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MAYERS - Ausgabe 3/2004
 

MAYERS treibt‘s dieses Mal bunt. Obwohl es genügend Gründe zum Schwarz sehen gäbe: Wenn man beispielsweise an die Erhöhung des Studentenbeitrags an der LMU auf 50 Euro denkt, wogegen Mitte Juni Hunderte von Studenten protestiert und demonstriert haben. Ein rotes Tuch auch die Streichungen vieler Seminare und Vorlesungen wegen des bayerischen Sparkurses, der immer schmerzhafter ins Be-wusstsein rückt. Doch es gibt auch Erfreulicheres: Bald sind beispielsweise Semesterferien. Was heißt: Zeit, mal ins Grüne zu fahren, Zeit, einen Kommilitonen durch die rosarote Brille zu be-trachten, und Zeit, ein wenig blau zu sein. Zum Beispiel auf einem der zahlreichen Festivals dieses Sommers (siehe S. 3). Was uns sonst noch zum Thema „Bunt, na und?“ eingefallen ist, lest ihr auf den folgenden Seiten – natürlich in Farbe. Viel Vergnügen!

 

Der Student Julius Kerscher malt sich die Mathematik bunt. Damit sieht das Fach nicht mehr so trist aus, findet die MAYERS-Redaktion. Und dass andere Dinge in Farbe auch schöner wären. Deshalb wollten wir von euch wissen:
Was würdet ihr gerne bunt anmalen?

   

Daniela, 26, Biologie, 10. Semester:
Ich würde gerne Edmund Stoiber anmalen, und dann durch die Stadt treiben. Denn wenn man bedenkt, dass der Mann den Studenten eine Studiengebühr abknöpfen will und die Gelder nicht mal in die Unis steckt, sondern selbstgemachte Haushaltslöcher damit stopfen will...

   
   

Karla, 25, Biologie, 10. Semester:
Das Kaninchen meiner Freundin Dani sieht aus wie ein Schaf. Schafe in Schottland haben bunte Punkte, und deshalb würde ich solche auch dem Karnickel auftupfen.

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Malen nach Zahlen

Für viele ist Mathematik das eintönigste Fach schlechthin. Nicht aber für Julius Kerscher (22), der mit Beweisen und Axiomen verschiedenste Farben verbindet: Er, der im sechsten Semester an der LMU Mathematik studiert, verarbeitete sein Fach künstlerisch in diversen Ölbildern und Collagen. Was dabei herauskam, ist noch bis 23. Juli in der Ausstellung „Freie Konstruktionen“ im Senatssaal der TU München zu sehen (Anmeldung unter Tel. 28922203). In MAYERS spricht der Münchner Autodidakt über seine Malerei:

MAYERS: Julius, willst du mit deinen Bildern den Beweis führen, dass Mathematik anschaulich ist?
Julius Kerscher: Beweisen will ich zunächst gar nichts. Ich will mit den Bildern erst in zweiter Linie Neugier für die formalen Inhalte der Mathematik wecken. In erster Linie geht es mir beim Malen darum, Strukturen darzustellen, Spuren in der Materie. Deshalb arbeite ich in meine Collagen verschiedenste Materialien ein, Arbeits-Notizzettel aus meinen Mathe-Vorlesungen ebenso wie diverse Gewebe. Materialien eben, die interessante Strukturen aufweisen.

In der Mathematik gibt es auch Strukturen.
Ja, allerdings abstrakte. Aber es stimmt schon: Das Verdeutlichen von Strukturen ist eine meiner Triebfedern. Strukturen erzählen immer eine Geschichte. Wenn ich in einem Museum bin, achte ich immer darauf, auch mal möglichst nahe vor dem Bild zu stehen. Dann betrachte ich Details: Wurde die Farbe mit dem Spachtel auf die Leinwand geworfen oder wurde sie mit dem Pinsel aufgetragen? In der Mathematik kann man anhand von Strukturen Denkweisen nachvollziehen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, solche Bilder zu malen?
Im Studium denke ich die ganze Zeit über Mathematik nach. Bald habe ich gemerkt, dass es schwer ist, meinen Freunden außerhalb des mathematischen Instituts meine Gedanken mitzuteilen. Deshalb habe ich das Bedürfnis entwickelt, meine mathematischen Gedanken auch anders auszudrücken. Beim Malen kann ich die Schönheit der Mathematik klar und hoffentlich nachvollziehbar darstellen. Und im Idealfall interessiert sich der Betrachter dann auch für die Inhalte, die hinter den plastischen Strukturen stecken.

