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MAYERS - Ausgabe 2/2007
 

Platz da – aber wofür? Manchmal schafft man Raum für Neues, obwohl dies auch nicht besser ist als das Alte: Stoiber macht Platz für Beckstein, der alte Computer für den neuen, der Ex-Freund für den Nachfolger. Und – besser?
Manchmal aber braucht Neues wirklich Raum: die WG muss ausziehen, um zur Pärchenwohnung mit Kinderzimmer umfunktioniert zu werden. Die neue Freundin ersetzt die Zeit mit „World of Warcraft“, der neue Freund das Leben mit der Daily Soap.

Unschön ist allerdings, wenn soziale Kontakte Stress-Phasen weichen müssen, wenn Prüfungsangst die Lust auf Partys verdirbt und Fertigpizza statt eines gemeinsamen WG-Essens auf den Tisch kommt. Oder wenn Neues Altes zerstört: Der geplante Transrapid beispielsweise die Landschaft, die Studiengebühren die Chance auf ein Lernen ohne Geldsorgen.

Solche Änderungen werden von vielen als Fortschritt bezeichnet. Andere aber fragen sich, ob es den entsprechenden Entscheidern wirklich darum geht, Neues zu kreieren. Oder werden die diesbezüglichen Entscheidungen aus rein finanziellen oder privaten Gründen getroffen – und nicht aufgrund sachlicher Argumente? Wir werden das in MAYERS nicht beantworten können, in die Köpfe der Entscheider können wir nicht blicken. Worum wir uns aber bemühen, ist, im Heft Platz zu machen für Themen, die mit Altem sinnvoll aufräumen. MAYERS-Redakteur Christopher Haarhaus etwa schreibt über die überfällige Totalsanierung der Bungalows im Olydorf. Wir stellen zudem den Absolventen Sebastian Dengler vor, der in seiner Diplomarbeit die Grundlagen dafür gelegt hat, einen Platz im Glockenbachviertel lebenswerter zu gestalten. Und Heidi Keller sowie Frank Prieß zeigen, wie man richtig aufräumt. Heidi nimmt sich dabei den Schreibtisch vor, Frank die Festplatte . Ich mache jetzt auch Platz – für das neue MAYERS. Viel Spaß damit!




Bye bye, Bungalow!

Seit September wüten die Abrissbirnen im Olydorf – bis April müssen auch die letzten Studenten raus.

Die Geschichte des Olympischen Dorfes ist voll von Missverständnissen. Räumen wir gleich mal mit dem ersten Mythos auf: Nein, die Bungalows wurden im Jahr 1972 nicht für die Sportler gebaut. Die ersten Bewohner der Unterkünfte waren Studenten, die schon ein Jahr vor den Olympischen Spielen ihre neuen Behausungen bezogen hatten; während der Spiele mussten sie diese vorübergehend verlassen. Überhaupt waren in den Bungalows keine Sportler untergebracht, sondern Sportlerinnen. Die Anlage nämlich wurde damals in das so genannte „Olympische Frauendorf“ verwandelt. Soviel zu den Anfängen des Olympischen Dorfes – um zur jüngeren Vergangenheit zu wechseln, sei das vorerst letzte Missverständnis genannt: Eine Abrissparty ist keine Party mit Abriss, sondern eine Feier anlässlich eines Abrisses.

Das aber hatten einige Besucher des Festes am ersten Augustwochenende dieses Jahres anders verstanden: bei jener Feier wurden Brände gelegt, Scheiben zerschlagen, Türen aufgebrochen. 255 der 400 Bungalows wurden demoliert. Es grenzt fast an ein Wunder, dass diese Krawall-Nacht keine Auswirkungen auf den Zeitplan von Abriss und Neubau der Bungalow-Anlage hatte.

Am 11. September diesen Jahres jedenfalls sind Bagger und Abrissbirnen angerückt, um mit dem „Rückbau“ der Bungalows im Ostteil des Olympischen Dorfes zu beginnen. Die Schonfrist der Bewohner im Westteil hingegen gilt noch bis Ende März; dann müssen auch sie ihre heißgeliebten Behausungen verlassen. Viele von ihnen kommen in anderen Wohnanlagen des Studentenwerks unter – manch einer kann sogar im Dorf bleiben und eine Bude im Hochhaus beziehen, das von der Totalsanierung nicht betroffen ist. Keiner landet also auf der Straße, im Gegenteil: Der Neubau war von langer Hand geplant, die Bewohner waren von Beginn an in die Bauplanungen einbezogen und hatten sogar Möglichkeiten der Mitsprache – zumindest in einem gewissen Rahmen. Übergangen fühlt sich jedenfalls keiner; die Sorge um die Zukunft der Anlage ist dennoch groß.

