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Zwischen Kühen und Computern
Einmal nach Indien – das war der Traum von Sabine Wenger.
Sie hat ihn sich erfüllt. Für drei Monate ist die 29-Jährige
in die ehemalige britische Kolonie gefahren, um Kinder zu
unterrichten und sich Land und Leute anzuschauen.
„Angefangen hat alles bei einem Sprachkurs in England. Dort
habe ich ziemlich viele Leute kennen gelernt, unter anderem
einen Schweizer, der bei der Organisation „Ärzte der Welt“
arbeitet. Im Bereich Entwicklungshilfe wollte ich auch schon
immer etwas machen. Also habe ich mich bei verschiedenen Organisationen
erkundigt.“
Bald stellt es sich aber heraus, dass es ziemlich schwierig
ist, wenn man nicht einen geeigneten Beruf hat. Mit einer
medizinischen oder sozialpädagogischen Ausbildung ist es kein
Problem, einen Job zu finden. Eine gelernte Kauffrau für Bürokommunikation
wie Sabine hat es da schwerer. Durch eine Bekannte, die bereits
in Indien war, kommt sie schließlich an die Adresse eines
indischen Pfarrers, der in Regensburg lebt und Kontakte zu
einer indischen Klosterschule hat.
„Ich habe mich bei ihm gemeldet und dann ging alles recht
problemlos. Schnell bekam ich die Zusage, dass ich Kinder
in Englisch unterrichten kann.“ Organisieren muss sie aber
alles selbst – Impfungen, Flug buchen, Informationen über
das Land suchen. Sie möchte acht Wochen in der Klosterschule
arbeiten und danach verschiedene Regionen Indiens bereisen.
Allein in Neu Dehli
Anfang Januar geht es dann mit dem Flugzeug nach Indien, zunächst
nach Neu Dehli. Dort wird Sabine von einem Bekannten des Regensburger
Pfarrers am Flughafen erwartet und im Taxi zu einem Hotel
gebracht. „Das war schon ein wenig seltsam, es war Nacht,
neblig, ich saß alleine mit zwei Männern im Auto, es war eine
ewig lange Fahrt. Ich kam aber wohl behalten im Hotel an,
wollte dann nur noch ins Bett. Mein Begleiter versprach, mich
am nächsten Tag wieder abzuholen. Bis er wiederkam, saß ich
fast nur in meinem Zimmer. Ich war ja ganz fremd, in einer
anderen Kultur. Wenn man alleine ist, ist das schwierig, Du
kannst nicht einfach so in ein Restaurant oder einen Supermarkt
gehen. Ich habe mich kaum auf die Toilette getraut...“, erzählt
Sabine über ihren ersten Tag im fremden Land.
Mit dem Zug fährt sie in den ärmsten Bundesstaat Bihar, im
Norden Indiens. Endstation ist die 18000-Einwohner-Stadt Banka.
Dort befindet sich die Klosterschule, in der sie arbeiten
soll. Träger der Schule ist die katholische Kirche.
Etwa 800 Schüler im Alter von drei bis zehn Jahren werden
hier unterrichtet. Die Kleinen gehen in die Nursery School,
die Älteren in die Klassen 1 bis 3. In jeder Klasse sitzen
zwischen 50 und 60 Schüler. Nach ihrem Abschluss können sie
in der nächsten größeren Stadt auf die High School gehen.
„Für die Eltern ist das alles jedoch sehr teuer. Sie müssen
die Bücher selbst bezahlen, die Schuluniform in zweifacher
Ausfertigung und außerdem noch Schulgeld. Auch der Bus, der
die Kinder zur Schule und wieder nach Hause bringt, kostet
viel. Viele Familien können es sich gar nicht erst leisten,
die Kinder in diese Schule zu schicken.“
Trotz der hohen Kosten bleibt auch für die Lehrer kaum etwas
übrig: der Monatslohn für eine Lehrerin liegt bei umgerechnet
etwa 77 Euro. „Die Eltern möchten ihre Kinder gerne auf dieser
Schule haben, und sind sehr stolz darauf, weil es schon etwas
Besonderes ist, zur Schule zu gehen, vor allem in eine englischsprachige.
