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MAYERS - Ausgabe 2/2006
 

Weil die Fernseh- und Radiomacher von afk tv und M94.5 wissen wollten, wie frisch gedrucktes Papier riecht, haben wir sie für eine MAYERS-Sonderausgabe mit ins Boot genommen - für eine Ausgabe zum 10. Geburtstag von afk.

Und keine Sorge: Das afk-Jubiläum wird freilich nicht nur in MAYERS abgefeiert - sondern auch in einem rauschenden Fest: Am 7. Juli steigt ab 21 Uhr eine fulminante Party in der Muffathalle. Der Elektro-Musiker Enik, die Hip-Hopper "Kinderzimmer Productions" und die Punker "Die Goldenen Zitronen" sorgen dort für angemessene Geburtstagsständchen.

Mehr Infos gibt es unter www.afk.de




Abrocken mit den Lieblingssendern!

Hoch sollen sie leben: Am Freitag, den 7. Juli, feiern unsere Lieblingssender afk tv und M94.5 in der Muffathalle zehnten Geburtstag - und haben zur Party jede Menge illustre Gäste eingeladen. Klotzen, nicht kleckern, lautete hierbei die Devise - und so engagierten die Geburtstagskinder Künstler wie Enik, Kinderzimmer Productions und die Goldenen Zitronen, um sich sowie Münchens Partyvolk ab 21 Uhr mit rockigen, rappigen und punkigen Geburtstagsständchen zu verwöhnen. Wer den Sendern ebenfalls gratulieren mag und kräftig mitfeiern will, hole sich Karten für den Geburtstags-Event: Diese gibt es für zehn Euro an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie für 13 Euro an der Abendkasse. Happy Birthday, Baby!



Enik
Im März 2006 wählte die M94.5-Musikredaktion ein Debütalbum zur Platte des Monats: Es war das Werk „Seasons In Between“ des Künstlers Enik a.k.a. Dominik Schäfer. Doch nicht nur durch den Erstling, auch durch seine extravaganten Live-Auftritte sorgte der Münchner für Furore: Enik ist eine Rampensau par excellence und ein Showbusiness-Crack, der genau weiß, wie er ein Publikum zunächst ent-, und schließlich begeistern kann.

Dabei ist er noch nicht lange im Geschäft: Nach seiner ersten EP „Without A Bark“ folgten im vergangenen März oben genannte „Seasons in Between“, auf denen Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Auch wenn Enik im Titelsong nicht vor der großen Ballade zurückschreckte, so lauert der Wahnsinn dennoch in jeder Rille der Platte: Zerhackstückte Elektronikpassagen treffen auf breit angelegte Arrangements, Garagen-Rock auf Folk, Glam-Rock auf Funk – und werden zu einem fulminanten, den Raum einnehmenden Ganzen. Verbindendes Element ist die einzigartige Stimme des Münchners, die von aggressiv bis zerbrechlich klingen kann. Und große Gesten sind durchaus Eniks Leidenschaft, denn frickeln lässt er lieber andere.

Wen das noch nicht überzeugt hat, der kann sich gerne ein paar Referenzen hinter die von Enik aufs schönste malträtierte Ohren schreiben: Die von The Faint und Depeche Mode, von Aphex Twin und David Bowie. Mit letzterem verbindet Enik vor allem der stetige Wandel. Oder anders ausgedrückt: Auch Enik ist ein gerissener Hund mit Chamäleon-Genen.

 

Kinderzimmer Productions
Ein Deutsch-Rap-Duo aus Ulm? Na, so eins begeistert doch maximal im Jugendzentrum um die Ecke, möchte man meinen? Falsch gedacht. Kinderzimmer Productions sind mittlerweile eine feste Institution im deutschen Hip-Hop, haben den kommerziellen Aufstieg und Fall der Szene miterlebt und gehören in der jetzt grassierenden Gangsta-Imitat- und Ghetto-Glorifizierungs-Welle entweder der Fraktion „Es-gibt-exzellenten-Deutsch-Hip-Hop-fernab-von-Sido-und-Aggro-Konsorten“ an. Oder gar keiner. Denn lieblos am Computer produzierte Beats gibt es nicht mit den Kinderzimmern! Hier werden die Beats noch altmodisch gesamplet oder gleich mit einer echten Band eingespielt. Schon seit jeher nämlich wog die Liebe zu echter Musik schwerer als mögliche Kinderzimmer Productions-Poster in Teenie-Zeitschriften. Wie ein Zitat von Textor beweist, wurde auch nie nach dem kommerziellen Erfolg geschielt: “Die Charts sind ein Spiel, das Dieter Bohlen gewinnt.“

