Jetzt wird abgerechnet
Ein Jahr Studiengebühren – eine Bilanz
von Andreas Pongratz, Studentenvertreter im LMU-Hochschulrat
Seit einem Jahr müssen Bayerns Studenten für ihre
Ausbildung bis zu 500 Euro pro Semester bezahlen. „Dieses
Modell hat sich bewährt“, resümierte Wissenschaftsminister
Thomas Goppel (CSU) Ende April, zu Beginn des dritten Bezahlsemesters.
Andreas Pongratz hingegen, 24-jähriger Politik-Student
und Vertreter der Studierenden in Senat und Hochschulrat der
LMU, zieht zum ersten Geburtstag der Zwangsgebühren eine
durchwachsene Bilanz.
MAYERS: Vor einem Jahr wurden in Bayern Studiengebühren
eingeführt – merken die Studenten der Münchner
LMU das lediglich am Geldbeutel oder profitieren sie im Uni-Alltag
tatsächlich davon?
Andreas Pongratz: Es gibt mehr Fremdsprachenprogramme
an der LMU, mehr Tutorien – der große Wurf aber
ist bislang nicht gelungen. Das ist bedauerlich, wenn man
bedenkt, wie viel wir jetzt abdrücken müssen. Allerdings
wäre es auch absurd gewesen, mit großartigen Veränderungen
zu rechnen, zumal der Uni heute mit Studiengebühren nicht
mehr Geld zur Verfügung steht als 2003 – Edmund
Stoibers damaligen Kürzungen sei dank.
Beim Start der Gebühren vor einem Jahr hat es
Proteste gehagelt. Habt Ihr Euch heute mit den Kosten abgefunden?
Wir sind nach wie vor gegen Gebühren – keine Frage.
Im Mai wird veröffentlicht, wofür sie genau verwendet
wurden – da werden wir natürlich genau hinschauen
und uns gegebenenfalls lautstark zu Wort melden. Nicht tolerierbar
für uns wäre, wenn große Teile des Geldes
nicht in die Verbesserung der Lehre fließen, sondern
beispielsweise in den Bestandserhalt der Gebäude. Das
nämlich wäre Sache des Staates – auch aus
Sicht der Gebührenbefürworter übrigens. Unser
bisheriger Eindruck aber ist, dass die LMU im Großen
und Ganzen korrekt mit dem Geld umgeht.
Gibt es gar keine Kritik an der LMU?
Ich bedaure, dass die Uni die mögliche Höchstsumme
– also 500 Euro pro Student und Semester – kassiert,
gegen den Willen der Studierenden und ohne vorher ein Konzept
auf den Tisch gelegt zu haben, das zeigt, was sie mit dem
Geld anfangen wird. Das aber hat meines Wissens nach auch
keine andere Hochschule geleistet. Dennoch möchte ich
betonen, dass die LMU einen guten Umgang mit uns pflegt, die
Studierenden werden Ernst genommen und in die Entscheidungsprozesse
eingebunden.
Interview: Nadine Nöhmaier
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