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MAYERS - Ausgabe 3/2002
 

Mein erstes Mal

Nachdem Nadine Nöhmaier ihren Posten als MAYERS-Chefredakteurin vollständig an mich übergeben hat, darf ich nun das Editorial schreiben. Dies ist also das erste Heft, das ich ganz alleine zu verantworten habe. Und ich muss gestehen: es ist gar nicht so einfach, eine Redaktion zu leiten und rechtzeitig alle Texte einzutreiben. Aber die Arbeit macht sehr viel Spaß!

Rechtzeitig zu den anstehenden Semesterferien gibt es in dieser Ausgabe ein Auslandsspecial. Dass man in Mallorca nicht nur mit Sangría in der Sonne braten muss, hat MAYERS-Mitarbeiterin Elisabeth Schmidt herausgefunden. Außerdem hat sie sich mit einem deutschen Studenten über sein Auslandssemester in Spanien unterhalten. Noch weiter in die Ferne zog es eine junge Münchnerin, die an einer indischen Klosterschule unterrichtet hat.

Auf unseren Filmseiten könnt Ihr unter anderem erfahren, welche sehenswerten Filme im Kinosommer 2002 auf Euch warten. Und natürlich werdet Ihr wie immer über die heißesten Veranstaltungs- und Büchertipps informiert. Da dürfte für jeden etwas Interessantes dabei sein! Ich hoffe, dass Ihr auch weiterhin treue MAYERS-Leser bleibt und uns mit Kritik und Anregungen unterstützt!

Eure


Zwischen Kühen und Computern

Einmal nach Indien – das war der Traum von Sabine Wenger. Sie hat ihn sich erfüllt. Für drei Monate ist die 29-Jährige in die ehemalige britische Kolonie gefahren, um Kinder zu unterrichten und sich Land und Leute anzuschauen.

„Angefangen hat alles bei einem Sprachkurs in England. Dort habe ich ziemlich viele Leute kennen gelernt, unter anderem einen Schweizer, der bei der Organisation „Ärzte der Welt“ arbeitet. Im Bereich Entwicklungshilfe wollte ich auch schon immer etwas machen. Also habe ich mich bei verschiedenen Organisationen erkundigt.“

Bald stellt es sich aber heraus, dass es ziemlich schwierig ist, wenn man nicht einen geeigneten Beruf hat. Mit einer medizinischen oder sozialpädagogischen Ausbildung ist es kein Problem, einen Job zu finden. Eine gelernte Kauffrau für Bürokommunikation wie Sabine hat es da schwerer. Durch eine Bekannte, die bereits in Indien war, kommt sie schließlich an die Adresse eines indischen Pfarrers, der in Regensburg lebt und Kontakte zu einer indischen Klosterschule hat.

„Ich habe mich bei ihm gemeldet und dann ging alles recht problemlos. Schnell bekam ich die Zusage, dass ich Kinder in Englisch unterrichten kann.“ Organisieren muss sie aber alles selbst – Impfungen, Flug buchen, Informationen über das Land suchen. Sie möchte acht Wochen in der Klosterschule arbeiten und danach verschiedene Regionen Indiens bereisen.

Allein in Neu Dehli
Anfang Januar geht es dann mit dem Flugzeug nach Indien, zunächst nach Neu Dehli. Dort wird Sabine von einem Bekannten des Regensburger Pfarrers am Flughafen erwartet und im Taxi zu einem Hotel gebracht. „Das war schon ein wenig seltsam, es war Nacht, neblig, ich saß alleine mit zwei Männern im Auto, es war eine ewig lange Fahrt. Ich kam aber wohl behalten im Hotel an, wollte dann nur noch ins Bett. Mein Begleiter versprach, mich am nächsten Tag wieder abzuholen. Bis er wiederkam, saß ich fast nur in meinem Zimmer. Ich war ja ganz fremd, in einer anderen Kultur. Wenn man alleine ist, ist das schwierig, Du kannst nicht einfach so in ein Restaurant oder einen Supermarkt gehen. Ich habe mich kaum auf die Toilette getraut...“, erzählt Sabine über ihren ersten Tag im fremden Land.

