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MAYERS - Ausgabe 3/2006
 

Titelbild:
Michael Ross

Kunst kommt von Kürzen. Zumindest gewinnt man in Zeiten eng geschnallter Gürtel diesen Eindruck – zumindest, wenn es um experimentelle, junge Kunst geht. Um Kunst, die nicht unbedingt den Geschmack der Stadtväter – fast will man sagen: der Stadt-Großväter – trifft. Doch junge Künstler und Galeristen kämpfen nicht selten um die nackte Existenz und sind auf Sponsoring durch (private) Kunstliebhaber angewiesen. Oder auf die Alternative zum Kulturschaffen: auf einen sicheren Job.

Wobei man freilich zugeben muss, dass die Stadt München zeitgemäße Kunst nicht völlig ignoriert: Rathaus-Chef Christian Ude hat sich sogar von Graffiti-Legende Loomit sein Allerheiligstes – das persönliche Badezimmer – besprühen lassen; die Rathaus-Grünen fordern ferner mehr legale Flächen für Münchens Wandmal-Künstler; und für Comic-Zeichner etwa hat das Kulturreferat zumindest 7.700 Euro Fördergelder pro Jahr übrig. Allerdings ist das ein rechter Kleckerbetrag verglichen mit dem, was altbewährter, gefälliger Kunst spendiert wird: für die Renovierung des Lenbachhaus etwa macht der Stadtrat 52 Millionen Euro locker!

Auch die Bilder der „Blauen Reiter“, die in jener Künstlervilla neuen Lack bekommen, wurden übrigens mal als experimentell und irritierend empfunden. Auch diese Künstlergruppe musste um Anerkennung ringen. Wir von MAYERS hoffen daher, dass die Stadt die „Blauen Reiter“ von morgen nicht kurzerhand wegkürzt, dass jene nicht allzu lange um Raum und Ruhm kämpfen müssen – sondern dass sie unsere Stadt im Galopp mit eindrucksvollen Wand-Graffitis, Kunst-Comics und weiteren zeitgemäßen Werken verschönern können. Und wenn das hochkulturelle MAYERS auch weiterhin zahlungskräftige Sponsoren hat – dann freuen wir uns fast noch mehr.



Christina beschäftigt
sich mit Linien
jeglicher Art
.


Pauken oder Pinseln?

Kunststudentin Christina Müller muss sich für einen Beruf entscheiden

Kunst kommt von Können. Das wusste schon Karl Valentin. Aber kann man mit Können und Kunst auch die Knete zum täglichen Leben verdienen? Genau das müssen sich jedes Jahr die Absolventen der Akademie der Bildenden Künste durchrechnen. Und sich schließlich zwischen einem Leben als freischaffender Künstler und der sicheren Alternative Kunstlehrer entscheiden. Das ist nicht leicht, findet die 25-jährige Christina Müller, die gerade im letzten Semester an der Akademie steckt.

Das Leben als Freischaffender birgt Selbstverwirklichung und den Traum, von etwas leben zu können, das Spaß macht. Es hat aber, wie Christina weiß, einen Haken: Es müssen sich immer genügend Käufer finden, um die Brötchen auf dem Tisch zu sichern. Lehrer ist, vom rationalen und finanziellen Standpunkt gesehen, die sicherere Lösung. Aber will man wirklich sein gesamtes berufliches Dasein lang Schülern, die Kunstunterricht oft nur für die verlängerte Pause halten, Porzellanmalen und Picasso näher bringen?
Bereits nach ihrem Abitur im Jahr 2000 stand für Christina, Tochter eines Bundeswehr-Oberstleutnants, fest, dass sie Kunst studieren möchte. Zielstrebig bewarb sie sich an der Akademie in München. Ihre Mappe gefiel prompt und auch die Aufnahmeprüfung gelang ihr beim ersten Versuch, was nicht selbstverständlich ist, da viele Anwärter gar nicht zugelassen werden: Die künftigen Professoren hatten erkannt, dass das Mädel was kann.