„Wir trauern alle um unser Dorf“, sagt Vesselina Marinova, die zum Vorstand des Vereins „Studenten im Olympiazentrum e.V.“ gehört. Seit 1974 kümmert sich der Verein um das kulturelle Leben im Dorf. Jetzt stehen die derzeit 150 aktiven Mitglieder vor der schwierigsten Aufgabe seit Bestehen ihrer Vereinigung: Wie kann man den kommunikativen Charakter der Siedlung, das beschauliche Flair, die „besondere Olydorf-Kultur“, wie Marinova es nennt, in das neue Dorf retten?

Zumindest konnte der Verein durchsetzen, dass alle aktiven Mitglieder nach Fertigstellung der Anlage wieder in die Bungalows einziehen dürfen. „Ein ganz wichtiger Punkt, den wir unbedingt erreichen wollten“, sagt Marinova. Damit kann ein kompletter Umbruch in der Bewohnerstruktur verhindert werden – ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Das denkmalgeschützte Ensemble lediglich zu sanieren, kam übrigens nicht in Frage: Zu groß sind die Schäden der in die Jahre gekommenen Dächer, Wasserleitungen sowie der Dämmung geworden. „Die Neubauten werden den heutigen und zukünftigen Anforderungen an die Energieeinsparung entsprechen – was mit einer Sanierung des Bestandes nicht zu erreichen gewesen wäre“, sagt Dieter Maßberg, der das Neubauprojekt leitet. Der ehemalige Chef des Studentenwerks garantiert allerdings, das sich das Gesamtbild der Anlage nicht entscheidend verändern wird – das darf es auch nicht, immerhin steht das Bauensemble unter Denkmalschutz.

Die Bungalows aber werden kleiner, um sieben Quadratmeter. Für das klassische Hochbett bleibt damit kein Platz mehr. Auch das grüne Gassengewirr zwischen bunt bemalten Häuschen wird vorerst der Vergangenheit angehören. Zumindest die Farbe an den Wänden aber soll nach Wunsch des Studentenwerks möglichst schnell zurückkehren: Hierfür werden den Studenten Maleimer, Pinsel und Farbe bereitgestellt – kostenlos, freundlicherweise. Projektleiter Maßberg ist sicher, dass das „quirlige und intensive Gemeinschaftsleben“ schnell wieder Einzug ins neue Dorf halten und es „schon nach wenigen Semestern wieder die alte Attraktivität und das mediterrane Flair haben wird“ - für die Bewohner, aber auch für die Touristen, die das Olympische Dorf besuchen. Hoffentlich behält er Recht – sonst wird die Geschichte der Siedlung um ein Missverständnis reicher.

Christopher Haarhaus

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Ordnung ist das halbe Lernen

Die beste Arbeitsatmosphäre für zuhause schaffen

Die Flucht in die Stabi ist für viele Münchner Studenten nach eigener Meinung die einzige Chance, konzentriert zu lernen. Doch die vermeintlich lesefreundliche Atmosphäre einer Bibliothek ist oft nicht das Wahre: Die viel beschworene Ruhe wird durch das ewige Rattern von Laptop-Tastaturen gestört, durch SMS-tippende Kommilitonen oder das ewige Nasehochziehen des Tischnachbarn. Die Alternative? Eine perfekte Lernoase zuhause! Wie du diese kreierst, verrät Heidi Keller.

[   1. Ruhe   ]    Ruhe ist die Voraussetzung für effektives Lernen. Das bedeutet: Handy ausschalten, Telefon ausstecken, die Mitbewohner bitten, dich für ein paar Stunden ungestört zu lassen, keine Musik hören. Problematisch wird es natürlich, wenn Bauarbeiten vor oder Handwerkerarbeiten in deinem Haus plötzlich für eine unerträgliche Lärmkulisse sorgen. Dann hilft tatsächlich nur die Flucht in die Bibliothek.

[   2. Ordnung   ]   „Nur das Genie beherrscht das Chaos“, wusste Albert Einstein – doch diese Aussage ist relativ, denn an einem zugemüllten Schreibtisch kann kein Mensch konzentriert arbeiten. Platz machen ist also angesagt, denn besser als ein kreatives Chaos ist eine übersichtliche, saubere Arbeitsfläche. Griffbereit und im Sichtfeld sollten nur Dinge sein, die du zum Lernen brauchst, also beispielsweise Stifte, Post-its, Textliner und Papier.

