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MAYERS
- Ausgabe 2/2004 |
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Dem Gesunden, sagte
einst der rasende Reporter Egon Erwin Kisch, ist
jeder Tag ein Fest.
Das klingt wie ein Naturgesetz und wird als solches
von vielen Studenten beherzigt: Sie sind es ihrem Ruf als
Remmidemmi-Generation ja auch schuldig, so oft wie möglich
zu feiern. Was ja nicht schwer ist, bei den vielen Veranstaltungen
diesen Sommer in München.
Damit ihr ganz genau wisst, wo und warum die besten Feste
steigen, liefert MAYERS für die nächsten
Wochen jeden Tag einen Party-Tipp oder alternativ: einen handfesten
Grund zum Feiern. Denn wie auch Otto Waalkes einst auf die
Melodie von Billie Joels We didn´t start the fire
sang: Wir haben Grund zum Reiern. Zerfrissts uns
auch die Därme, schenkt es uns doch Wärme. Wir haben
Grund zum Feiern: Unser letzter Wille immer mehr Promille.
Viel Spaß!

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Marzipan mit Sprudel
Weil nicht mehr lange Mai ist, der MAYERS-Tipp: Einmal
feiern wie Rockefeller. Jennifer Bligh erzählt
von ihren ersten Schritten in der Welt des Champagners.
Klar weiß ich, wie Champagner sein muss. Teuer auf
alle Fälle, champagnerfarbig und... Als ich vor einem
halben Jahr in die Champagnerwelt von Veuve Clicquot eintrat,
um ein Buch über das Verhältnis von Frauen zu Champagner
zu schreiben, wußte ich zwar, dass der Unterschied zwischen
Champagner und Sekt in dem Anbaugebiet und der Lagerzeit liegt,
aber ehrlich gesagt, das wars auch schon.
Das ist es aber bei Weitem nicht: Bei Champagner kommt der
Sprudel nämlich von selber in die Flasche,
wie mir meine neuen Kollegen dort gleich beim ersten Gespräch
erzählten, während er bei Sekt künstlich zugeführt
wird. Außerdem ist das Rüttelpult, das Nicole Clicquot-Ponsardin
entwickelt hat, bis heute DIE Methode, um Champagner zu kreieren.
Das Clicquot- Etikett ist nicht etwa orange, wie ich es rundheraus
sagte und böse Blicke von meinen Kolleginnen erntete,
sondern eidottergelb. Und der erste große Markt außer
Frankreich, den sich die flotte Wirtschaftsfrau schon 1814
erschloss, war Russland. Und das obwohl die napoleonischen
Kriege den Weg alles andere als frei machten. Nicole Clicquot
Ponsardin hatte im Alter von 27 Jahren das Geschäft ihres
verstorbenen Mannes übernommen - ein Novum in der Zeit,
als Frauen im Wirtschaftsbereich noch so gut wie nicht existierten.
Mit diesem Hintergrundwissen traute ich mich nach ein paar
Wochen an mein erstes Tasting. Die Sorten Brut, Demi-Sec,
Rich-Reserve, Rosé-Reserve und La Grande Dame wurden
geöffnet (natürlich wurde die Flasche gedreht, nicht
der Korken) und die kostbare Flüssigkeit
in die hochstieligen schmalen Gläser gegossen (Champagnerschalen
sind out....). Um meinen Geschmacksnerven eine richtige harte
Aufgabe zu stellen kamen nicht nur die Champagnersorten auf
den Tisch, sondern auch Kekse aller Art. Meine Aufgabe war
nun heraus zu finden, welche Kekssorte am besten zu welchem
Champagner passt. Was eigentlich ein Vergnügen ist, empfand
ich als richtige Arbeit. Woran erkenne ich denn, das Butterkekse
mit Schokolade einfach ein Tabu für den Brut sind?