Englisch zu lernen bietet den Kindern eine gute Grundlage
für ihre spätere Ausbildung und die Chance, einmal ins Ausland
zu gehen.“
Der Unterricht dauert von 9 Uhr bis 14.10 Uhr, dazwischen
gibt es eine halbe Stunde Mittagspause. In der Sommerzeit
beginnt die Schule wegen der großen Hitze schon um 7 Uhr.
Unterrichtet werden die Kinder in Biologie, Hindi, Englisch,
Musik, Zeichnen, Geschichte und Mathematik.
Einfachste Ausstattung
„Für unsere Verhältnisse ist die Ausstattung sehr einfach:
die Schulbänke sehen aus wie solche, auf denen unsere Eltern
saßen, es gibt keine Teppichböden, keine Kopiergeräte, keine
Tageslichtprojektoren. Nur einfachste Materialien stehen zur
Verfügung“, so Sabine. Inzwischen gibt es an der Schule aber
sogar einen Computerraum, in dem die Kinder lernen, mit dem
PC umzugehen.
Im Klassenzimmer herrscht in Indien noch Disziplin und Ordnung.
Die Schüler haben sehr großen Respekt vor ihrem Lehrer. „Zur
Begrüßung stehen alle Kinder brav auf, und wenn sie unartig
sind, gibt es eine kollektive Entschuldigung. Nach dem Schulgong
springen sie nicht raus wie bei uns, sondern gehen schön geordnet
im Marschschritt in die Pause.“ Zur Bestrafung, zum Beispiel
bei vergessenen Hausaufgaben oder wenn sie die falsche Schuluniform
tragen, gibt es Strafminuten, die die Missetäter gebückt vor
dem Schulhaus verbringen müssen.
Ursprünglich soll Sabine die Kinder in Englisch unterrichten,
„aber keiner konnte mir sagen, was genau ich ihnen beibringen
sollte und welcher Wissensstand mich erwartete. Ich musste
dem Klosterpater klar machen, dass ich keine ausgebildete
Lehrerin bin und völlig ohne Vorgaben nicht unterrichten kann.
Wir einigten uns schließlich darauf, dass ich Deutschunterricht
geben sollte. Das war mir sehr recht.“
Sie bringt den Schülern Zahlen und Farben, Gemüse- und Obstsorten
bei. Den Kindern macht es Spaß, sie sind sehr glücklich, dass
jemand aus Europa bei ihnen ist, und auch ihre Eltern sind
stolz. „Sonst kommt selten jemand zu ihnen in den Norden,
auch keine Touristen. Dadurch, dass Bihar der ärmste Bundesstaat
ist, ist es auch der gefährlichste. Man muss sehr vorsichtig
sein.“ Um beispielsweise die Schule vor Eindringlingen zu
schützen, ist um das Gelände eine Mauer gezogen, die nachts
von Hunden bewacht wird.
Sabine wohnt bei den Nonnen im Kloster. Sie hat ein eigenes
Zimmer mit Bad; die Ausstattung ist sehr einfach – ein Schreibtisch,
ein Stuhl, ein Bett mit Moskitonetz, ein Schrank mit Safe.
Abends fällt regelmäßig der Strom aus, dann kommen Taschenlampe
– „lebensnotwendig in Indien“ – und Kerzen zum Einsatz. Bereits
ab 18 Uhr ist es dunkel in Banka.
Essen mit Händen
Gemeinsam mit drei anderen Nonnen steht Sabine auch eine
Küche zur Verfügung. Meistens gibt es Reis, dazu Chapatti,
indisches Brot, viel Gemüse und verschiedenen Soßen. „In Indien
wird mit den Händen gegessen, aber nur mit der rechten, weil
die linke als unrein gilt. Im Kloster hatten wir zwar Besteck,
aber ansonsten hat es mir nichts ausgemacht, die Finger zu
benutzen“, berichtet Sabine. Für das Essen ist eine Köchin
zuständig, viele andere Hausarbeiten erledigt Sabine selbst.