Bis dato haben Textor a.k.a. Henrik von Holtum und DJ Quasimodo a.k.a. Sascha Klammt fünf Platten abgeliefert. Kinderzimmer sind „im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit“ (1996) unterwegs, immer „da wo oben ist“, wie ihr 2002er Album hieß, um uns Songs wie „Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint“ oder „Lights, Camera, Action!“ zu liefern. Letzterer ist sogar einer der wenigen Titel, die schon seit 1996 bei M94.5 zu hören sind, ein echter Senderklassiker. 2004 folgte dann das bisher letzte Album „Irgendjemand muss doch“ und wurde damals auch prompt zur Platte des Monats Dezember gewählt. Es sind halt Lieblinge der M94.5-Musikredaktion.

Kollege Franz Liebl schrieb damals: „Blöcke schießen wie Pilze aus dem Boden, vulgärexplizite Texte bewegen die Geschmäcker, ‚Bling Bling on Ebay’-Attitüden werden von Kameraobjektiven eingefangen, Rapper entdecken ihre wahre Bestimmung ... Singen. Jemand muss doch die guten alten Deutschrap-Tugenden – Jazz-Samples und intelligente Texte – aufrechterhalten. ‚Irgendjemand muss doch!’ Einige mögen enttäuscht sein. Keine Samples sondern Live-Instrumentierung, blumige Sprache, die aber nie ins vulgäre entgleitet, und Lyrics, die an alte ‚Tobi und Bo’-Tage erinnern und im Sekundentakt ein breites Grinsen ins Gesicht rappen, bleiben im Ohr hängen und überzeugen mit Wurmqualitäten. Doch ... sie müssen!! Genau hinhören heißt die Devise.“

Mit über zehn Jahren Bandgeschichte sind Kinderzimmer Productions quasi(modo) der große, schlaue Hip-Hop-Bruder von M94.5. Der seinem kleinen Bruder die Freude macht, auf seinem Fest vorbeizuschauen.


Die Goldenen Zitronen
Denkt man an Musik aus Hamburg, denkt man erstmal an die melodiöse, hochintellektuelle Hamburger Schule oder an die Clique um Eißfeldt (Absolute Beginner), Samy Deluxe (damals Dynamite Deluxe) und andere. Aber Punk aus Hamburg? Ist ebenfalls absolut hörenswert – in der Hansestadt geht der Punk seit 22 Jahren ab!

Ted Gaier und Schorsch Kamarun gründeten die Goldenen Zitronen anno 1984 - eine Kapelle, die Punk mit Fun, niemals aber Fun-Punk à la Die Ärzte oder die Toten Hosen spielte. Bands wie jenen zeigten sie mit ihrem Titel „Für immer Punk“ gerne den erhobenen Mittelfinger. Mainstream war niemals ein Thema, im Gegenteil, über die Jahre hinweg bewegte sich die Punk-Zitrone immer mehr in Richtung Politik. Sie wollte nicht einfach nur Spaß machen wie manch andere, nein, ihr geht’s auch um Weltveränderung, darum, die richtigen Fragen zu stellen, darum, aufzurütteln.

Dieses Jahr erschien das 8. Album „Lenin“. Die Songs werden inzwischen mehr durch simple, beinahe monotone Loops bestimmt. Und durch plakative Aussagen, kritische Texte, musikalische Arrangements, die mit den gängigen Punk-Codes brechen – wenn sie sie nicht zerstören und vernichten. Plumpe Polit-Parolen – wie immer Fehlanzeige. Hier wird clever, teilweise aus dem Hinterhalt, getextet. Doch aus diesem schlagen die Zitronen unerbittlich zu. Geißeln Globalisierung, Kaufrausch und Konsumwahn wie den „Flachbildscheiß“ und lassen einen Turnschuh übers Mittelmeer reisen („Wenn ich ein Turnschuh wär’“), mokieren sich über H&M-Uniformität („Milla“) und setzen der neuern Deutschsprach- und -tümlichkeit ganz bewusst auch mal einen englischen Text entgegen („Gevatter Böhm erzählt“). Keine leichte Kost, aber niemals unverdaulich. Aber wer will schon vorverdaute und vorgekaute Meinungen, außerdem war das - wie oben bemerkt - noch nie ein Ziel der Goldenen Zitronen-„Oldies“. Im Gegenteil: Sie sind einfach anders. Wie M94.5.

