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MAYERS
- Ausgabe 1/2008 |
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Gibt es noch MAYERS-Leser
der ersten Stunde? Studenten, die schon 1988 in Thomas Mayers
Uni-Magazin geschmökert haben, in einer Zeit also, als
es noch „Meiers – Generalanzeiger für die
Münchner Hochschulen“ hieß? Und die sich
auch heute noch auf jede neue Ausgabe freuen? Zugegeben: Ich
selbst gehöre nicht zu den Lesern der Anfangsjahre, der
Fluch der späten Geburt ließ mich Ende der Achtziger
in Pony-Magazinen und bestenfalls der „Bravo Girl!“
blättern.
Anlässlich des 20. MAYERS-Geburtstags
hat sich die aktuelle Redaktion auf die Suche nach MAYERS-Mitarbeitern
der ersten Stunde – und der zweiten und dritten –
gemacht: Denn freilich wollen wir wissen, welche Zukunftsperspektiven
Redakteure eines Studentenmagazins haben. Soviel vorneweg:
Die früheren Mitarbeiter sind nicht unter der Brücke
gelandet – vielmehr sind viele von ihnen in aufregenden
Berufen untergekommen, die meisten von ihnen in der Medienbranche.
Aber lest selbst: In unserer Jubiläumsausgabe verraten
unsere Ehemaligen, was aus ihnen geworden ist – und
ob MAYERS hierbei hilfreich war.

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Hellblaue Vormittage
Die Akademie der Bildenden Künste feiert 200.
Geburtstag
Einfache Zeichenschule, "Königliche Akademie",
NS-Vorzeigeeinrichtung, Geburtsstätte der Künstlergruppe
S.P.U.R. – kaum eine Münchner Institution hat eine
derart wechselvolle Geschichte wie die Kunstakademie vorzuweisen.
Im Mai wird die Hochschule in der Nähe des Siegestors,
eine der ersten Adressen für Kunststudenten aus aller
Welt, 200 Jahre alt – und feiert dieses Jubiläum
in zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen.
„Kunst ist eine Attraktion – und der Künstler
ein Entertainer“. Der Student mit Künstlernamen
Nassermann, seit 2004 an der Akademie eingeschrieben, weiß,
wie der heutige Markt funktioniert: Marketing gehört
fast genauso zum Erfolg wie Talent, „das ist menschlich“,
wie er sagt. Früher hingegen konnten sich hiesige Nachwuchskünstler
völlig unbeschwert ihrem Schaffen widmen, wie kein Geringerer
als Thomas Mann beobachtet hat.
„Vor der Akademie der bildenden Künste, die ihre
weißen Arme zwischen der Türkenstraße und
dem Siegstor ausbreitet, hält eine Hofkarosse“,
hatte der Dichter 1901 in seiner München-Novelle „Gladius
Dei“ geschrieben. „Junge Künstler, runde
Hüte auf den Hinterköpfen, mit lockeren Krawatten
und ohne Stock, unbesorgte Gesellen, die ihren Mietzins mit
Farbenskizzen bezahlen, gehen spazieren, um diesen hellblauen
Vormittag auf ihre Stimmung wirken zu lassen.“ Als diese
Zeilen entstanden sind, war die Akademie 93 Jahre alt und
eine der wichtigsten Adressen für Kunststudenten aus
ganz Europa. Nach dem Ersten Weltkrieg büßte sie
ihr internationales Renommee allerdings ein und wurde schließlich
in den Dienst der nationalsozialistischen Kulturpolitik gestellt.
In der Nachkriegszeit aber konnte die Hochschule an ihre einstige
Bedeutung anknüpfen – und heute, 200 Jahre nach
ihrer Gründung, hat sie wieder einen ausgezeichneten
Ruf: Mehrere Hundert Bewerber reichen alljährlich ihre
Mappe ein, in der Hoffnung, einen der heiß begehrten
Studienplätze für Malerei, Architektur oder Neue
Medien zu ergattern; nur ein Bruchteil von ihnen schafft es
bis zu den praktischen und mündlichen Prüfungen,
die einer überzeugenden Mappe folgen, und noch weniger
– manchmal zehn, manchmal fünf – sind letztendlich
erfolgreich und können in die Fußstapfen berühmter
Künstler wie Lovis Corinth, Wassilij Kandinsky, Alfred
Kubin, Paul Klee, Franz Marc oder Sean Scully treten.
Sie alle haben in dem prachtvollen Neo-Renaissance-Bau am
Siegestor in Schwabing studiert. Dessen „weiße
Arme“, wie Thomas Mann es um die Jahrhundertwende so
bildhaft beschrieben hatte, waren allerdings im Laufe der
Zeit grau geworden, sodass schon seit einigen Jahren umfangreiche
Sanierungsarbeiten laufen; Ende 2008 sollen sie abgeschlossen
sein.