[   3. Haltung   ]   Der perfekte Schreibtisch ist nicht nur ordentlich, sondern bildet zusammen mit dem Stuhl ein wirbelsäulenfreundliches Ensemble. Vor allem der Stuhl ist wichtig: Er sollte so konstruiert sein, dass er dynamisches Sitzen ermöglicht und zulässt, dass du dich bequem nach hinten lehnen, strecken, nach vorne beugen und aufrecht sitzen kannst. Außerdem: Papierkorb und PC-Tower sollten so unter dem Schreibtisch verstaut sein, dass sie die Beinfreiheit nicht einschränken – sonst drohen Durchblutungsstörungen.

[   4. Licht   ]   Die beste Haltung nützt nichts, wenn du nicht ordentlich siehst. Damit die Augen geschont bleiben, sollten Blendungen verhindert und auf schummriges Licht verzichtet werden. Wichtig: Arbeitest du am Bildschirm, darf hinter ihm nichts wesentlich Helleres stehen – sonst werden die Augen übermäßig beansprucht.

[   5. Der Wohlfühl-Effekt   ]   Ruhe und ein ordentlicher Arbeitsplatz helfen nicht, wenn du dich in deinen eigenen vier Wänden nicht wohl fühlst. Je schöner du es dir zuhause einrichtest, desto lieber bist du dort – auch zum Lernen! Gestalte dir dein Zimmer so, dass weder ein hässlicher Teppich noch Risse in der Wand ständig in dein Blickfeld geraten. Risse kann man überkleben, einen hässlichen Teppich mit einem hübscheren verdecken.

[   6. Farben   ]   Man kann in punkto Einrichtung natürlich noch einen Schritt weiter gehen und sich ausschließlich mit den „richtigen“ Farben umgeben. Generell gilt: Farben machen Stimmung – auch Lernstimmung. Blau beispielsweise beruhigt und fördert eine angenehme Lernatmosphäre, Orange weckt schläfrige Gemüter, Grün harmonisiert. Treib‘ es aber nicht zu bunt, denn weniger ist mehr – und zu viele Farben machen unruhig.

[   7. Feng Shui   ]   Warum nicht mal Feng Shui versuchen – zumindest im Rahmen, den ein Studentenbudget zulässt? Am wichtigsten: Auf keinen Fall sollten sich Tür oder Fenster in deinem Rücken befinden, wenn du lernst – das bietet, so eine klassische Feng Shui-Regel, keinen Schutz vor den „zirkulierenden Energieströmen“ und führt zu Unruhe. Der Arbeitsbereich sollte immer durch Trennwände abgeschirmt sein, am besten durch blickdichte. Auch Pflanzen sind hilfreich – aber nur, wenn sie runde Blätter haben oder ihre Gesamtform rund ist. Spitzblättrige Pflanzen verbreiten dagegen Disharmonie.

[   8. Selbstdisziplin   ]  Ohne Fleiß und Durchhaltevermögen hilft auch die perfekte Lernatmosphäre nichts! Größter Motivationsschub für effizientes Lernen ist also immer noch das Ergebnis, das sich nach eifrigem Büffeln einstellen kann: eine gute Prüfung.

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“Wer ist dran mit Badputzen?“

WG-Bewohner: Latin-Lover trifft Langzeitstudent

Mit Wohngemeinschaften ist es so eine Sache. Einerseits tut es gut, nicht alleine zu leben und Miete, Telefon sowie Abendessen zu teilen. Andererseits kann es schon mal vorkommen, dass man mit Leuten zusammenwohnt, die beim Vorstellungsgespräch wie Volltreffer erscheinen – nach ein paar Wochen allerdings ihr wahres, weniger freundliches Gesicht zeigen. Um die größten Nieten zu vermeiden und Traum-Mitbewohner zu erkennen – hier eine WG-Typologie von Sandra Janecek.

 

Von Leichtathletik bis Basketball, von Rugby bis Eisbachsurfen – in München gibt es ein breites Sportangebot und ebenso viele Sportbegeisterte. Mit einem Sportler zusammenzuleben, hat eigentlich nur Vorteile: er ist viel unterwegs, kocht gesund und stellt jeden Tag aufs Neue seinen durchtrainierten Körper zur Schau.