Christina lebt Kunst. Allein ihr Stil, egal, ob er die Einrichtung ihrer Wohnung oder ihre Vorliebe für ausgefallene Sonnenbrillen betrifft, offenbart Kreativität. Eindeutige Zeugnisse der gelebten Passion sind jedoch vor allem spontane Aktionen wie zum Beispiel der Bau eines zweieinhalb Meter hohen Schneephallus im heimischen Simbach. Einfach so. Und zum Entsetzen der Eltern, in deren Garten die weiße Manneskraft protzte.

Christinas Schaffen an der Akademie dominierten insbesondere Linien, und zwar jeglicher Art: Im vergangenen Jahr stellte sie auf dem Buga-Gelände ineinander verschlungene Stahlträger aus, deren Schatten das Linienspiel komplettierten. Bei der Jahresausstellung der Akademie im vergangenen Juli präsentierte die Simbacherin sehr schlichte, weiße Papierprägungen, die Linien auf ihr Wesentlichstes reduzierten. Auch die linienförmige Struktur von Haaren hat es ihr angetan: Immer wieder fanden diese den Weg von einem Friseurladen in Christinas Atelier, wo sie zu einem über und über mit menschlichem Haupthaar beklebten Teddy oder einer haarigen Über-Eck-Installation verarbeitet wurden.

Während allerdings Kommilitonen aus der Klasse für „Interdisziplinäre Medien“ ab und an Visitenkarten von Interessenten zugesteckt bekamen, blieb Christinas Kunst der kommerzielle Durchbruch bisher versagt. Die Absolventin in spe steckt aber keinesfalls den Kopf in den Sand: „Meine Art von Kunst spricht die Leute einfach nicht so an, ist nicht so leicht zugänglich.“ In diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Entscheidung `Künstlerin oder Lehrerin` angesprochen, räumt Christina ein, dass ihr „von Anfang an klar war, wahrscheinlich eher in Richtung Lehramt zu gehen. Klar träumt jeder vom Künstlerleben, aber dafür bin ich zu realistisch“.

Die Studentin sieht der Herausforderung, die ab Februar nächsten Jahres an einem Gymnasium auf sie wartet, entspannt entgegen. Nur die Tatsache, erst zwei Wochen vor Beginn des Referendariats zu erfahren, wo sie in Bayern eingesetzt wird, und in den nächsten zwei Jahren bis zu dreimal die Schule und damit den Ort wechseln zu müssen, beunruhigen sie.

Für ihre Schüler allerdings dürfte Christina ein echter Glücksfall sein. Warum? Weil sich für sie Lehrberuf und aktives Künstlertum nicht ausschließen: „Mein Traum ist der einer fruchtbaren Synthese – Kunstlehrer zu sein und gleichzeitig Kunst zu schaffen. Nur, wenn man mitten in der Materie steckt, kann man seinen Schülern einen lebendigen Begriff von Kunst vermitteln. Nur ein Kunstlehrer aus Überzeugung kann der Kunst innerhalb der Schule den Rücken stärken.“

Daniela Geffe

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Moritz Kelber,
Fachschaftenreferent
des Uni-AStA, will
keine Elite-Studenten
mitfinanzieren.

 

Sprechen wir über Geld

Teure Zimmer und Gebühren: Für Münchens Studenten wird das liebe Geld zum leidigen Thema

Für viele der diesjährigen 14.000 Münchner Studienanfänger steht die schwierigste Prüfung nicht erst zum Semester-Ende an, sie mussten sie bereits vor Studienbeginn absolvieren: Bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung. Wie jedes Jahr überstieg hier die Nachfrage das Angebot – doch so wichtig wie jetzt war es vermutlich nie zuvor für Münchens Studenten, ein günstiges Dach überm Kopf zu finden: Immerhin müssen sie ab kommendem Sommer auch noch Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester zahlen. Fürstliches Wohnen – das kann sich dann keiner mehr leisten.

