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MAYERS
- Ausgabe 2/2005 |
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Nichts ist spannender als das, was einen nichts
angeht: Haben Tom Cruise und Katie Holmes nun, oder kann er
wirklich nicht? Wie saugt man das neue „Ärzte“-Album
kostenlos und virenfrei aus dem Internet? Und was eigentlich
war zwischen Edmund Stoiber und Angela Merkel passiert, bevor
er sich in München, äh, Berlin vom Acker machte?
Damit höchst intime und geheime Angelegenheiten genau
das nicht bleiben, haben wir, die wir leider und gottlob äußerst
neugierig sind, einschlägig recherchiert. Und natürlich
lüften wir nun vieles, was wir herausbekommen haben.
Denn wir stimmen Oskar Lafontaine von der Linkspartei zu,
der sagt: „So schwer drückt nichts, wie ein Geheimnis
drückt.“
Exklusiv erfahren MAYERS-Leser also beispielsweise
das Geheimnis beruflichen Erfolges. Das Geheimnis der besten
Studentenpartys. Und wie man sein Promotions-Stipendium für
Bleibenderes als seinen Doktortitel nützen kann. Natürlich
aber verraten wir nicht alles, was wir aufgedeckt haben. Wir
wollen nämlich Tom Cruises Privatleben schützen.
Und nicht zu illegalem Handeln aufrufen. Außerdem können
wir es nicht verantworten, unseren Landesvater noch mehr in
Misskredit zu bringen.
Wir befolgen lieber den Rat einer großen Frauenzeitschrift:
„Verführerischer ist es, nicht gleich alles von
sich zu erzählen, sondern lieber mal den Mund zu halten,
lediglich mit den Augen zu sprechen oder nur genießerisch
den Wein über die Zunge gleiten zu lassen. Das stellt
die Sinne des Gegenübers auf Empfang.“ Also, liebe
Leser: Seid empfangsbereit! MAYERS ist dieses Mal mysteriös.
Nicht weitersagen!
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Hightech-Spicken
Jeder Student kennt das: Eigentlich sollte er sich
von der Außenwelt abriegeln und sein Gehirn mit allem
Lernstoff füttern, der zumindest kurzfristig hineinpasst
– die wichtigste Klausur des Semesters steht unmittelbar
bevor.
Doch plötzlich durchzucken ihn andere Gedanken: „Ich
muss unbedingt mein Bücherregal abstauben! Meine CDs
ordnen! Die Eltern besuchen! Einkaufen! Urlaub buchen!“
Als Konsequenz wird leider oft die Zwischenprüfung gefährdet,
die Scheine mehr schlecht als recht bestanden, werden Eltern
übellaunig und das Bafög-Amt beginnt, böse
Briefe zu schreiben. Dem Student fällt ein: Er könnte
seinem Glück ein wenig nachhelfen. Altbewährt, denn:
Das Spicken gibt es so lange wie die Institution Universität.
Nie zuvor aber war es so leicht, perfekte Spicker an der Hand
zu haben wie heute im Hightech-Zeitalter.
MAYERS zeigt neue wie alte Wege zu einer
erfolgreich absolvierten Klausur:
- Schreibe die Infos ins Essen: In Schokolade, Butterbrot,
Äpfel, Bananen, etc. Wenn du die Daten nicht mehr brauchst
– iss sie auf!
- Schreibe die Daten in die Handflächen oder zwischen
die Finger.
- Sprich die Mailbox deines Handys voll. Gehe dann aufs
Klo und höre sie inaller Ruhe ab.
- Drucke dir mit derselben Schrift, die das Wörterbuch
hat, das du in der Klausur verwenden darfst, eine Seite
voll nützlichen Wissens aus – und klebe sie in
das Buch.
- Setze eine Mütze mit großem Schirm auf. Beschrifte
dessen Unterseite – von dieser kannst du anschließend
gut ablesen.
- Sprich die Infos auf eine Minidisc. Der erste Track ist
das Inhaltsverzeichnis, die weiteren die gegliederten Daten.