Mit dem Langzeitstudenten als Mitbewohner kann man es auch wagen, einen 10-Jahres-Mietvertrag zu unterzeichnen: er scheut jede Veränderung und genießt den Ist-Zustand. Fürs Alltagsleben in der WG empfiehlt er sich ebenfalls, denn meist hat er viel Zeit für den Haushalt und aufgrund seines fortgeschrittenen Alters einen wertvollen Wissensschatz im Kopf: er kann sowohl den Prüfungsstoff erklären als auch in Liebesdingen beraten.



Dank der Glamour-Mitbewohnerin ist man immer auf dem Laufenden, was den neuesten Klatsch und Tratsch betrifft. Man kommt mit ihr in die neuesten Clubs und kann sogar High Society-Luft schnuppern. Tiefgang sollte man von ihr nicht erwarten, dafür jede Menge Geschichten, die man noch seinen Enkeln erzählen kann. Ein großer Nachteil an der Schickse ist allerdings, dass sie nicht nur eine WG- sondern vielmehr eine Badezimmer-Bewohnerin ist.



Vorsicht, beim Schnorrer muss man immer auf der Hut sein: Zwar ist er ein super Kumpel, der immer einen guten Spruch auf der Lippe hat, aber leider war das oft schon alles. Er ist ein typischer Steh-Pinkler, vor dem man seine Joghurts und Süßigkeiten verstecken muss.



Die Karriere ist ihm wichtiger als Kinder, Küche, Kirche! Der Streber verschanzt sich gerne in seinem Zimmer inmitten von Bücher-Türmen. Gerüchten zufolge liest er selbst in Fremdsprachen schneller als sein Schatten. Seine Noten sind freilich allesamt sehr gut mit Sternchen. Er ist trotz des Lernpensums hilfsbereit und oft ein guter Ausgleich zum Party-Macher der WG. Oft hat man ihm aufgrund des schlechten Gewissens („Wie, der lernt jetzt schon? Sind schon wieder Prüfungen?“) den eigenen Abschluss zu verdanken, auch wenn man ihm das niemals sagen würde.



Ein nicht ganz einfacher Zeitgenosse ist der Öko-Typ. Kaum verlässt man für eine Minute das Zimmer, wird das Licht ausgemacht. Beim Fleischessen muss man sich Tiertransport-Predigten und sonstige Lebensweisheiten anhören. Der Vorteil ist allerdings, dass das Bad wenig besetzt ist und man immer übers Tollwood und ähnliche Ökotreffs informiert ist.



Spanisch sprechende Mitbewohner, die gerne auch Erasmus-Studenten sein können, bereichern den deutschen Speiseplan mit Paella, Tortillas und Sangria – und verwandeln so ein sprödes WG-Abendessen in eine feurige Fiesta. Überhaupt wissen der Latin-Lover und seine gut aussehenden Freunde, wie man nächtelang feiert.



Laut, lauter, Heavy Metal! Wen der Geräuschpegel nachts um eins nicht allzu sehr stört, hat mit dem Rocker einen liebenswerten Zeitgenossen gefunden. Einen besseren Kumpel kann man sich nicht vorstellen. Außerdem hat man immer Bier und Jägermeister im Kühlschrank, was eh der Standard für eine Studenten-WG sein sollte.



Wer kein Gruppenmensch ist und nur ein Dach überm Kopf sucht, für den bietet sich eine Zweck-WG an. Die Vorteile sind hier ökonomischer Natur, man sieht sich höchstens mal auf dem Flur und grüßt sich dann meistens auch. Vermutlich würde der Zweck-Mitbewohner auch den Notarzt rufen, würde man selbst keuchend auf dem Boden liegen.



Etwas exzentrisch gibt sich der Künstler in seiner WG. Alles ist ihm zu spießig, seine Verbesserungsvorschläge aber werden letztlich nicht in die Tat umgesetzt. Wen das nicht nervt, hat mit ihm einen interessanten Gesprächspartner und bekommt neue Sicht- und Denkweisen vermittelt.



Er ist einfach nützlich: Mit einem Techniker in der WG läuft das Computernetzwerk, mit ihm ist klar, wer die Glühbirne wechselt und sich um sämtlichen weiteren Elektronikschnickschnack im Haushalt kümmert. Doch Vorsicht: er legt durch Kurzschlüsse regelmäßig die komplette WG lahm.



Ein Stubenhocker und nah verwandt zum Schnorrer ist der Kiffer. Ist die Kuhle im Sofa nicht besetzt, steigt vermutlich gerade ein Reggae-Festival – oder sein Dope ist ausgegangen.

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