in dem Studienführer werden sehr übersichtlich
präsentiert. Die zentralen Begriffe stehen zur Verdeutlichung
nochmals am Rand; wichtiges englisches Vokabular steht im
Text kursiv hinter dem entsprechenden, deutschen Wort.
Jedes Kapitel des Buchs beginnt mit einem Quiz über Großbritannien
in englischer Sprache. So wird zum Beispiel gefragt, was ein
"Christmas pudding" ist; man erfährt hier vielleicht interessante,
aber für das Studium unwichtige Dinge. Das Kapitel endet mit
wiederum englischsprachigen Fragen zu Inhalt und Fachvokabular
des vorher Gelesenen. Hier brachte man auch Grammatikübungen
unter, die im Prinzip überflüssig sind, da man sie, wenn man
sie nicht bereits gelernt, hiermit bestimmt auch nicht mehr
begreift.
Doch im Großen und Ganzen stellt das Buch eine nützliche
Informationsquelle dar, nicht zuletzt durch den Anhang, der
mit Abkürzungen, Internet-Adressen und Listen wichtiger Institutionen
das Wesentliche zusammenfasst.
Lisa Schmidt
Maureen Lloyd-Zörner:
"Studienführer Großbritannien/ Nordirland. Infos, Tipps, Übungen",
Cornelsen & Oxford University Press, Berlin 2000, 24,80 Mark
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Der amerikanische
Traum.
Mit Greencard oder
Visum in die USA
Ganz ohne pädagogischen Zeigefinger und dennoch nicht weniger
informativ und nützlich kommt eine weitere Neuerscheinung
zum Thema Auslandsaufenthalt daher. Wem die Grenzen Europas
immer noch zu eng sind, so dass er mit einem Aufbruch ins
Land der unbegrenzten Möglichkeiten liebäugelt und sich vielleicht
sogar vorstellen könnte, dort auf Dauer Fuß zu fassen, dem
bietet "Der amerikanische Traum" die Gelegenheit, seine Vorstellungen
mit der Wirklichkeit zu vergleichen. Der große Vorteil dieses
Buches im Vergleich zu anderen Ratgebern liegt im Umfang begründet:
Auf über 500 Seiten werden nicht nur alle Möglichkeiten für
einen langfristigen Aufenthalt in den USA beschrieben und
anhand praktischer Beispiele verdeutlicht, sondern auch Tipps
zur sozialen Absicherung und zu Alltagsfragen wie Studium
und Arbeitssuche gegeben.
Dadurch, dass es nicht wie die meisten Ratgeber bei der
erfolgreichen Einreise aufhört, sondern wesentlich weitergeht,
kann es dem Leser einen breiteren Horizont vermitteln. Zwei
Autoren mit einander ergänzender Perspektive - der US-Immigrations-Anwalt
Liam Schwartz und der deutsche Caritas-Auswanderungsberater
Georg Mehnert - haben diesem Buch seinen sehr praxisnahen
Charakter gegeben. Es ist sinnvoll in die einzelnen Themengebiete
gegliedert - Basisinformationen, Nichteinwanderungsvisa, Einwanderungsvisa
und allgemeine Tipps. Auch wer sich mit dem Thema schon etwas
beschäftigt hat, findet hier noch Neuigkeiten.
Ein umfangreicher und vor allem aktueller Adressteil ergänzt
das letzte Kapitel. Auch in den USA wiehert der Amtsschimmel
- da helfen Tipps zur Vermeidung von Problemen im Umgang mit
den US-Behörden. Außerdem sind im Anhang fast alle Formulare
abgedruckt, die man je auf dem Weg in die Vereinigten Staaten
brauchen könnte. Nach der Lektüre dieses Buches steht der
Verwirklichung des "amerikanischen Traums" eigentlich nichts
mehr im Wege...
Agnes Hach
Liam Schwartz
und Georg Mehnert: "Der amerikanische Traum. Mit Greencard
oder Visum in die USA", interconnections Verlag, 1. Aufl.
2000, broschiert, 48 Mark
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