Hingegen der Demi-Sec damit aber vertretbar ist? Und warum
passt Blätterkrokant am besten zum Rosé? Aber
Übung macht den Meister und trotz des leicht erhöhten
Alkoholspiegels habe ich die Aufgabe mit allen fünf Sinnen
geübt: Mit den Augen sieht man die feinen Champagnerperlen,
die sich im Idealfall ihren Weg in einer langen Perlenschnur
vom Glasboden nach oben bahnen. Mit den Ohren hört man
ein leises Rauschen, wenn die Champagnerperlen an die Oberfläche
treten und zerplatzen. Mit der Zunge fühlt man das Prickeln
und mit dem Gaumen schmeckt man die verschiedenen Traubensorten.
Wie unterschiedlich die einzelnen Sorten schmecken, hätte
ich im Traum nicht gedacht. Immerhin hatte ich vorher auch
noch nie mehrere Sorten Champagner auf einmal probieren dürfen....aber
trotzdem: Nach einigen Runden Champagnerprobe kann ich deutlich
sagen, warum ich den Demi-Sec nie zu Fleisch anbieten würde
(zu süß!) und der Brut der perfekte Aperitif ist
(fruchtigfrisch).
Mein Lieblingschampagner ist übrigens der Rosé
Reserve 1996 ... zu dem ich Marzipankugeln wärmstens
empfehlen kann.
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Samstag ist Badetag
Wo man noch schöner plantscht als in der heimischen
Badewanne, verrät MAYERS-Redakteurin Sandra Janecek.
- Deininger Weiher: Romantischer Moorsee, dessen
südlicher Teil ein Naturschutzgebiet ist. Er ist nur
2,5 m tief und heizt sich daher heizt schnell auf. S7 Höllriegelskreuth.
- Fasanerie See: Der nicht allzu überlaufene
See ist von der S-Bahn aus gut erreichbar; hier gibt es
viele Liegewiesen. S1 Fasanerie.
- Feldmochinger See: Um den sehr gut besuchten See
verläuft ein schöner Rundweg. FKK-Bereich. S1
Feldmoching.
- Feringa See: Hier ist die Wasserqualität ausgezeichnet.
Daneben steht ein Gasthaus mit Biergarten. Surf-Bereich,
FKK-Bereich. S8 Unterföhring.
- Unterföhringer See: Wenig Liegewiesen, dafür
gibt es schöne Wanderwege rundherum. S8 Unterföhring.
- Flaucher: Direkt an der Isar, beim traditionellen
Biergarten Zum Flaucher. Viele Lagerfeuerstellen.
U-Bahn Implerstraße.
- Heimstettner See: Sehr gute Wasserqualität
durch viele Wasserpflanzen, Fischarten und Süßwassermuscheln.
S6 Feldkirchen.
- Karlsfelder See: Sehr begehrter Badesee, deshalb
oft wenig Liegeplätze. S2 Karlsfeld.
- Langwieder See: Hier werden Ruderboote verliehen,
zudem darf Minigolf oder Beachvolleyball gespielt werden.
S3 Lochhausen.
- Lerchenauer See: Schönes Seerestaurant, viele
Liegewiesen, Wasserqualität: naja. S1 Fasanerie.
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Lauschen und Mitlachen
Beim StuStaCulum, dem größten studentischen
Open-Air Festival Deutschlands, finden vom 10. bis 13. Juni
rund 100 Veranstaltungen verschiedenster Couleur statt.
Der Duft von Schweinswürstln und Steckerlfisch liegt
in der Luft, und mischt sich mit dem von indischen, afrikanischen
und australischen Spezialitäten. Musik ist zu hören:
Salsa, Funk, Rock und Jazz. Improvisationstheater laden zum
Mitmachen ein, Kabaretts zum Mitlachen und Lesungen zum Lauschen.
Ein französisches Theater öffnet seinen Vorhang
und ein Feuerspucker seinen Rachen. In der Studentenstadt
Freimann stellen seit 16 Jahren meist unbekanntere Künstler
ihr Können dar; heuer werden über 25 000 Besucher
erwartet. Der MAYERS-StuStaCulum-Tipp für Freitag
ist Elle, eine folkige Münchner Singersongwriterin, die
ab 21.15 Uhr in der Hans-Scholl-Halle zu Gast ist.