Höre diese unauffällig ab.
- Klebe die letzte Seite eines Spiralblocks mit ein wenig
Kleber am oberen und unteren Rand mit dem Karton zusammen.
Dazwischen ist nun genug Raum für einen Spickschieber,
der sich mit Hilfe eines Fadens gut rein und raus ziehen
lässt.
- Beschrifte ein schwarz eingebundenes Buch mit Bleistift.
Die Schrift kann nur aus einem bestimmten Winkel gesehen
werden, da sie im Gegenlicht glänzt.
- Schreibe alles Wissenswerte vor der Klausur auf ein weißes
Blatt Papier; schreibe in die rechte obere Ecke noch deinen
Namen, die Matrikelnummer und das Datum, an dem die Klausur
geschrieben wird. Fertig ist der perfekte Spicker, den du
während der Klausur mitten auf den Tisch legst. Kein
Professor kommt darauf, dass ein Student so naiv ist, seinen
Spicker offen und für jeden sichtbar zu präsentieren.
Wenn er doch nachfragt, was das für ein Zettel ist,
sage ihm, es handle sich um Notizen, die du gerade angefertigt
hast.
Sandra Janecek
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Der MAYERS-Gimmick:
hierfindest du ein Getränke-Etikett
zum Download, dessen Zutaten-Liste du durch Spick-Infos
ersetzen kannst. Auf eine Flasche geklebt ist es die perfekte
Klausurbegleitung. Viel Erfolg!
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Im Bann der guten Fee
Gute Partys enden bekanntlich in der Küche.
Und schlechte? Die enden irgendwie nie: Alle stehen rum, schauen
peinlich berührt und nippen gelegentlich an Prosecco
oder Bier.
Da hilft nur noch eins: der mysteriöse WinX Club-Koffer.
Die neue, unlängst auf der „Spiel 05“-Messe
in Essen vorgestellte Geheimwaffe gegen gähnende Ödnis
auf Studi-Feten stammt von Upper Deck, ist ein Kartenspiel
und eigentlich für Mädchen ab 6 Jahren gedacht.
Daran sollte man sich aber nicht stören. Denn es bringt
auch größeren Kindern jede Menge Spaß.
Und so geht’s: Die Spieler verkörpern je eine
gute Fee, die durch eine Charakter-Karte in knalligen Bonbon-Farben
dargestellt wird. Zusammen wird gegen die bösen Trix-Hexen
gekämpft, die man sich nach Belieben vorstellen darf.
Um zu gewinnen, müssen die Heldinnen untereinander Karten
tauschen. Und das ist richtig groß! Denn auf jeder Karte
steht eine Aufgabe, welche erfüllt werden muss, bevor
es die Belohnung (die Karte) gibt. Etwa folgende: „Denke
dir einen Fröhlichkeits-Tanz aus und zeige mir die Schritte
dafür.“ Oder: „Beschreibe deinen perfekten
Tag.“ Wenn das nicht jedes Flaschendrehen um Meilen
schlägt! Und das für gerade mal zwölf Euro.
So viel kostet das Basis-Set, das neben den Karten auch noch
einen feschen Plastik-Ring enthält und in einem kleinen
Köfferchen in jedem Spielwarenladen zu erstehen ist (www.winxclubgame.com).
Übrigens: Besonders Mutige spielen das zart-pastellige
Kinderspiel auch in der Kneipe ihres Vertrauens. Statt Schafkopf.
Muss aber nicht sein. Es sei denn, ihr wollt auffallen. Und
noch was: Einige Karten glitzern nicht nur – sie duften
auch noch. Großartig!
Das magische Feen-Spiel ist zweifellos die lustigste Entdeckung
des Herbstes. Doch die Messe in Essen hat noch weitere Schätze
zutage gefördert, die allesamt wunderbare Abende versprechen.
Jedenfalls, wenn man gerne spielt.
