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MAYERS - Ausgabe 1/2007
 

MAYERS macht in dieser Ausgabe einen auf dicke Hose: Wir haben unseren Titel diesmal nicht vor einer Palmen-Tapete fotografiert, sondern ganz in echt auf Gran Canaria. Zugegeben: Ich war leider nicht dabei wie bei den sonstigen Shootings an der LMU, in der Studentenstadt oder in der Küche unseres Fotografen Arno. Auch konnte MAYERS Arno und seinem Model – seinem Bruder Erik – weder den Flug noch die Cohiba bezahlen; die beiden hatten kulanterweise ihren privaten Kanaren-Urlaub für das Foto-Shooting genutzt. Doch so können wir durch unseren Titel suggerieren, dass die Lektüre von MAYERS reich, schön, berühmt macht. So reich und schön wie Model Erik, der sich zwar (noch) keinen Privatjet leisten kann, aber beim regelmäßigen Pokern ein sattes Zubrot zum Studium verdient. So viel immerhin, dass er an einem kanarischen Pool liegen kann.

Allerdings: ab sofort geht das Geld, das so ein Urlaub kostet, für Studiengebühren drauf. 300 Euro zahlen LMU-, 500 Euro TU-Studenten bereits in diesem Sommersemester. Selbst Bafög-Empfänger werden nicht verschont. Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel glaubt dennoch, dass sich auch künftig jeder sein Studium leisten kann. Der LMU-Asta ist hingegen überzeugt, dass viele ihr Studium aus Kostengründen abbrechen müssen. Wer Recht hat, wird sich in den kommenden Semestern zeigen. Tatsache aber ist, dass der Staat durch die Einführung der Gebühren den Zugang zu Bildung erschwert hat anstatt ihn, wie es seine Aufgabe wäre, zu erleichtern.



Ob Minister Goppel vor Einführung der Studienbeiträge den Segen des Papstes eingeholt hat?


500 Euro Studienbeiträge – und wofür?

Ein Interview mit Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel

Jetzt ist es soweit: Seit diesem Sommersemester müssen Bayerns Studenten bis zu 500 Euro Studienbeiträge bezahlen. Was für sie dabei herausspringt, erklärt Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) im Interview mit MAYERS-Redakteurin Katrin Braun.

Herr Goppel, bislang besucht nur jedes 10. Kind aus „niedriger“ sozialer Herkunft die Uni, 81 von 100 Studenten stammen aus sozial „höher gestellten“ Familien. Haben Sie keine Sorge, dass es sich manch heller Kopf nicht leisten kann, nach Einführung der Studienbeiträge zu studieren?
Das bayerische Studienbeitrags-Modell ist sozial ausgestaltet: Jeder, der leistungsfähig ist, soll auch in Zukunft studieren können. Für diejenigen, die die Beiträge nicht selbst aufbringen können, gibt es das Bayerische Studienbeitragsdarlehen, das sich deutlich von „normalen“ Krediten unterscheidet. Das zinsgünstige Darlehen wird ohne Sicherheiten oder Bonitätsprüfung gewährt, die Rückzahlung erfolgt erst ab einem bestimmten Mindesteinkommen in moderaten individuellen Monatsraten. Niemand braucht zu befürchten, nach dem Studium vor einem Schuldenberg zu stehen: Unterschreitet ein Absolvent das Mindesteinkommen, wird die Rückzahlung ausgesetzt; in dieser Zeit fallen keine weiteren Zinsen an. Für Bafög-Empfänger ist eine Deckelung der Rückzahlung auf 15.000 Euro festgelegt. Daneben sieht das Gesetz Befreiungsmöglichkeiten etwa für Studierende aus kinderreichen Familien vor. Davon, dass das bayerische Studienbeitrags-Modell gut sozial abgefedert ist, bin ich überzeugt.

Inwiefern wird das Studium jetzt besser werden?
Die Verwendung der Studienbeiträge ist zweckgebunden. Die Zusatzeinnahmen dienen allein und ausschließlich der Verbesserung der Studienbedingungen. Welche einzelnen Maßnahmen die Hochschulen finanzieren, ist ihnen selbst überlassen. Nach einer ersten Umfrage lassen sich aber folgende Schwerpunkte ausmachen: An erster Stelle soll zusätzliches Lehrpersonal bezahlt werden. Dadurch wird ein Lernen in kleineren Gruppen mit einer intensiveren Betreuung ermöglicht. Dieses zusätzliche Personal schließt auch Tutoren und studentische Hilfskräfte mit ein. Damit haben die Studierenden nicht nur die Möglichkeit, sich die Studienbeiträge zu verdienen, sondern dabei auch durch Lehren zu lernen. Auch sollen das Bibliotheksangebot und die Studienberatung auf zentraler und Fakultätsebene erweitert werden – durch zusätzliche Studienliteratur und längere Öffnungszeiten. Die Verbesserung der IT-Infrastruktur, der Ausbau von Fachsprachkursen sowie eine bessere Hörsaal-Ausstattung sind weitere Maßnahmen.