Nicht nur die Veranstaltungen sind übrigens verschiedenster
Art, auch das Publikum feiert international: Hierin liegt
nämlich der Grundgedanke des StuStaCulums, wie die Veranstalter
vom Verein Kulturleben in der Studentenstadt sagen.
Das Festival soll einen Beitrag für ein freundliches,
offenes und lebenswertes München leisten, indem es allen
Einwohnern die Möglichkeit bietet, für wenig Geld
vier Tage voller Kultur, Musik und unnachahmlicher Stimmung
zu erleben. Das gelingt durch den ehrenamtlichen Einsatz von
über 200 Helfern und den unbezahlten Auftritt der rund
500 Künstler.
Das StuStaCulum finanziert sich allein durch die Einnahmen
des Getränkeverkaufs und dem symbolischen Eintritt von
2 Euro für alle vier Tage. Wer sich noch genauer über
das Programm und Anfahrt informieren oder selbst einmal die
Möglichkeit wahrnehmen möchte, daran künstlerisch
teilzunehmen, dem sei ein Blick auf die Homepage www.stustaculum.de
geraten!
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Lets Party!
Warum die Hochschulwahl am 22. und 23. Juni eigentlich
ein Fest ist, verrät Michael Bayer, der für
die Grün Alternative Liste kandidiert.
Wie beim Organisieren eines großen Festes steht am
Anfang eines jeden Wahlkampfes das Mobilisieren des harten
Kerns, der sich neben Studieren, Jobben und ehrenamtlichem
politischen Engagement mit einem Pflichtermin auseinander
setzen muss. Meist haben wir zunächst wenig Lust, uns
wieder um die Wahl zu kümmern, denn nicht nur die zusätzliche
Belastung, sondern auch der immer wieder in Frage gestellte
Sinn des Unterfangens motivieren uns nicht richtig. Und dann
blitzt er doch wieder in den Augen auf, der Widerstandsgeist,
der uns Überzeugungstäter immer wieder dazu treibt,
uns durchzuwursten. Denn zu viel nervt uns hier an der Hochschule
und in der Gesellschaft und das wollen wir allen klar
machen und, wenn möglich, auch ändern.
Also verteilen wir Aufgaben, vereinbaren Termine, erstellen
Listen, streiten über Inhalte, kreieren Slogans, entwerfen
Plakate, rekrutieren Helfer, verteilen Flyer, verschicken
Einladungen. Unsere Stimmung schwankt zwischen Fatalismus,
Galgenhumor und Entnervung. Viele andere Dinge, die eigentlich
erledigt sein wollen, werden hinten angestellt. Aber es wird
auch gelacht, diskutiert, neue Leute oder Leute neu kennengelernt
und der ein oder andere Kneipenabend verbracht
Und dann, Wochen später, kommt das nervenaufreibende
Warten auf erste Ergebnisse. Wie werden wir angenommen? Waren
wir überzeugend? Erste Spekulationen, meist aus gut unterrichteten
Quellen (Auszähler...), machen die Runde. Die Spekulationen
verdichten sich mehr und mehr, bis wir endlich erlöst
werden: das Ergebnis steht fest! Hierfür hat sich nun
alles gelohnt (zumindest war es die letzten Jahre so): Jetzt
ist endlich die Zeit zum Feiern gekommen!
Natürlich wäre es nun schön, wenn die Mehrzahl
der Studenten mit uns feiert, aber die Masse alleine macht
noch kein gute Party. Insofern stört mich eine geringe
Beteiligung nicht wirklich: Wer nicht wählt und feiert,
ist selber schuld; die Möglichkeit hierzu hätte
jeder.
Und man sieht: Der Unterschied zwischen der Arbeit für
die Hochschulwahl und der Organisation einer größeren
Party ist nicht sehr groß. Dass es im Englischen für
Fete und Partei das gleiche Wort gibt: Party, kann einfach
kein Zufall sein.
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