Zwar kein wirklicher Geheimtipp (wie das Gütesigel „Spiel
des Jahres“ erahnen lässt), aber dennoch eine lohnende
Anschaffung ist „Niagara“ (Zoch Verlag, ca.
30 Euro): Man schippert mit seinem Kanu auf einem Fluss –
der sich mittels durchsichtiger Scheiben tatsächlich
bewegt – und muss währenddessen Edelsteine vom
Ufer auflesen und ins eigene Dock befördern. Aber Achtung:
Wer sich beim Angeln zu weit vorwagt, stürzt den Wasserfall
hinunter, der am Ende des Spielbretts lauert (www.zoch-verlag.com).
Wer es zwar rasant, aber gerne etwas feuriger mag: Für
Fans des gepflegten Rennsports hat Amigo „Drachenreiter“
(ca. 30 Euro) herausgebracht. Ein rasantes Spiel, bei dem
zwei bis sechs Zauberer ihr geflügeltes Riesen-Renntier
auf die Bahn schicken und durch gekonntes Taktieren, magische
Schlingen und gemeine Feuerbälle auf die Kontrahenten
versuchen, als Erster die Ziellinie zu überfliegen. Das
macht Laune und kann ganz schön gemein enden: Wer sich
eben noch als Sieger wähnte, wird am Ende vielleicht
sogar nur Letzter (www.amigo-spiele.de).
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Florian Römer
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Die unendliche Abiturfeier
Pssst: Was alles in der Neuauflage von „Münchenleben
– Das Buch zur Stadt“ steht, das im Mai 2006 im
Verlag Thomas Mayer erscheint und für 8,80 Euro im Buchhandel
erhältlich ist, wird natürlich noch nicht verraten.
Als kleinen Vorgeschmack aber bekommen MAYERS-Leser exklusiv
den Vorabdruck von Annas 365 Tage langer Abifeier präsentiert:
Mittwoch, 6.05 Uhr früh, Ungarn. Ich renne in meinem
kleinen Dörfchen zur Bushaltestelle. Letzte mündliche
Abiturprüfung in der Stadt. Im Bus versuche ich, mir
noch etwas einzuprägen…
Am Montag danach, 6.05 Uhr früh, München. Ich
torkele zur S-Bahn am Ostbahnhof. Versuche, mich daran zu
erinnern, wo ich umsteigen muss. Fällt mir gerade nicht
ein...
Kurzerhand entschließe ich mich, wieder umzukehren,
wozu sonst hat die Milchbar bis 9 Uhr früh geöffnet?
Am Türsteher vorbei, habe ich kurz das Gefühl, mich
wieder in meinem kleinen Dörfchen zu befinden, auf einem
der vielen Bauernhöfe – die unterschiedlichsten
Geschöpfe tummeln sich hier: Ein Schwarm schnatternder
Blondinen zieht an mir vorbei, eine Herde Südländer
drängt sich um die Bar, die mir jetzt wie eine Tränke
vorkommt. Erwartungsvoll glotzen sie ihren Bauern an, um noch
einen Absacker zu ordern – und auch ich versuche mit
meinem schon leicht verschwommenen Blick, Augenkontakt zum
Barkeeper herzustellen.
Nach zwei Jahren ländlicher und auch ein bisschen mönchischer
Zurückgezogenheit in meiner Zweitheimat Ungarn will ich
erst mal feiern, feiern, feiern! Ich habe es mir verdient!
Die Schultern sind krumm vom Schleppen der Schultasche, die
Dioptrienzahl ist deutlich höher durch nächtliches
Lernen – und ich habe kaum noch eine Ahnung davon, was
im Münchner Nachtleben angesagt ist. Jetzt aber darf
aufgeatmet und befreit von jeglichem Schulstress mein Abitur
gefeiert werden. Bis zum Beginn des Studiums zwei Monate später...
Aber darüber sollte ich mir noch keine Gedanken machen,
die legendäre Sweet-Party steht vor der Tür. Auf
die freue ich mich besonders, denn manchen Abend saß
ich allein in meinem verträumten Dorf und surfte voller
Wehmut auf die Website Nachtagenten.de, um dort auf den Fotos
meine feiernden Freunde wiederzuerkennen. Immer wieder stellte
ich mir vor, mich selber unter ihnen zu finden, aber diesmal
mit Hochschulreife in der Tasche.