Mit dem Zug fährt sie in den ärmsten Bundesstaat Bihar, im Norden Indiens. Endstation ist die 18000-Einwohner-Stadt Banka. Dort befindet sich die Klosterschule, in der sie arbeiten soll. Träger der Schule ist die katholische Kirche.

Etwa 800 Schüler im Alter von drei bis zehn Jahren werden hier unterrichtet. Die Kleinen gehen in die Nursery School, die Älteren in die Klassen 1 bis 3. In jeder Klasse sitzen zwischen 50 und 60 Schüler. Nach ihrem Abschluss können sie in der nächsten größeren Stadt auf die High School gehen. „Für die Eltern ist das alles jedoch sehr teuer. Sie müssen die Bücher selbst bezahlen, die Schuluniform in zweifacher Ausfertigung und außerdem noch Schulgeld. Auch der Bus, der die Kinder zur Schule und wieder nach Hause bringt, kostet viel. Viele Familien können es sich gar nicht erst leisten, die Kinder in diese Schule zu schicken.“

Trotz der hohen Kosten bleibt auch für die Lehrer kaum etwas übrig: der Monatslohn für eine Lehrerin liegt bei umgerechnet etwa 77 Euro. „Die Eltern möchten ihre Kinder gerne auf dieser Schule haben, und sind sehr stolz darauf, weil es schon etwas Besonderes ist, zur Schule zu gehen, vor allem in eine englischsprachige. Englisch zu lernen bietet den Kindern eine gute Grundlage für ihre spätere Ausbildung und die Chance, einmal ins Ausland zu gehen.“

Der Unterricht dauert von 9 Uhr bis 14.10 Uhr, dazwischen gibt es eine halbe Stunde Mittagspause. In der Sommerzeit beginnt die Schule wegen der großen Hitze schon um 7 Uhr. Unterrichtet werden die Kinder in Biologie, Hindi, Englisch, Musik, Zeichnen, Geschichte und Mathematik.

Einfachste Ausstattung
„Für unsere Verhältnisse ist die Ausstattung sehr einfach: die Schulbänke sehen aus wie solche, auf denen unsere Eltern saßen, es gibt keine Teppichböden, keine Kopiergeräte, keine Tageslichtprojektoren. Nur einfachste Materialien stehen zur Verfügung“, so Sabine. Inzwischen gibt es an der Schule aber sogar einen Computerraum, in dem die Kinder lernen, mit dem PC umzugehen.

Im Klassenzimmer herrscht in Indien noch Disziplin und Ordnung. Die Schüler haben sehr großen Respekt vor ihrem Lehrer. „Zur Begrüßung stehen alle Kinder brav auf, und wenn sie unartig sind, gibt es eine kollektive Entschuldigung. Nach dem Schulgong springen sie nicht raus wie bei uns, sondern gehen schön geordnet im Marschschritt in die Pause.“ Zur Bestrafung, zum Beispiel bei vergessenen Hausaufgaben oder wenn sie die falsche Schuluniform tragen, gibt es Strafminuten, die die Missetäter gebückt vor dem Schulhaus verbringen müssen.

Ursprünglich soll Sabine die Kinder in Englisch unterrichten, „aber keiner konnte mir sagen, was genau ich ihnen beibringen sollte und welcher Wissensstand mich erwartete. Ich musste dem Klosterpater klar machen, dass ich keine ausgebildete Lehrerin bin und völlig ohne Vorgaben nicht unterrichten kann. Wir einigten uns schließlich darauf, dass ich Deutschunterricht geben sollte. Das war mir sehr recht.“

Sie bringt den Schülern Zahlen und Farben, Gemüse- und Obstsorten bei. Den Kindern macht es Spaß, sie sind sehr glücklich, dass jemand aus Europa bei ihnen ist, und auch ihre Eltern sind stolz. „Sonst kommt selten jemand zu ihnen in den Norden, auch keine Touristen. Dadurch, dass Bihar der ärmste Bundesstaat ist, ist es auch der gefährlichste. Man muss sehr vorsichtig sein.“ Um beispielsweise die Schule vor Eindringlingen zu schützen, ist um das Gelände eine Mauer gezogen, die nachts von Hunden bewacht wird.

