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Von Nesthockern und Freiheitsliebe

Erstsemester: Abschied vom Hotel Mama

Plötzlich erwachsen: Spätestens mit dem Studium beginnt für viele Erstsemester die Abnabelung vom Elternhaus. Vielleicht wohnen sie von heute auf morgen in einer neuen Stadt und sind plötzlich auf sich allein gestellt. Sie sind plötzlich für viele Dinge verantwortlich – für die Organisation des Studiums, ihren Haushalt und nicht zuletzt für sich selbst. Im Interview spricht Dr. Dörte Resch von der Psychologischen Beratungsstelle der Universität St. Gallen von den Schwierigkeiten der Erstsemester auf dem Weg zur Selbständigkeit.

Frau Dr. Resch, was bedeutet Abnabelung genau?
Dr. Resch: Sich vom Elternhaus abzunabeln, bedeutet, eigenständig zu werden, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln und die Grenzen zu hinterfragen, die von den Eltern vorgelebt wurden. Man schafft sich größere Freiräume und beginnt, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Der Auszug aus dem elterlichen Nest ist dabei nur eine Zäsur unter vielen im weiteren Leben. Jede Person sollte beim Start in ein eigenes Leben ihr eigenes Tempo finden: Manche brauchen etwas länger, bei anderen geht es wiederum sehr schnell.

Haben es pendelnde Studenten schwerer, sich abzunabeln?
Pendelnden Studierenden kann es schwerer fallen, sich abzunabeln, weil sie ständig den Spagat zwischen Kinderrolle im Elternhaus und dem StudentInnendasein leisten müssen. Sie müssen sich fragen: Wie kann ich den Anforderungen in der Uni und denen zu Hause gerecht werden? Wie kann ich mir selbst Freiräume schaffen? Welche Rechte, welche Pflichten habe ich?

Wie lange wirkt elterlicher Rat unterstützend und wann wird er zur Einmischung?
Das ist bei jeder Person verschieden, denn die Grenzen sind sehr unterschiedlich. Jeder muss für sich selbst die Frage beantworten: Wie gerne nehme ich den Rat der Eltern an, oder möchte ich lieber selbst meine eigenen Werte und Normen bilden? Ist das, was ich daheim gelernt habe, wirklich immer richtig? Oder gibt es auch Situationen, die ich so noch nicht erlebt habe, für die neue Werte und Normen gebildet werden müssen?

Was raten Sie Studierenden, die Probleme damit haben, sich ein eigenes Leben aufzubauen?
Ich denke, dass es im Laufe des Lebens dazugehört, an die eine oder andere Grenze zu stoßen. Eine Möglichkeit ist, dass dies im Studium geschieht. Wenn jemand der Meinung ist, dass er oder sie allein nicht mehr weiterkommt, sollte die Person sich eingestehen, dass es so ist. Es bedeutet kein persönliches Scheitern, sondern vielmehr geht es nun darum, sich Unterstützung zu holen. Dies kann bei den Eltern sein, aber auch Freunde und Freundinnen oder Bekannte können eine große Hilfe sein. Auch sollte sich niemand scheuen, bei Problemen eine Beratungsstelle zu kontaktieren. Häufig gibt es an den Unis speziell für Studierende ein entsprechendes Angebot mit qualifizierten Beratenden, die oft mit diesen Schwierigkeiten zu tun haben. Meist hilft es schon weiter, die Situation einfach einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und dabei können die Beratenden helfen.

Das Interview mit Psychologin Dr. Dörte Resch stammt aus dem Ratgeber „Survival Tipps für Studienanfänger“ des studentischen Autorenteams Cammis, der 2008 im Ariston Verlag erschienen ist (9,95 Euro, 191 Seiten). Rezepte für den Küchenneuling sind ebenso enthalten wie praktische Tipps zum Wohnungsputz vor dem Muttergroßalarm oder Antworten auf elementare Fragen wie „Alleine wohnen oder doch in eine WG ziehen?“, „Welcher Lerntyp bin ich?“, „Wie finde ich einen Nebenjob?“ Ein informativer wie unterhaltsamer Führer durch das Dickicht des Uni-Dschungels.

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