Jetzt ist es endlich soweit: Bei Sweet, der Veranstaltung,
die mich schon seit meinem 15. Lebensjahr begleitet, fühle
ich mich sofort wieder zu Hause; ich erinnere mich daran,
wie die beiden DJs schon vor sechs Jahren wussten, mich mit
meiner Lieblingsmusik aus Übersee zu verwöhnen.
„Home Sweet home“, denke ich und kratze die letzten
Euros für einen Wodka-Bull aus der Tasche.
Oh ja, leider: Das Nachtleben will finanziert sein. Ich bediene
also tagsüber in einem Restaurant, um finanziell gerüstet
zu sein. Anfangs fällt es mir nicht gerade leicht, übernächtigt
das volle Tablett von Tisch zu Tisch zu tragen. Außerdem
unterstützten meine Augenringe nicht unbedingt die Gebefreudigkeit
der Gäste. Doch diese Problematik wollte ich später
lösen.
Jetzt muss ich erstmal in die kleine, aber sehr feine Studentenwohnheimbar
in der Agnesstraße. Hier erhole ich mich von der Oberflächlichkeit
mancher Clubs. In der familiären Atmosphäre wird
gekickert und gefeiert – jeden Montagabend bis Dienstagmorgen,
was meine Chefin gar nicht schätzt. Manchmal schaffe
ich es noch, ihr per SMS klarzumachen, dass es auch nicht
in ihrem Sinne ist, wenn ich nun doch noch antanzen würde
(an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön
an Iris, dass ich immer noch meinen Job im „Vegelangelo“
habe).
Doch langsam werden die Ausflüge ins Nachtleben zur
Routine. Der Spaßfaktor lässt zu meiner Überraschung
nach. Ich erkenne, dass ich einen Tapetenwechsel brauche –
Land in Sicht: Oktoberfest! Schon seit einigen Jahren hat
mich der Bierzelt-Virus im Griff. 16 Tage Ausnahmezustand.
Diesmal sogar ohne schulische Verpflichtungen, das macht es
einfacher, bis zum letzten Tag, zur letzten Maß durchzuhalten,
und „Die Hände zum Himmel“ zu grölen.
Bald sollte ich merken, dass ich noch nicht für den Ernst
des Lebens bereit war. Ich war gerade erst dabei, den Ernst
des Nachtlebens zu meistern.
Erste deutliche Bedenken seitens meiner Eltern trüben
ein wenig meine Partylaune. Gerade jetzt? Alles ist bestens
organisiert, die Schlafgewohnheiten habe ich im Griff –
bis 14 Uhr sollte man sich am darauffolgenden Tag keinen zu
großen Herausforderungen stellen, im besten Fall gar
keinen.
Sogar die Warm-ups sind geregelt – in meinem neuen
Appartement, denn schnell war ich von zu Hause ausgezogen
und musste meiner lieben Mutter nicht mehr den Schlaf rauben,
wenn sich an manchen Wochenenden eine kleine Gruppe Auserwählter
physisch und mental auf die bevorstehende Feier vorbereiten
wollte. Selbst die Finanzen waren bald noch gesicherter durch
seriöse Tätigkeit im Nachtleben – ich habe
meine Berufung als Flyer-Verteilerin gefunden. Es könnte
immer so weitergehen. Und als ob das Schicksal dasselbe gewollt
hätte: Ich werde für meinen Studienplatz auf die
Warteliste gesetzt, der Studienstart ist erstmal verschoben.
Jetzt steht meiner einjährigen Party also wirklich nichts
mehr im Weg!
Doch nach 365 Tagen muss sie auch enden, die unendliche
Geschichte meiner Abiturfeier. Und ich bin neugierig auf das,
was ihr nachfolgt.
Anna Starks-Sture
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