Zum Beispiel Wäsche waschen. Sie gibt ihre verschmutzte Kleidung
in einen Eimer und füllt über eine Pumpe Wasser hinein. Danach
schrubbt sie die Sachen auf einem riesigen Waschstein mit
einer Bürste. „Mein Problem dabei war, dass unsere europäische
Kleidung im Gegensatz zur indischen ziemlich dick ist. So
habe ich meine Wäsche nie richtig sauber bekommen. Die meisten
Klamotten habe ich gar nicht mehr mit nach Deutschland genommen.“
Nach acht Wochen Arbeit in der Schule ist Urlaub angesagt.
Sabine fährt in verschiedene Regionen, kehrt aber immer wieder
zum Kloster zurück. Erst Mitte März reist sie dort endgültig
ab, um sich den Süden Indiens anzuschauen. „Der Abschied war
gar nicht so schlimm, ich hatte mich ja von Anfang an darauf
eingestellt, dass ich nur für eine bestimmte Zeit dort bin.
Bei einigen Nonnen war es aber schon schwer, die waren so
süß, haben für mich gekocht, über alles Mögliche mit mir gesprochen.
Mit einigen habe ich heute noch E-Mail- oder Briefkontakt.“
Alleine durch Indien zu reisen, ist, vor allem für eine Frau,
nicht ungefährlich. Ihr Gepäck lässt Sabine nicht aus den
Augen und kettet es im Zug an, wie die Inder es auch machen.
Insgesamt hat sie aber keine schlechten Erfahrungen gemacht,
„man muss aber aufpassen, dass man nicht abgezockt wird, zum
Beispiel von den Rikscha- oder Taxifahrern.“ Durch Unwissenheit
kann man auch ganz leicht ins Fettnäpfchen treten. „Inder
sind nicht gewohnt, dass Frauen alleine reisen, die haben
dann schon komisch geschaut und waren anfangs vorsichtig.
Erst nach ein paar Stunden haben sie sich mit mir unterhalten.
Dann waren sie aber sehr interessiert und hilfsbereit. Als
Frau muss man vor allem aufpassen, wie man sich Männern gegenüber
verhält. Wenn man einem Inder nur in die Augen schaut, ist
das wie eine Art Liebeserklärung, und man bekommt ihn nicht
mehr los. Ich habe immer gesagt, ich sei verheiratet. Das
hat sehr gut funktioniert. Keiner wollte wissen, wo der Mann
denn abgeblieben ist...“
Insgesamt ist Sabine begeistert von den Menschen in Indien.
Besonders beeindruckt hat sie die Liebe der Inder zu Musik
und Tanz, die schon bei den Kindern zu erkennen ist. Sehr
oft werden Tänze einstudiert und an Festtagen oder zu besonderen
Anlässen aufgeführt. Die meisten Inder, die sie trifft, mögen
die Deutschen und sind sehr nett und interessiert. Die Lebensart
der Inder unterscheidet sich sehr von der gestresster Europäer.
„In Indien sind die Menschen die Ruhe selbst. Das Leben ist
viel langsamer. Einmal hatte einer meiner Züge 12 Stunden
Verspätung, aber kein Mensch hat sich darüber aufgeregt oder
sich beschwert. Wenn der Zug zu spät kommt, dann ist das eben
so.“
Langsames Leben
Sabine stellt außerdem fest, dass das Leben in Indien viel
offener dargelegt wird als hierzulande: „Die Leute waschen
sich draußen, der Friseur arbeitet im Freien... Bei uns schließen
sich doch viele in ihre vier Wände ein und schotten sich ab.“
Ihr schönstes und berührendstes Erlebnis hatte sie in einer
indischen Dorfschule. „Die Kinder dort hatten noch nie einen
Menschen mit heller Hautfarbe gesehen. Sie haben mich alle
angeschaut, umringt und angefasst.“
Ende März ist Sabines Indienzeit beendet und sie fliegt wieder
nach Deutschland. Sie kommt zurück mit vielen Photos, Andenken
und Geschenken - Taschen, Gewürzen, Büchern, Decken und einer
indischen Trommel - sowie mit spannenden und interessanten
Eindrücken aus einer anderen Kultur. Würde sie das alles noch
einmal machen? „Auf jeden Fall, es war eine tolle Erfahrung.
