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"Stolz auf versaute Gags"
Der erste MAYERS-Chefredakteur Gregor von Kursell
blickt zurück
Meine Arbeit bei MAYERS war wohl einer der
Gründe, warum ich nach dem Studium keine Anstellung als
Journalist gefunden habe. Nun, um ehrlich zu sein, es war
gerade so eine Zeit, in der die Redaktionen eher Mitarbeiter
entließen als einstellten. Trotzdem, die Tatsache, dass
ich mich als Gründungschefredakteur für MAYERS
engagiert hatte, kam nicht gut an bei den Münchner Medienmachern:
Ein richtiger Journalist macht keine Studentenzeitung, ein
richtiger Journalist lässt sich für mieses Zeilenhonorar
in unseren Redaktionen ausbeuten – das zumindest hatten
sie mir vermittelt. So bin ich in der PR gelandet und arbeite
mit der internationalen Presse beim Luft- und Raumfahrtkonzern
EADS.
Wir, das MAYERS-Team der ersten Generation,
haben versucht, ein studentisches Zusammengehörigkeitsgefühl
zu kreieren. Unsere Hoffnung, dass sich Studenten der LMU
aus einem Gefühl der Solidarität heraus auch für
Vorgänge an TU und FH interessieren sollten, war naiv.
Trotzdem stehe ich nach wie vor hinter dem Konzept: Politisch,
aber kein dröges Agitprop-Blättchen, flott, aber
nicht oberflächlich, ausgewogen, aber nicht meinungslos.
Dass es nicht immer durchgehalten wurde, lag weniger an einer
apolitischen Studentschaft. Es lag am Anzeigenmarkt, der Ende
der 90-er Jahre eingebrochen war. Ohne Anzeigen lässt
sich auch das beste Konzept nicht finanzieren.
Worauf ich heute noch stolz bin? Auf unsere Warnung vor
Studiengebühren! „Studium wieder nur für Reiche?“
titelte MAYERS bereits Anfang der Neunziger.
Inzwischen ist das Realität. Die Studierenden von heute
müssen für die Hochschul-Misere bezahlen –
wir durften sie damals wenigstens umsonst durchleiden.
Worauf ich noch stolz bin? Na, auf die leicht versauten Gags
natürlich, die damals in keiner Nummer fehlen durften,
auf unsere skurilen Pseudonyme, auf das Sack-Bild und die
unzähligen Scherze auf Kosten des Verlegers.
Was würde ich Studenten von heute raten? Nicht
nur auf den schnellen Abschluss hin studieren! Auch mal Vorlesungen
aus anderen Disziplinen hören. Bücher lesen. Deutsche
Akademiker sind erschreckend blank, was die Allgemeinbildung
betrifft. Der Hang zum Fachidiotentum ist typisch deutsch:
Kein französischer oder russischer Ingenieur würde
einen Satz sagen wie „Ich komme nicht dazu, Romane zu
lesen, ich bin schon froh, wenn ich den Überblick über
die Fachliteratur behalte.“
Gregor von Kursell
Der Autor war von 1989 bis 1991 MAYERS-Chefredakteur.
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