Wenn ich an Mathematik denke und mir dazu eine Farbe vorstelle, dann habe ich höchstens den Rotstift meiner ehemaligen Schullehrer vor Augen. Du scheinst mit Mathe andere Farben zu verbinden...
Ja, aber diese setze ich in meinen Bildern sehr intuitiv ein. Es gibt Beweise, wie etwa ein kurzer Beweis des Mathematikers Georg Cantor über gewisse Mengen, die sind etwas mysteriös, weil sie mit einem Trick oder einem Widerspruch geführt werden. Und dann zu einem überraschenden Ergebnis führen. Das löst bei mir Begeisterung aus! Diese würde ich in einer aufregenden Farbe wie einem glühenden Grünton malen. Dagegen gibt es Analysis-Beweise, die ganz klar, zwingend und übersichtlich geführt werden. Wenn ich diese malte, würde ich ein sanftes Blau verwenden. Kommilitonen, die die formale Notation des jeweiligen Problems kannten, sagten mir, dass sie verstünden, warum ich eine bestimmte Farbe oder Linienführung verwendete.

Welchen Beweis willst du als nächstes in deinen Bildern führen?

Ich besuche derzeit die Vorlesung „Einführung in Topologie“. Dort werden interessante Mengenoperationen durchgeführt. Topologie ist die Lehre der Lage und gewisser Eigenschaften von Gebilden im Raum. Vieles ist dabei geometrisch sehr anschaulich. Und so will ich auch malen.

Interview: Nadine Nöhmaier

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Lauter bunte Hunde

Beim diesjährigen „Christopher Street Day“ unterstützt Münchens schwul-lesbische Szene den Regenbogen

27. Juni 1969, abends, Greenwich Village, New York: Nach einer ungewöhnlich harten Polizei-Razzia im „Stonewall Inn“, einer Stammkneipe der Schwulenszene, kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen und zu Demonstrationen in der Christopher Street, die sich tagelang fortsetzten.

Demonstrationen gegen die Unterdrückung von Schwulen, Lesben und Transgendern hatte es schon zuvor gegeben, neu am Stonewall-Aufstand war das harte Vorgehen der Polizei und dass sich die Szene zum ersten Mal unmittelbar dagegen wehrte: „Die Transen und Tunten dort begannen mit ihren Handtäschchen zuzuschlagen, und daraus wurde eine Straßenschlacht“, sagt Thomas Lechner, Mit-Organisator der „Christopher Street Day“-Gedenkfeier in München.

Der Stonewall-Aufstand markierte den Auftakt zu einer weltweiten politischen Bewegung mit dem Ziel, Schwule, Lesben und Transgender gleichzustellen: Fortan wurden an jedem Stonewall-Jahrestag Demonstrationen, Paraden und Straßenfeste abgehalten, um die Öffentlichkeit auf das „Gay Rights Movements“ aufmerksam zu machen. „Der „Christopher Street Day“ bedeutet Schwulen und Lesben ebenso viel wie der 1. Mai den Arbeitern und der 8. März den Frauen“, sagt Lechner.

Diese schwul-lesbischen Gedenk-Paraden, die sogenannten „Pride Parades“, eroberten zuerst die Städte der USA, Kanadas, Australiens und Großbritanniens und schwappten erst gegen Ende der 70er Jahre auf Deutschland über. Die ersten „Christhopher Street Days“ hierzulande fanden in Bremen und Berlin statt.

Heutzutage belagern Schwule, Lesben und Transgender friedlich, freundlich und farbenfroh die Straßen der Städte – unter wechselnden Motti, mit politischen Kundgebungen und der obligatorischen Parade. Der Grundgedanke ist überall der gleiche: Gay Pride. Man zeigt sich, man ist stolz auf sein Leben und seine sexuelle Identität, man versteckt sich nicht, man läßt sich nicht ausgrenzen oder gar schikanieren.

Nach den Demonstrationen und Paraden, die auch dieses Jahr in München ein Hingucker sein werden, wird weitergefeiert – auf Straßenfesten, Partys, in Gottesdiensten und bei besonderen Events wie dem „Pumps Race“, einem Wettlauf, ausgetragen von Herren auf hohen Hacken. Oberbürgermeister Christian Ude hat die Patenschaft für den Christopher Street Day übernommen und führt, wie jedes Jahr, den Demonstrationszug an.