Daniel Kratz, Franz Liebl, Stefan Weber, M94.5-Musikredaktion

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Der erste Beitrag

Die Vier, die Fünf, dann die Drei – oder doch die Zwei? Es ist Freitagvormittag, kurz nach neun. Mein Tag bei Radio M94.5 beginnt mit Denksport. Verzweifelt stehe ich vor der Eingangstür: Wie lautet dieser verflixte Sicherheitscode nochmals?

Irgendwann klickert’s – ich betrete endlich die Redaktion, wo mir ein mehrfaches „Guten Morgen“ entgegen tönt. Alle zehn Rechner im Raum sind belagert, hinten links lugt Peter von einem Flatscreen hervor. Er ist – wie jeden Freitag – der Chef vom Dienst, kurz CvD, und entscheidet über das Tagesprogramm. „Sitzung!“ ruft er wie zur Begrüßung.

Sekunden später hat sich das achtköpfige Tagesteam um einen runden Tisch versammelt – wie eine Großfamilie zum Mittagessen. „Papa Peter“ ist zwar nicht viel älter als wir, er ist ebenfalls noch Student – aber er ist dennoch ein alter Hase in Sachen Radiomachen und kann jedem am Tisch die ersten Schritte zeigen. Besonders mir: ich bin erst seit drei Wochen dabei. „Wie füllen wir die Hörbar?“ fragt Peter in die Runde.

Die Sendung „Hörbar“ läuft täglich von 15 bis 17 Uhr, alle Mitglieder des Tagesteams liefern hierfür Beiträge. Jeder sollte deshalb morgens einen Themenvorschlag mitbringen – egal ob politischer, kultureller oder sportlicher Natur, egal ob von lokaler Bedeutung oder weltweit brisant. Mein heutiger Vorschlag, über die Grundsteinlegung der Schrannenhalle zu berichten, kommt bei Peter gut an: „Ist in Ordnung, hol dir ein Aufnahmegerät bei Heidi und mach dich auf den Weg!“ Heidi ist die gute Seele von M94.5 – keine Studentin, sondern unsere Sekretärin, zuständig für alle 150 Mitarbeiter.

Es wird hektisch. Bereits in wenigen Minuten beginnt der Pressetermin in der Münchner Innenstadt. Das Stück über die Schrannenhalle soll mein erster eigener Beitrag werden. Obwohl ich aufgeregt bin, gilt es nun, cool zu bleiben, MD-Gerät und Mitarbeiterbestätigung im Rucksack zu verstauen und mich auf den Drahtesel zu schwingen.

Rechtzeitig zum Spatenstich bin ich am Ziel: Die Schrannenhalle ist noch ein Beton-Fundament unter freiem Himmel, drumherum stehen feine Herrschaften und bedienen sich an einem Buffet. „Entschuldigung“, sagt ein junger Mann und tippt mir auf die Schulter. „Weißt du, wer der verantwortliche Bauherr ist? Ich brauche einen O-Ton!“ Ich entlarve ihn als Reporter eines Lokalradio-Senders. Sein Windschutz am Mikrofon hat ihn verraten, genauso wie mich meiner. Wir suchen gemeinsam nach dem Bauherrn – und holen schließlich im Duett unser Interview: Der Reporter stellt eine Frage, ich stelle eine Frage – ein bisschen fühle ich mich nun auf Augenhöhe mit einem richtigen Journalisten. Ein erhabenes Gefühl!

Zurück in der Redaktion. Es ist 13 Uhr – und sogar noch hektischer als zuvor. Ich muss die O-Töne einspielen und schneiden. Dafür stehen uns neben dem Sendestudio zwei weitere Studios mit Schnitt-Systemen zur Verfügung. Schneiden können wir zudem an einigen Rechnern in der Redaktion – ein Komfort, der sich lohnt, weil fast alle Redakteure wegen der Sendung um drei Uhr gleichzeitig schneiden müssen.

Trotzdem fällt es mir als Anfänger schwer, zu texten und zu schreiben. Mein Blick wandert immer wieder zur Uhr. Um 15 Uhr soll der Beitrag fertig sein. Noch eine knappe Stunde, das schaffe ich nie! Dann ist es kurz nach drei. Die Sendung läuft bereits. Mit schweißnassen Fingern tippe ich noch immer meinen Text in die Tastatur. Peter schaut mir über die Schulter: „Wie sieht`s bei dir aus?“, fragt er. „Ich bin gleich fertig, muss nur noch den letzten Satz schreiben“, entgegne ich stammelnd.