Bereits seit 2005 erweitert ein futuristisch anmutender Neubau
das Raumangebot für die 680 Studenten, die zurzeit an
der Hochschule eingeschrieben sind. Unterrichtet wird zum
großen Teil immer noch so, wie es Friedrich Wilhelm
Schelling vor 200 Jahren vorgeschwebt ist: „…kein
bestimmter Lehrplan, kein gleichförmiger Mechanismus“
– dies ließ der berühmte Philosoph in der
Gründungsurkunde vom 13. Mai 1808, die aus einer 1770
gegründeten Zeichenschule die „Königliche
Akademie der Bildenden Künste“ machte, festlegen.
Auch heute bestimmen freie Klassen das Studium – Klassen
für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Neue Medien und Fotografie
sowie für Schmuck, Papier, Glas, Keramik, Bühnenbild
und Kostüm. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Lehrstühle
und Werkstätten der 1868 gegründeten Kunstgewerbeschule
und somit auch angewandte Lehrgebiete integriert. Daneben
gibt es den Studiengang für Innenarchitektur, die Aufbaustudiengänge
Architektur und Bildnerisches Gestalten und Therapie sowie
die Möglichkeit, zum Gymnasiallehrer ausgebildet zu werden
– die Chancen, sich als freier Künstler zu etablieren,
sind schließlich nicht die besten und Thomas Manns „unbesorgte
Gesellen, die ihren Mietzins mit Farbenskizzen bezahlen“,
nicht die beliebtesten Hausbewohner.
Dennoch: Der Traum der meisten Studenten ist es, später
von ihrer Kunst leben zu können. Nassermann, der bereits
erste Erfolge mit seinen Fotografien und Videoinstallationen
gefeiert hat, freut sich sogar auf sein Dasein als freier
Künstler – auch wenn er weiß, dass es am
Anfang hart sein wird und er sicher „Tag und Nacht“
arbeiten muss.
Der 31-Jährige hatte sich vor vier Jahren bei Professor
Klaus vom Bruch, einem der Pioniere der Videokunst in Deutschland,
beworben und war sofort aufgenommen worden. 2009 will er seine
Abschlussarbeit präsentieren. Diese muss er ganz alleine
planen, in logistischer wie finanzieller Hinsicht: „Ich
muss die Räume organisieren und für alle Ausgaben
selbst aufkommen.“
Zu Selbstständigkeit und Eigeninitiative werden Kunststudenten
übrigens von Anfang an angehalten: „Wir sind quasi
dazu verpflichtet, uns bei Ausstellungseröffnungen zu
präsentieren und dort offen auf die Galeristen, Museumsdirektoren
und die anderen Künstler zuzugehen“, sagt Nassermann.
„Man muss sich darstellen, sich verkaufen und gut unterhalten
können, man muss informiert und gebildet sein –
sonst hat man als Künstler keine Chance. Und: Man muss
frech sein!“
Heidi Keller
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Jetzt wird abgerechnet
Ein Jahr Studiengebühren – eine Bilanz
von Andreas Pongratz, Studentenvertreter im LMU-Hochschulrat
Seit einem Jahr müssen Bayerns Studenten für ihre
Ausbildung bis zu 500 Euro pro Semester bezahlen. „Dieses
Modell hat sich bewährt“, resümierte Wissenschaftsminister
Thomas Goppel (CSU) Ende April, zu Beginn des dritten Bezahlsemesters.
Andreas Pongratz hingegen, 24-jähriger Politik-Student
und Vertreter der Studierenden in Senat und Hochschulrat der
LMU, zieht zum ersten Geburtstag der Zwangsgebühren eine
durchwachsene Bilanz.
MAYERS: Vor einem Jahr wurden in Bayern Studiengebühren
eingeführt – merken die Studenten der Münchner
LMU das lediglich am Geldbeutel oder profitieren sie im Uni-Alltag
tatsächlich davon?
Andreas Pongratz: Es gibt mehr Fremdsprachenprogramme
an der LMU, mehr Tutorien – der große Wurf aber
ist bislang nicht gelungen. Das ist bedauerlich, wenn man
bedenkt, wie viel wir jetzt abdrücken müssen. Allerdings
wäre es auch absurd gewesen, mit großartigen Veränderungen
zu rechnen, zumal der Uni heute mit Studiengebühren nicht
mehr Geld zur Verfügung steht als 2003 – Edmund
Stoibers damaligen Kürzungen sei dank.