Leider aber ist günstiger Wohnraum rar in München: „Wir müssen einen enormen Engpass melden“, klagt Elisabeth Fogg, stellvertretende Leiterin der Abteilung Wohnen im Münchner Studentenwerk. Und das, obwohl unlängst 1.000 neue Wohnplätze in der Stadt entstanden sind, etwa im Albertinum an der Westendstraße.

Rund neun Prozent der 88.000 Münchner Studenten wohnen in den 8.100 Wohnheimplätzen des Studentenwerks, was sie monatlich 200 bis 320 Euro kostet, Nebenkosten und Internetanschluss inklusive. 550 neue Zimmer werden im kommenden Jahr hinzu kommen – doch das ist längst nicht genug: „Aktuell müssen Studenten ein bis vier Semester warten, ehe sie in ein Wohnheim ziehen können. Das ist ein großes Problem – vor allem für Erstsemester.“

Daher ziehen Neu-Münchner in vielen Fällen für die ersten Wochen auf die Couch ihrer Freunde – oder verbringen den lieben, langen Tag im Zug, um von ihrem Elternhaus zum Hörsaal zu pendeln. Ein kleiner Trost: „Der Wohnungsmarkt für Studenten entspannt sich erfahrungsgemäß spätestens Mitte Dezember: Dann finden die meisten doch noch eine feste, bezahlbare Bleibe“, so Fogg.

Wer allerdings weder eine Wohnung, noch einen alternativen Unterschlupf findet, dem hilft das Studentenwerk trotz Wohnraummangels weiter: „Unter der Brücke muss niemand schlafen“, versichert die Sprecherin. „Für Notfälle funktionieren wir einige Turnhallen zu Matratzenlagern um.“

Vielleicht allerdings löst sich das Wohnraum-Problem auch von allein – nach der Einführung der Studiengebühren: „Viele werden ihr Studium deswegen abbrechen müssen“, befürchtet jedenfalls Andreas Pongratz, erster Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses (AStA) der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Ab Sommersemester 2007 sind bei der LMU erst einmal 300, ab 2008 500 Euro pro Semester fällig, bei der FH und der TU München drücken Studenten bereits ab 2007 500 Euro ab. Was bei diesen Zahlen ausgeklammert ist: Zu den Gebühren kommen der Studentenwerksbeitrag (35 Euro) sowie Verwaltungsgebühren (50 Euro) pro Semester hinzu.

Moritz Kelber, Fachschaftenreferent des AStA, ärgert sich auch über die so genannte „Besten-Regelung“: diese besagt, dass die jeweils zehn Prozent Besten eines Studienjahrgangs die Gebühren zurück bekommen. „Wieso aber sollen 90 Prozent der Studenten die besten zehn Prozent mitfinanzieren?“ fragt er. „Die Elite-Studenten sind doch genau die, die sich niemals finanziellen Sorgen machen müssen.“ Zudem könnten besonders Begabte ihr Studium ohnehin durch Stipendien finanzieren. Studenten aus sozial schwächer gestellten Familien hingegen hätten kaum eine Chance, zur Elite zu werden: „Wenn ich für mein Studium arbeiten muss, habe ich naturgemäß weniger Zeit zum Lernen.“

Ohnehin glaubt Kelber nicht daran, dass die Gebühren bessere Bedingungen für die Lehre schaffen, wie es vom Bayerischen Wissenschaftsministerium propagiert wird: „Mit den Gebühren müssen erst mal die gröbsten Mängel an den Unis beseitigt werden: In einigen Münchner Hörsälen kann man sich nicht einmal mehr hinsetzen, weil die Holzstühle auseinander fallen. Und auch die Bibliotheken wurden lange nicht gepflegt“, weiß der 23-jährige Jura-Student. „Ich rechne damit, dass die Gebühren frühestens in fünf Jahren in eine bessere Lehre gesteckt werden können. Bis dahin muss ausgemerzt werden, was die bayerische Regierung in den vergangenen Jahren vernachlässigt und versäumt hat.“

Nadine Nöhmaier

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„Patisserie ist Kunst“:
Andi Schedel über
sein Handwerk,
das Kochen.