Endlich habe ich fertig getextet – ab geht’s zum Einsprechen ins Studio. Trotz meiner Nervosität bringe ich die Sätze halbwegs gerade heraus. Unser Technik-Praktikant Philipp baut schließlich meine Moderation sowie die O-Töne zu einem vollständigen Beitrag zusammen. Um kurz nach halb vier ist mein Werk vollendet. Jetzt schnell raus zu Peter.

Als ich die Redaktion betrete, höre ich die „Hörbar“ über die Lautsprecher. Ich traue meinen Ohren nicht: Hat der Moderator gerade meinen Namen gesagt? „Und jetzt ein Beitrag von Sebastian Krause über den ersten Spatenstich für die Schrannenhalle…“ - „Ist das nicht zu früh?“, frage ich entgeistert. „Natürlich nicht“, erwidert Peter lässig von seinem Schreibtisch aus. „Radio ist ein schnelles Medium. Ich habe mir deinen Beitrag gerade im Digas-System angehört. Er war okay – und mit knapp zwei Minuten nicht zu lang und nicht zu kurz: Ganz gut für den Anfang!“

Vollkommen geschafft lasse ich mich in einen Sessel fallen. Meine Arbeit ist getan. Die Hektik verfliegt, stattdessen spüre ich Erleichterung. Fasziniert lausche ich meinen letzten Sätzen im Radio, stolz und zufrieden. Und morgen? Da mache ich mich auf die Suche nach einem neuen Thema!

Sebastian Krause

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Der Superpraktikant

Während sich die anderen Praktikanten beim Weg in die Redaktion noch müde die Augen reiben, sitzen Miss und Mister Perfect längst am Schreibtisch: Sie sind hoch motiviert, höflich, haben immer schlaue Ideen auf Lager und machen keine Fehler. Eine schöne Vorstellung – aber was zählt wirklich bei afk tv? Programmkoordinatorin Angelika Knop plaudert aus dem Nähkästchen.

Der perfekte Praktikant – wie sieht er aus?
Er hört zu, denkt mit, packt an und lernt aus Fehlern. Bei uns gilt learning by doing, doch der Praktikant sollte auch im richtigen Moment um Hilfe bitten und klar sagen, was nicht passt. Er soll auch Kritik einfordern – und diese annehmen. Und ein Superpraktikant setzt sich für seine Kollegen ein: Etwa, indem er kurzfristig bei einem Dreh einspringt, sein Wissen weiter gibt oder die Spülmaschine anstellt.

Braucht ein perfekter Praktikant besondere Vorkenntnisse, um bei afk anzufangen?
Nicht unbedingt. Dann sollte er aber wissen, dass er nichts weiß – und sehr lernfähig sein. Aber eigentlich setzen wir bei journalistischen Bewerbern schon Schülerzeitung voraus und bei technischen, dass sie eine Freizeit-Videokamera bedienen können und schon mal ein Schnittprogramm gesehen haben.

Welche Begabungen muss er mitbringen?
Journalisten brauchen Neugier, Hartnäckigkeit und sollten nicht auf den Mund gefallen sein. Filmemacher müssen in Bildern denken und ein Auge für den richtigen Bildausschnitt haben. Improvisationstalent und Belastbarkeit sind bei allen wichtig. Und wir lieben Organisationsgenies!

Wie muss eine gute Bewerbung aussehen?
Wichtig ist, dass ich in der Bewerbung eine Leidenschaft fürs Fernsehen und die Ernsthaftigkeit, beruflich in diese Richtung zu gehen, erkenne. Gute Zeugnisse und überzeugende Arbeitsproben geben natürlich Pluspunkte. Ordnung und Übersicht schadet ebenso wenig wie Originalität!

Muss ein Traumpraktikant immer eine halbe Stunde vor allen anderen in der Redaktion sein und abends länger bleiben?
Nicht immer, manchmal jedoch schon. Ganz sicher aber ist: der perfekte Praktikant kommt nicht ständig zu spät und geht auch nicht regelmäßig als erster.

Muss er kameratauglich sein?
Vor der Kamera nicht – dahinter schon.

Suchst du überhaupt einen perfekten Praktikanten für afk?
Nobody is perfect. Wir wollen Menschen mit Fehlern und Schwächen – aber natürlich auch mit Stärken und Talenten. Und letztere sollten überwiegen.

Interview: Isabelle Modler, ehemalige Redaktionspraktikantin

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