Sabine wohnt bei den Nonnen im Kloster. Sie hat ein eigenes Zimmer mit Bad; die Ausstattung ist sehr einfach – ein Schreibtisch, ein Stuhl, ein Bett mit Moskitonetz, ein Schrank mit Safe. Abends fällt regelmäßig der Strom aus, dann kommen Taschenlampe – „lebensnotwendig in Indien“ – und Kerzen zum Einsatz. Bereits ab 18 Uhr ist es dunkel in Banka.

Essen mit Händen
Gemeinsam mit drei anderen Nonnen steht Sabine auch eine Küche zur Verfügung. Meistens gibt es Reis, dazu Chapatti, indisches Brot, viel Gemüse und verschiedenen Soßen. „In Indien wird mit den Händen gegessen, aber nur mit der rechten, weil die linke als unrein gilt. Im Kloster hatten wir zwar Besteck, aber ansonsten hat es mir nichts ausgemacht, die Finger zu benutzen“, berichtet Sabine. Für das Essen ist eine Köchin zuständig, viele andere Hausarbeiten erledigt Sabine selbst. Zum Beispiel Wäsche waschen. Sie gibt ihre verschmutzte Kleidung in einen Eimer und füllt über eine Pumpe Wasser hinein. Danach schrubbt sie die Sachen auf einem riesigen Waschstein mit einer Bürste. „Mein Problem dabei war, dass unsere europäische Kleidung im Gegensatz zur indischen ziemlich dick ist. So habe ich meine Wäsche nie richtig sauber bekommen. Die meisten Klamotten habe ich gar nicht mehr mit nach Deutschland genommen.“

Nach acht Wochen Arbeit in der Schule ist Urlaub angesagt. Sabine fährt in verschiedene Regionen, kehrt aber immer wieder zum Kloster zurück. Erst Mitte März reist sie dort endgültig ab, um sich den Süden Indiens anzuschauen. „Der Abschied war gar nicht so schlimm, ich hatte mich ja von Anfang an darauf eingestellt, dass ich nur für eine bestimmte Zeit dort bin. Bei einigen Nonnen war es aber schon schwer, die waren so süß, haben für mich gekocht, über alles Mögliche mit mir gesprochen. Mit einigen habe ich heute noch E-Mail- oder Briefkontakt.“

Alleine durch Indien zu reisen, ist, vor allem für eine Frau, nicht ungefährlich. Ihr Gepäck lässt Sabine nicht aus den Augen und kettet es im Zug an, wie die Inder es auch machen. Insgesamt hat sie aber keine schlechten Erfahrungen gemacht, „man muss aber aufpassen, dass man nicht abgezockt wird, zum Beispiel von den Rikscha- oder Taxifahrern.“ Durch Unwissenheit kann man auch ganz leicht ins Fettnäpfchen treten. „Inder sind nicht gewohnt, dass Frauen alleine reisen, die haben dann schon komisch geschaut und waren anfangs vorsichtig. Erst nach ein paar Stunden haben sie sich mit mir unterhalten. Dann waren sie aber sehr interessiert und hilfsbereit. Als Frau muss man vor allem aufpassen, wie man sich Männern gegenüber verhält. Wenn man einem Inder nur in die Augen schaut, ist das wie eine Art Liebeserklärung, und man bekommt ihn nicht mehr los. Ich habe immer gesagt, ich sei verheiratet. Das hat sehr gut funktioniert. Keiner wollte wissen, wo der Mann denn abgeblieben ist...“

Insgesamt ist Sabine begeistert von den Menschen in Indien. Besonders beeindruckt hat sie die Liebe der Inder zu Musik und Tanz, die schon bei den Kindern zu erkennen ist. Sehr oft werden Tänze einstudiert und an Festtagen oder zu besonderen Anlässen aufgeführt. Die meisten Inder, die sie trifft, mögen die Deutschen und sind sehr nett und interessiert. Die Lebensart der Inder unterscheidet sich sehr von der gestresster Europäer. „In Indien sind die Menschen die Ruhe selbst. Das Leben ist viel langsamer. Einmal hatte einer meiner Züge 12 Stunden Verspätung, aber kein Mensch hat sich darüber aufgeregt oder sich beschwert. Wenn der Zug zu spät kommt, dann ist das eben so.“