Ich würde aber niemandem empfehlen, alleine zu reisen, zumindest
nicht im Norden. Ich selbst möchte jedoch schon gerne noch
einmal nach Indien fahren ...“
Stefanie Nemet
Indienhilfe e. V., Luitpoldstr.
20, 82211 Herrsching, Tel.08152/1231, Fax: 08152/48278
Indien-Handbuch, Verlag Gisela
E. Walther, Bremen (Infos zu Land und Leuten, Adressen von
Hilfsorganisationen und Hilfsprogrammen)
Arbeitskreis „Lernen und Helfen“
in Übersee e. V. (Infos zu Freiwilligen- und Entwicklungsdiensten),
www.entwicklungsdienst.de
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Sportlich,
sportlich
Mittwoch Abend, 19.30 Uhr: Fitnesstraining ist angesagt!
Mal wieder laufe ich zusammen mit etwa 30 bis 40 anderen Unisportlern
meine Warmwerd-Runden auf dem Rasen der Zentralen Hochschulsportanlage
(ZHS).
Unser Vorturner hat wie immer nette Musik ausgesucht und
bringt uns abwechselnd durch Hüpfen, Laufen und Sprints zum
Schwitzen. Zum Glück ist schönes Wetter und wir sporteln im
Freien, so wird uns der Anblick von Schweißpfützen auf dem
Hallenboden erspart. Ist aber auch anstrengend, vor allem
unter der überraschend starken Abendsonne. Wenn mal einer
schlapp macht, fällt das in der Masse aber gar nicht auf.
Bei den Teilnehmern sind nicht nur verschiedene Leistungsniveaus
zu erkennen; auch kleidungs- und altersmäßig gibt es Unterschiede.
Der klassische Schlabberlook joggt neben dem körperbetonten
Aerobicoutfit, und die Altersklassen sind nicht nur studentisch
– auch rüstige Senioren werden vereinzelt gesichtet.
Tatsächlich ist das Programm der ZHS nicht nur für Studenten
gedacht, sondern auch für Hochschul-Bedienstete. Geboten werden
über 40 verschiedene Sportarten, von Aerobic und Basketball
bis hin zu eher exotischen Kursen wie Shaking motion oder
Capoeira. Die Gebühren sind ziemlich niedrig, Studenten zahlen
zwischen 7,50 Euro und 30 Euro pro Semester. Der Preis ist
abhängig davon, ob man die Schwimmhalle oder das Lehrstudio
benutzen möchte. Für einzelne Kurse, beispielsweise Golf oder
Segeln, wird außerdem ein zusätzliches Entgelt verlangt.
Ich bin sparsam, für mein Fitnesstraining reicht eine 7,50-Marke.
Inzwischen, nach einer halben Stunde schweiß- und pulstreibendem
Warmlaufen machen wir uns daran, unsere einzelnen Körperteile
durch gezielte Übungen zu stählen. Mit dabei sind die bekannten
Bauch-Beine-Po-Kombinationen ebenso wie Liegestützen oder
Rückengymnastik. Unser Übungsleiter geht mit gutem Beispiel
voran, bei ihm sieht alles immer sehr elegant und locker aus.
Wie immer ist er hoch motiviert. Wir eigentlich auch, hin
und wieder müssen einige aber passen. Auch ich breche nach
ein Paar Liegestützen – waren es 40 oder doch schon 50?
regelmäßig kraftlos zusammen, und in so manch abenteuerliche
Position will sich mein Körper einfach nicht verrenken. Wenn
man aber schon eine Weile dabei ist und mit verschiedenen
Trainern Bekanntschaft gemacht hat, weiß man sich oft mit
anderen Übungen zu behelfen.
Nach eineinhalb Stunden ist der Spaß dann vorbei und die
versammelte Mannschaft verabschiedet sich klatschend vom Retter
ihrer körperlichen Fitness. Der sieht im Gegensatz zu den
meisten von uns immer noch recht frisch und dynamisch aus.