 

Herd statt Hörsaal

Koch-Lehrling Andi Schedel hat sein Rezept zum Glücklichsein entdeckt

Andi Schedel, 26, suchte sein Glück an der Münchner Fachhochschule – und wollte es nach ein paar Semestern Fahrzeugtechnik bei Druck- und Medientechnik finden. Beides war nicht das Richtige, daher versuchte er vor einem Jahr etwas völlig anderes: Er begann eine Kochlehre im Arabella-Sheraton Airport Hotel München – und hat dabei sein persönliches Rezept zum Glücklichsein gefunden. In MAYERS spricht der begeisterte Kochanwärter über seine Lehre, das Ausgehen – und die Kunst.

MAYERS: Andi, das Titelthema der aktuellen MAYERS-Ausgabe ist die Kunst. Für viele ist auch das Kochen mehr als ein Handwerk. Was hat dein Beruf mit Kunst zu tun?
Andi: Eigentlich nicht viel. Ich sehe nur in der Art und Weise, wie Essen angerichtet wird, eine Kunst. Kochen selbst ist eher ein Handwerk. Beim Anrichten aber kommt es auf die visuellen Effekte an: Zum Beispiel in der Patisserie, wenn aus Schokolade kunstvolle Figuren entstehen. Da sehe ich auf jeden Fall einen künstlerischen Einfluss. Beim normalen Kochen, wie etwa bei à la carte, ist nicht viel Kunst im Spiel, höchstens bei völlig neuen Kreationen. Bei denen kommt es dann definitiv auf besondere Ideen an, wie bei der Kunst eben auch.

Gibt es in München Lokale, in denen du besonders gerne isst, die aber auch preislich in Ordnung sind?
Am liebsten esse ich momentan Sushi. Das ist leider immer etwas teuer, aber ich leiste es mir ab und zu, etwa im Shoya gegenüber des Hofbräuhauses. Das ist klein, aber sehr gut. Der Evergreen für bayerische Kost und ein Garant für gemütliche Abende ist immer noch das Steinheil, aber auch beim Großwirt in der Volkartstraße kann man für wenig Geld gut essen. Meine Empfehlung ist da der Schweinshaxen-Tag, immer donnerstags.

Und wenn du nur was trinken gehst, wo trifft man dich da?
Ein uriges Irish Pub, in dem immer gute Stimmung herrscht, ist Ryan’s Muddy Boot. Neben Guinness oder Kilkenny gibt’s dort eine brutale Auswahl an Whiskey in allen nur erdenklichen Geschmacksnuancen. Meine neueste Entdeckung ist die Trinkhalle: Wenn du da auf was Spezielles Lust hast, sagst du’s einfach dem Team, das dich dann berät und dir einen Cocktail mixt, der noch nicht mal auf der Karte steht und geschmacklich mit das Beste ist, was München zu bieten hat.

Nach all den kulinarischen Anregungen hab ich jetzt Hunger. Hast du spontan ein Rezept für ein einfaches, aber schmackhaftes Mahl parat?
Für die Jahreszeit und den schmalen Geldbeutel fällt mir eine Kürbissuppe ein: Du brauchst einen kleineren Kürbis, ein Hokkaido ist super, eine Kartoffel und eine Zwiebel. Alles klein schneiden, die Zwiebel glasig dünsten, Kürbis – ohne Kern, klar - und Kartoffel dazugeben und mit Kokosmilch ansetzen. Dann noch Körnerbrühe und ein bisschen Wasser in den Topf und je nach Gusto Ingwer und Chilis beimengen. Einfach köcheln lassen, pürieren und mit Salz, Pfeffer und eventuell O-Saft abschmecken. Fertig!

Interview: Daniela Geffe

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