Langsames Leben
Sabine stellt außerdem fest, dass das Leben in Indien viel offener dargelegt wird als hierzulande: „Die Leute waschen sich draußen, der Friseur arbeitet im Freien... Bei uns schließen sich doch viele in ihre vier Wände ein und schotten sich ab.“ Ihr schönstes und berührendstes Erlebnis hatte sie in einer indischen Dorfschule. „Die Kinder dort hatten noch nie einen Menschen mit heller Hautfarbe gesehen. Sie haben mich alle angeschaut, umringt und angefasst.“

Ende März ist Sabines Indienzeit beendet und sie fliegt wieder nach Deutschland. Sie kommt zurück mit vielen Photos, Andenken und Geschenken - Taschen, Gewürzen, Büchern, Decken und einer indischen Trommel - sowie mit spannenden und interessanten Eindrücken aus einer anderen Kultur. Würde sie das alles noch einmal machen? „Auf jeden Fall, es war eine tolle Erfahrung. Ich würde aber niemandem empfehlen, alleine zu reisen, zumindest nicht im Norden. Ich selbst möchte jedoch schon gerne noch einmal nach Indien fahren ...“

Stefanie Nemet

Indienhilfe e. V., Luitpoldstr. 20, 82211 Herrsching, Tel.08152/1231, Fax: 08152/48278

Indien-Handbuch, Verlag Gisela E. Walther, Bremen (Infos zu Land und Leuten, Adressen von Hilfsorganisationen und Hilfsprogrammen)

Arbeitskreis „Lernen und Helfen“ in Übersee e. V. (Infos zu Freiwilligen- und Entwicklungsdiensten), www.entwicklungsdienst.de

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Sportlich, sportlich

Mittwoch Abend, 19.30 Uhr: Fitnesstraining ist angesagt! Mal wieder laufe ich zusammen mit etwa 30 bis 40 anderen Unisportlern meine Warmwerd-Runden auf dem Rasen der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS).

Unser Vorturner hat wie immer nette Musik ausgesucht und bringt uns abwechselnd durch Hüpfen, Laufen und Sprints zum Schwitzen. Zum Glück ist schönes Wetter und wir sporteln im Freien, so wird uns der Anblick von Schweißpfützen auf dem Hallenboden erspart. Ist aber auch anstrengend, vor allem unter der überraschend starken Abendsonne. Wenn mal einer schlapp macht, fällt das in der Masse aber gar nicht auf. Bei den Teilnehmern sind nicht nur verschiedene Leistungsniveaus zu erkennen; auch kleidungs- und altersmäßig gibt es Unterschiede. Der klassische Schlabberlook joggt neben dem körperbetonten Aerobicoutfit, und die Altersklassen sind nicht nur studentisch – auch rüstige Senioren werden vereinzelt gesichtet.

Tatsächlich ist das Programm der ZHS nicht nur für Studenten gedacht, sondern auch für Hochschul-Bedienstete. Geboten werden über 40 verschiedene Sportarten, von Aerobic und Basketball bis hin zu eher exotischen Kursen wie Shaking motion oder Capoeira. Die Gebühren sind ziemlich niedrig, Studenten zahlen zwischen 7,50 Euro und 30 Euro pro Semester. Der Preis ist abhängig davon, ob man die Schwimmhalle oder das Lehrstudio benutzen möchte. Für einzelne Kurse, beispielsweise Golf oder Segeln, wird außerdem ein zusätzliches Entgelt verlangt.

Ich bin sparsam, für mein Fitnesstraining reicht eine 7,50-Marke. Inzwischen, nach einer halben Stunde schweiß- und pulstreibendem Warmlaufen machen wir uns daran, unsere einzelnen Körperteile durch gezielte Übungen zu stählen. Mit dabei sind die bekannten Bauch-Beine-Po-Kombinationen ebenso wie Liegestützen oder Rückengymnastik. Unser Übungsleiter geht mit gutem Beispiel voran, bei ihm sieht alles immer sehr elegant und locker aus. Wie immer ist er hoch motiviert. Wir eigentlich auch, hin und wieder müssen einige aber passen. Auch ich breche nach ein Paar Liegestützen – waren es 40 oder doch schon 50? – regelmäßig kraftlos zusammen, und in so manch abenteuerliche Position will sich mein Körper einfach nicht verrenken. Wenn man aber schon eine Weile dabei ist und mit verschiedenen Trainern Bekanntschaft gemacht hat, weiß man sich oft mit anderen Übungen zu behelfen.