Sollte er auch, die nächste Truppe Sportbegeisterter wartet
schließlich schon. Für mich steht jetzt allerdings nur noch
eine kühle Dusche und ein leckeres Abendessen an. Die Kalorien
kann ich dann ja beim nächsten Mal wieder abtrainieren...
Stefanie Nemet
Infos zum Hochschulsport:
im Internet unter www.zhs-muenchen.de
oder am Informationsstand in der Zentralen Hochschulsportanlage
(ZHS), Connollystr. 32, geöffnet während des Semesters in
der Regel Mo – Fr 16.45 – 19.45 Uhr, Tel. 289-24665
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Mit Erasmus nach Spanien
Studium in Spanien: Sonne, Strand, und dazu ein bißchen
Uni? Nicht in der Provinz Asturien im Norden das Landes. Zwar
liegt auch dieser Landstrich am Meer, aber nicht an der heißen
Mittelmeerküste, sondern am Atlantik.
Die grünen, von Schafen und Kühen bevölkerten Hügel an der
Küste und vor allem der viele Regen erinnern eher an Irland
oder Schottland. „Das typische Bild der Deutschen von Spanien
ist zwar Mallorca“, sagt Carsten Knufinke (25), Student aus
Halle, „aber damit hat Asturien wenig gemeinsam.“ Carsten
studiert an der FH Bielefeld Produktentwicklung. Seit fünf
Monaten ist er einer der ca. 30 deutschen Erasmus-Studenten
in Gijon, der mit ca. 250 000 Einwohnern größten Stadt Asturiens.
MAYERS hat mit ihm über das Studieren und Leben dort
gesprochen.
MAYERS:Wie bist du zu deinem Erasmus-Studienplatz
gekommen?
Carsten: Meine FH hat ein Sommer-Sprachkurs-Austauschprogramm
mit der Uni Gijón. Letzten Sommer war ich auf einem dieser
Sprachkurse, und dann habe ich beschlossen, dort ein Semester
zu studieren.
Du bist schon im Herbst nach dem Sommersprachkurs wieder
hierher gekommen. Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt so
schnell organisiert?
Ich habe mich an meiner FH erkundigt, ob ich in Gijón studieren
kann. Daraufhin hat man mir das Erasmus-Programm vorgeschlagen.
Muss man sich da nicht Monate vor dem Aufenthalt bewerben?
Bei mir ging das alles ganz schnell: ich musste nur ein paar
Zettel ausfüllen, und das war’s.
Wie ist das Studium selbst? Was ist anders als in Deutschland?
Mir fällt auf, dass die Studenten hier viel mehr abschreiben
und auswendig lernen als wir. Sie arbeiten weniger selbständig.
An meiner FH in Deutschland müssen wir zum Beispiel jedes
Semester ein selbständiges Projekt machen. Das gibt es hier
nicht. Erst für die Diplomarbeit macht man ein großes eigenes
Projekt.
Werden dir deine Kurse in Deutschland anerkannt?
In meinem Studiengang ist entweder ein Praxis- oder ein Auslandssemester
vorgeschrieben. Als solches zählt mein Aufenthalt hier.
Habt ihr Erasmus-Studenten viel Kontakt zu Spaniern?
Man kennt viele durch die Vorlesungen. Ich gehe davon aus,
dass hier viele Erasmus-Studenten etwas mit Spaniern zusammen
unternehmen.
War es schwer, eine Unterkunft zu finden?
Ich hatte das Glück, dass ich meine Wohnung schon während
des Sommer-Sprachkurses entdeckt und dann auch tatsächlich
bekommen habe. Im Allgemeinen wohnen die Leute hier verdammt
dicht gedrängt. Aber auch auf den Plätzen, in den Cafés und
Bars ist immer viel los. Das ist am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig.
Das heißt also, die Leute hier sind anders als in Deutschland?
Ja. Sie sind zuvorkommender, hilfsbereiter. Wenn sie merken,
dass man Probleme mit der Sprache hat, dann nehmen sie sich
Zeit. Sie wiederholen und erklären so lange, bis du es verstehst.