Mit dem Motto „munich s(up)ports the rainbow“ nehmen die Organisatoren des Münchner CSD Bezug auf die EuroGames, die in der drauffolgenden Woche stattfinden. Deren Motto lautet „Munich sports the rainbow“ (frei nach dem Motto der Olympiade 1972 – München unter dem Regenbogen). „Das schöne an dem Motto ist seine Vieldeutigkeit, da der Regenbogen auch das Symbol der schwul-lesbischen Bewegung ist,“ so Lechner.

Die Botschaft von Toleranz und Vielfalt aber wurde scheinbar noch nicht überall vernommen: in Altötting musste der diesjährige Demonstrationszug abgesagt werden, weil fanatische Christen angekündigt hatten, die Parade mit Gewalt stoppen zu wollen. Statt dessen wird nun eine Kundgebung auf dem Dultplatz abgehalten.

Das Gay Rights Movement lässt sich dennoch nicht aufhalten, Gewalt hat es auf seinem Weg längst hinter sich gelassen.

Infos gibt's unter www.csd-muenchen.de

Nadine Englhart

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Wenn‘s zu bunt wird...

Condrobs: Drogenhilfe für Schüler und Studenten in München

Schon mal im Schweinchenbau der LMU auf den Toiletten gewesen? Wenn ja, dann kennt ihr sicher das grelle, blaue Licht, das einem schnell Kopfschmerzen macht. Angebracht wurde es, um Heroinsüchtige vom Unigelände fern zu halten. Wegen der neonblauen Beleuchtung sehen sie ihre Arm-Venen nicht mehr – und können daher keinen Schuss ansetzen. Eine einfache Prävention der Uni, die funktioniert.Eine wirkliche Hilfe für Drogenabhängige stellt sie aber nicht da. Deshalb gibt es Condrobs, einen Verein für hilfesuchende Drogensüchtige, der sich vor allem der Jugendarbeit verschrieben hat.

Condrobs tritt an Schulen, Präventions-Einrichtungen, Einrichtungen der offenen Jugendhilfe, der Drogenhilfe, beim Streetwork, vor dem Jugendrichter oder in Jugend-Arrestanstalten, in Entgiftungsabteilungen oder bei privaten Ärzten, im Jugendamt des Sozialreferats oder bei der Obdachlosenhilfe in Erscheinung. Der Vereins versucht, altersgemäß auf die Jugendlichen und ihren Umgang mit Drogen einzugehen. In erster Linie werden die Jugendlichen hierbei als heranwachsende Menschen gesehen, die sich auf eine sehr spezielle Art mit ihrem Leben auseinander setzen. Die Biografien der Jugendlichen werden genau angesehen: Wo sind sie aufgewachsen? Wer sind ihre Freunde? Erst in zweiter Linie betrachtet man sie als Konsumenten von Suchtmitteln. Condrobs will vermeiden, dass die Drogenkonsumenten sozial und gesellschaftlich (weiter) ausgegrenzt werden. Eine Integration ist das Ziel.

Diese soll beispielsweise mittels einer therapeutischen Wohngemeinschaft für drogenkonsumierende Jugendliche mit psychosozialen Schwierigkeiten, dem „easyContactHouse“ in Obersendling, erreicht werden. Die Jugendlichen können hier ohne zeitliche Befristung wohnen und betreut werden. Abstinenz ist keine Voraussetzung für die Aufnahme. Eine weitere „Verelendung“ wird hier verhindert, indem im Haus elementare Grundbedürfnisse wie Essen, Wohnen und Hygiene gestillt werden.

So bald auch die Lebenssituation der Jugendlichen stabilisiert ist und sie physisch, psychisch und sozial im Reinen sind, sind alle Maßnahmen darauf ausgerichtet, dass sie Abstand von Drogen nehmen. Unter die Arme greifen ihnen dabei Betreuer, die 24 Stunden am Tag für sie da sind. Gefördert wird die soziale und berufliche Integration durch Therapiegespräche und eine Schul- oder Berufsausbildung während des Aufenthalts im Haus.

Die Besonderheit der Einrichtung liegt vor allem darin, dass der Drogenmissbrauch toleriert und vorerst akzeptiert wird, was den Jugendlichen den Einzug erleichtert. Und wenn sie wieder ausziehen, werden sie natürlich weiter betreut: Das „easyContactHouse“ fördert beispielsweise weiterhin ihre berufliche Integration, unterstützt die Jugendlichen bei laufenden Strafverfahren, Schulden-Regulierungen oder einfach nur bei der Alltagsbewältigung.

Wer Hilfe sucht oder mehr Infos über Condrobs und das „easyContactHouse“ bekommen möchte, sollte auf www.condrobs.de oder www.condrobs.de/easycontact/easycontact-house.html klicken.

Sandra Janecek

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