Nach eineinhalb Stunden ist der Spaß dann vorbei und die versammelte Mannschaft verabschiedet sich klatschend vom Retter ihrer körperlichen Fitness. Der sieht im Gegensatz zu den meisten von uns immer noch recht frisch und dynamisch aus. Sollte er auch, die nächste Truppe Sportbegeisterter wartet schließlich schon. Für mich steht jetzt allerdings nur noch eine kühle Dusche und ein leckeres Abendessen an. Die Kalorien kann ich dann ja beim nächsten Mal wieder abtrainieren...

Stefanie Nemet

Infos zum Hochschulsport: im Internet unter www.zhs-muenchen.de oder am Informationsstand in der Zentralen Hochschulsportanlage (ZHS), Connollystr. 32, geöffnet während des Semesters in der Regel Mo – Fr 16.45 – 19.45 Uhr, Tel. 289-24665

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Mit Erasmus nach Spanien

Studium in Spanien: Sonne, Strand, und dazu ein bißchen Uni? Nicht in der Provinz Asturien im Norden das Landes. Zwar liegt auch dieser Landstrich am Meer, aber nicht an der heißen Mittelmeerküste, sondern am Atlantik.

Die grünen, von Schafen und Kühen bevölkerten Hügel an der Küste und vor allem der viele Regen erinnern eher an Irland oder Schottland. „Das typische Bild der Deutschen von Spanien ist zwar Mallorca“, sagt Carsten Knufinke (25), Student aus Halle, „aber damit hat Asturien wenig gemeinsam.“ Carsten studiert an der FH Bielefeld Produktentwicklung. Seit fünf Monaten ist er einer der ca. 30 deutschen Erasmus-Studenten in Gijon, der mit ca. 250 000 Einwohnern größten Stadt Asturiens. MAYERS hat mit ihm über das Studieren und Leben dort gesprochen.

MAYERS:Wie bist du zu deinem Erasmus-Studienplatz gekommen?
Carsten: Meine FH hat ein Sommer-Sprachkurs-Austauschprogramm mit der Uni Gijón. Letzten Sommer war ich auf einem dieser Sprachkurse, und dann habe ich beschlossen, dort ein Semester zu studieren.

Du bist schon im Herbst nach dem Sommersprachkurs wieder hierher gekommen. Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt so schnell organisiert?
Ich habe mich an meiner FH erkundigt, ob ich in Gijón studieren kann. Daraufhin hat man mir das Erasmus-Programm vorgeschlagen.

Muss man sich da nicht Monate vor dem Aufenthalt bewerben?
Bei mir ging das alles ganz schnell: ich musste nur ein paar Zettel ausfüllen, und das war’s.

Wie ist das Studium selbst? Was ist anders als in Deutschland?
Mir fällt auf, dass die Studenten hier viel mehr abschreiben und auswendig lernen als wir. Sie arbeiten weniger selbständig. An meiner FH in Deutschland müssen wir zum Beispiel jedes Semester ein selbständiges Projekt machen. Das gibt es hier nicht. Erst für die Diplomarbeit macht man ein großes eigenes Projekt.

Werden dir deine Kurse in Deutschland anerkannt?
In meinem Studiengang ist entweder ein Praxis- oder ein Auslandssemester vorgeschrieben. Als solches zählt mein Aufenthalt hier.

Habt ihr Erasmus-Studenten viel Kontakt zu Spaniern?
Man kennt viele durch die Vorlesungen. Ich gehe davon aus, dass hier viele Erasmus-Studenten etwas mit Spaniern zusammen unternehmen.