Wenn es sein muss, erläutern sie dir im Restaurant sogar die
ganze Speisekarte. In Deutschland habe ich dagegen beobachtet,
dass Spanier, die sich auf einer Autobahnraststätte etwas
kaufen wollten, vom Personal angemault wurden, weil sie nicht
richtig Deutsch konnten.
Würdest du das Studium in Gijón weiterempfehlen, zumindest,
was deinen Studiengang anbelangt?
Es ist sicherlich nicht schwer, sich hier am Anfang zurechtzufinden.
Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich werde das
auf jeden Fall weiterempfehlen in meiner FH, ganz uneingeschränkt.
Man muss natürlich daran denken, dass Asturien nicht das typische
Spanien ist, wie die meisten es sich vorstellen, aber wer
das weiß, kommt hier meiner Meinung nach bestens klar. Generell
kann ich nur sagen, dass ein Auslandsstudium auf jeden Fall
eine Bereicherung ist. Und wenn das fürs Studium nicht gelten
sollte, dann auf jeden Fall fürs Leben.
Elisabeth Schmidt
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Nicht den Hauch einer Chance?
„Ob wir die EM überleben, stellt sich erst im Herbst heraus“,
sagt Tobias Winkler, Chef des Vereins der Studenten im Olympiazentrum
e.V. Der 1974 gegründete Verein stehe kurz vor dem Aus: Damit
die Sportler der Leichtathletik-EM ein Dach über dem Kopf
haben, müssen 1400 Studenten für sechs Wochen ihre Wohnungen
im Olympiadorf räumen (MAYERS-online berichtete).
„Für uns bedeutet das eine Umsatz-Einbuße von 250 000 Euro“,
klagt Winkler. Denn während der EM können die Einrichtungen
des Vereins, darunter die Olydisco, mehrere Kneipen und ein
Copy-Shop, gar nicht oder nur eingeschränkt weiter betrieben
werden. Schon im Vorfeld des Auszugs, der bis 30. Juni über
die Bühne gegangen sein muss, hatte der Verein deshalb händeringend
nach alternativen Geldquellen gesucht.
Mit wenig Erfolg: Das EM-Komitee erstattet laut Winkler nur
einen Bruchteil der verlorenen Einnahmen - als Gegenleistung
betreuen die Vereinsmitglieder die Athleten. 23000 Euro schießt
das Studentenwerk zu, denn der Verein hat Planung und Logistik
des Massenauszugs übernommen. „Nur ein kleiner Ausgleich“,
sagt Winkler. Ohne das Geld habe der Verein jedoch nicht einmal
den Hauch einer Überlebenschance.
Angesichts der Arbeit, die der Auszug mache, seien 23000
Euro lediglich Peanuts: 1200 Studenten ziehen am letzten Juni-Wochenende
auf einen Schlag aus, 700 allein aus dem Hochhaus - ihre Möbel
und Umzugskisten müssen über nur sechs Aufzüge ins Freie gebracht
werden. Um ein Chaos zu verhindern, hat der Verein einen minutiösen
Umzugs-Plan erarbeitet. Zusätzlich werden die 35 Vereinsstudenten
Kisten schleppen, die Einlagerung der Möbel in Container organisieren
und für Ordnung auf dem Parkplatz sorgen. „Eine Umzugsfirma
hätte mehr gekostet“, schimpft der Vereins- Chef. „Aber wenn
wir uns geweigert hätten, wären wir leer ausgegangen.“
Helmut Gierke, Leiter der Wohnungsabteilung im Studentenwerk,
bestreitet das finanzielle Ausbluten des Vereins: „Eine solch
hohe Summe kann nicht innerhalb von sechs Wochen verloren
gehen - das ist blanker Unsinn“, schimpft er. Schließlich
spare der Verein während der EM Lohn- und Materialkosten.
Dieter Maßberg, Chef des Studentenwerkes, glaubt sogar: „Mittlerweile
freuen sich alle, dass sie zum Gelingen der EM beitragen.“
Nadine Nöhmaier
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