Beim Start der Gebühren vor einem Jahr hat es
Proteste gehagelt. Habt Ihr Euch heute mit den Kosten abgefunden?
Wir sind nach wie vor gegen Gebühren – keine Frage.
Im Mai wird veröffentlicht, wofür sie genau verwendet
wurden – da werden wir natürlich genau hinschauen
und uns gegebenenfalls lautstark zu Wort melden. Nicht tolerierbar
für uns wäre, wenn große Teile des Geldes
nicht in die Verbesserung der Lehre fließen, sondern
beispielsweise in den Bestandserhalt der Gebäude. Das
nämlich wäre Sache des Staates – auch aus
Sicht der Gebührenbefürworter übrigens. Unser
bisheriger Eindruck aber ist, dass die LMU im Großen
und Ganzen korrekt mit dem Geld umgeht.
Gibt es gar keine Kritik an der LMU?
Ich bedaure, dass die Uni die mögliche Höchstsumme
– also 500 Euro pro Student und Semester – kassiert,
gegen den Willen der Studierenden und ohne vorher ein Konzept
auf den Tisch gelegt zu haben, das zeigt, was sie mit dem
Geld anfangen wird. Das aber hat meines Wissens nach auch
keine andere Hochschule geleistet. Dennoch möchte ich
betonen, dass die LMU einen guten Umgang mit uns pflegt, die
Studierenden werden Ernst genommen und in die Entscheidungsprozesse
eingebunden.
Interview: Nadine Nöhmaier
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"Stolz auf versaute Gags"
Der erste MAYERS-Chefredakteur Gregor von Kursell
blickt zurück
Meine Arbeit bei MAYERS war wohl einer der
Gründe, warum ich nach dem Studium keine Anstellung als
Journalist gefunden habe. Nun, um ehrlich zu sein, es war
gerade so eine Zeit, in der die Redaktionen eher Mitarbeiter
entließen als einstellten. Trotzdem, die Tatsache, dass
ich mich als Gründungschefredakteur für MAYERS
engagiert hatte, kam nicht gut an bei den Münchner Medienmachern:
Ein richtiger Journalist macht keine Studentenzeitung, ein
richtiger Journalist lässt sich für mieses Zeilenhonorar
in unseren Redaktionen ausbeuten – das zumindest hatten
sie mir vermittelt. So bin ich in der PR gelandet und arbeite
mit der internationalen Presse beim Luft- und Raumfahrtkonzern
EADS.
Wir, das MAYERS-Team der ersten Generation,
haben versucht, ein studentisches Zusammengehörigkeitsgefühl
zu kreieren. Unsere Hoffnung, dass sich Studenten der LMU
aus einem Gefühl der Solidarität heraus auch für
Vorgänge an TU und FH interessieren sollten, war naiv.
Trotzdem stehe ich nach wie vor hinter dem Konzept: Politisch,
aber kein dröges Agitprop-Blättchen, flott, aber
nicht oberflächlich, ausgewogen, aber nicht meinungslos.
Dass es nicht immer durchgehalten wurde, lag weniger an einer
apolitischen Studentschaft. Es lag am Anzeigenmarkt, der Ende
der 90-er Jahre eingebrochen war. Ohne Anzeigen lässt
sich auch das beste Konzept nicht finanzieren.
Worauf ich heute noch stolz bin? Auf unsere Warnung vor
Studiengebühren! „Studium wieder nur für Reiche?“
titelte MAYERS bereits Anfang der Neunziger.
Inzwischen ist das Realität. Die Studierenden von heute
müssen für die Hochschul-Misere bezahlen –
wir durften sie damals wenigstens umsonst durchleiden.
Worauf ich noch stolz bin? Na, auf die leicht versauten Gags
natürlich, die damals in keiner Nummer fehlen durften,
auf unsere skurilen Pseudonyme, auf das Sack-Bild und die
unzähligen Scherze auf Kosten des Verlegers.
Was würde ich Studenten von heute raten? Nicht
nur auf den schnellen Abschluss hin studieren! Auch mal Vorlesungen
aus anderen Disziplinen hören. Bücher lesen. Deutsche
Akademiker sind erschreckend blank, was die Allgemeinbildung
betrifft. Der Hang zum Fachidiotentum ist typisch deutsch:
Kein französischer oder russischer Ingenieur würde
einen Satz sagen wie „Ich komme nicht dazu, Romane zu
lesen, ich bin schon froh, wenn ich den Überblick über
die Fachliteratur behalte.“
Gregor von Kursell
Der Autor war von 1989 bis 1991 MAYERS-Chefredakteur.
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