War es schwer, eine Unterkunft zu finden?
Ich hatte das Glück, dass ich meine Wohnung schon während des Sommer-Sprachkurses entdeckt und dann auch tatsächlich bekommen habe. Im Allgemeinen wohnen die Leute hier verdammt dicht gedrängt. Aber auch auf den Plätzen, in den Cafés und Bars ist immer viel los. Das ist am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Das heißt also, die Leute hier sind anders als in Deutschland?
Ja. Sie sind zuvorkommender, hilfsbereiter. Wenn sie merken, dass man Probleme mit der Sprache hat, dann nehmen sie sich Zeit. Sie wiederholen und erklären so lange, bis du es verstehst. Wenn es sein muss, erläutern sie dir im Restaurant sogar die ganze Speisekarte. In Deutschland habe ich dagegen beobachtet, dass Spanier, die sich auf einer Autobahnraststätte etwas kaufen wollten, vom Personal angemault wurden, weil sie nicht richtig Deutsch konnten.

Würdest du das Studium in Gijón weiterempfehlen, zumindest, was deinen Studiengang anbelangt?
Es ist sicherlich nicht schwer, sich hier am Anfang zurechtzufinden. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich werde das auf jeden Fall weiterempfehlen in meiner FH, ganz uneingeschränkt. Man muss natürlich daran denken, dass Asturien nicht das typische Spanien ist, wie die meisten es sich vorstellen, aber wer das weiß, kommt hier meiner Meinung nach bestens klar. Generell kann ich nur sagen, dass ein Auslandsstudium auf jeden Fall eine Bereicherung ist. Und wenn das fürs Studium nicht gelten sollte, dann auf jeden Fall fürs Leben.

Elisabeth Schmidt

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Nicht den Hauch einer Chance?

„Ob wir die EM überleben, stellt sich erst im Herbst heraus“, sagt Tobias Winkler, Chef des Vereins der Studenten im Olympiazentrum e.V. Der 1974 gegründete Verein stehe kurz vor dem Aus: Damit die Sportler der Leichtathletik-EM ein Dach über dem Kopf haben, müssen 1400 Studenten für sechs Wochen ihre Wohnungen im Olympiadorf räumen (MAYERS-online berichtete).

„Für uns bedeutet das eine Umsatz-Einbuße von 250 000 Euro“, klagt Winkler. Denn während der EM können die Einrichtungen des Vereins, darunter die Olydisco, mehrere Kneipen und ein Copy-Shop, gar nicht oder nur eingeschränkt weiter betrieben werden. Schon im Vorfeld des Auszugs, der bis 30. Juni über die Bühne gegangen sein muss, hatte der Verein deshalb händeringend nach alternativen Geldquellen gesucht.

Mit wenig Erfolg: Das EM-Komitee erstattet laut Winkler nur einen Bruchteil der verlorenen Einnahmen - als Gegenleistung betreuen die Vereinsmitglieder die Athleten. 23000 Euro schießt das Studentenwerk zu, denn der Verein hat Planung und Logistik des Massenauszugs übernommen. „Nur ein kleiner Ausgleich“, sagt Winkler. Ohne das Geld habe der Verein jedoch nicht einmal den Hauch einer Überlebenschance.

Angesichts der Arbeit, die der Auszug mache, seien 23000 Euro lediglich Peanuts: 1200 Studenten ziehen am letzten Juni-Wochenende auf einen Schlag aus, 700 allein aus dem Hochhaus - ihre Möbel und Umzugskisten müssen über nur sechs Aufzüge ins Freie gebracht werden. Um ein Chaos zu verhindern, hat der Verein einen minutiösen Umzugs-Plan erarbeitet. Zusätzlich werden die 35 Vereinsstudenten Kisten schleppen, die Einlagerung der Möbel in Container organisieren und für Ordnung auf dem Parkplatz sorgen. „Eine Umzugsfirma hätte mehr gekostet“, schimpft der Vereins- Chef. „Aber wenn wir uns geweigert hätten, wären wir leer ausgegangen.“

Helmut Gierke, Leiter der Wohnungsabteilung im Studentenwerk, bestreitet das finanzielle Ausbluten des Vereins: „Eine solch hohe Summe kann nicht innerhalb von sechs Wochen verloren gehen - das ist blanker Unsinn“, schimpft er. Schließlich spare der Verein während der EM Lohn- und Materialkosten. Dieter Maßberg, Chef des Studentenwerkes, glaubt sogar: „Mittlerweile freuen sich alle, dass sie zum Gelingen der EM beitragen.“

Nadine Nöhmaier

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