Angeblich sollen bereits Haushaltslöcher mit Studienbeiträgen gestopft worden sein!
Nein, das ist nicht der Fall. Die Einnahmen aus Studienbeiträgen stellen zusätzliche Mittel für die Hochschulen dar. Die gesetzliche Regelung schreibt vor, dass die Studienbeiträge ausschließlich zur Verbesserung der Lehre verwendet werden dürfen. Im Innovationsbündnis vom 11. Mai 2005 haben wir den Hochschulen ferner zugesichert, dass die staatlichen Mittel nicht zurückgefahren, sondern gesteigert werden. Zudem haben wir im Gesetz ausdrücklich geregelt, dass Studienbeiträge für die Hochschulen Körperschaftsmittel und damit hochschuleigene Zusatzeinnahmen sind. Sie sind an jeder Hochschule und nach Beschluss der dortigen Gremien ein Plus zu den staatlichen Mitteln.

Wie schnell werden sich durch Studienbeiträge bewirkte Veränderungen positiv auf Studenten auswirken?
Die Studierenden werden bereits im Sommersemester 2007 deutliche Verbesserungen ihrer Studienbedingungen gegenüber dem Status quo spüren – da bin ich mir sicher. Ein Mehrwert muss unmittelbar und zeitnah bei den Studierenden ankommen, schließlich soll die finanzielle Eigen­leistung jedes Studierenden auch diesem zugute kommen.

Werden Studenten, wenn sie künftig schon indirekt ihre Profs bezahlen, irgendwann mehr Mitspracherechte haben?
Das Mitspracherecht der Studierenden ist gesetzlich verankert. Sie können und sollen sich an den entsprechenden Gremien beteiligen, die über die Verwendung der Studienbeiträge entscheiden. An den meisten Hochschulen sind diese Gremien zur Hälfte mit Studierenden besetzt. Und dies aus gutem Grund: Sie wissen selbst am besten, wofür die Studienbeiträge verwendet werden sollen.

Mit Einführung der Studienbeiträge in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Neueinschreibungen an den Unis beachtlich gesunken. Wird das auch in Bayern passieren?
Die Ergebnisse unserer vorläufigen Umfrage bestätigen, dass das nicht der Fall ist. Auch ist die Zahl der Studienanfänger im Wintersemester 2006/2007 bei uns dem bundesweiten Trend zum Trotz gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent gestiegen – obwohl die Neueinschreiber wussten, dass im Sommersemester 2007 die Einführung von Studienbeiträgen bevorstand.

Sehen Sie Chancen, Bedürftige durch Stipendiensysteme zu entlasten?
Zum einen haben die Hochschulen die Möglichkeit, bis zu 10 Prozent der Studierenden aufgrund ihrer Leistungen von den Beiträgen zu befreien. Das ist übrigens auch rückwirkend möglich. Sicherlich wäre es auch begrüßenswert, wenn daneben Stiftungen oder Wirtschaftsunternehmen besonders leistungsstarke Studierende noch stärker fördern. Für Studierende besteht zudem, wie schon erwähnt, die Möglichkeit, das Bayerische Studienbeitragsdarlehen in Anspruch zu nehmen.

Sind bestimmte Hochschulbereiche förderungswürdiger als andere?
Zusammen mit den Studierenden haben sich die meisten Hochschulen dafür entschieden, etwa 15 bis 30 Prozent der Einnahmen aus den Studienbeiträgen für zentrale Maßnahmen zu verwenden und den Rest auf die einzelnen Fakultäten zu verteilen.

Haben Sie einen Spartipp für Studenten?
Nein, das hängt sicher von der individuellen Situation des einzelnen Studierenden ab. Wir wissen sehr wohl, dass die finanzielle Lage bei Studierenden oft eng ist. Gerade deshalb haben wir mit dem Darlehen die Einführung von Studienbeiträgen sozial abgesichert.

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Haben und Nichthaben: Die 585-Euro-Frage

Ein Semester zu studieren bedeutet für Stefan B., einen Monat aufs Bafög zu verzichten

585 Euro müssen die Studenten der Münchner TU ab sofort in jedem Semester bezahlen – für Studiengebühren, Studentenwerksbeitrag und Verwaltungskosten. Es mag Zufall sein oder nicht: doch auch der monatliche Bafög-Höchstsatz beträgt 585 Euro – und das seit sechs Jahren. Was bedeutet: seit 2001 gab es nichts als Nullrunden für Bafög-Empfänger. Das ist besonders schmerzlich, weil sie ab sofort ein Sechstel ihrer jährlichen Bezüge ins Studium stecken müssen. MAYERS fragte den 24-jährigen Studenten Stefan B., wie er jetzt über die Runden kommt.

„Das neue Bafög – einfach, besser, mehr“, wirbt das Bundesministerium für Bildung und Forschung und klopft sich auf die Schulter, weil es mittellosen Studenten ein Leben an der Uni ermöglicht. Dieses „Mehr“ allerdings erscheint Stefan B. angesichts der sechsten Bafög-Nullrunde in Folge der reinste Hohn zu sein: Denn bereits vor Einführung der Studiengebühren musste der Münchner Informatikstudent jeden Cent zweimal umdrehen: „Im Endeffekt komme ich mit meinem Geld gar nicht zurecht“, sagt er. „Nur von Bafög kann ich nicht leben. Das geht einfach nicht.“

Denn bereits seine monatlichen Fixkosten fressen die Fördergelder vollständig auf: „Die Miete kostet 215 Euro, das Handy 40, das MVV-Ticket 50 Euro, für Essen und Trinken brauche ich 250 und für Bücher und Lehrmaterial 30 Euro. Macht 585 Euro“, rechnet er vor. „Aber davon sind die Studiengebühren noch nicht bezahlt. Und ab und an will ich natürlich auch mal Kleidung kaufen oder ins Kino gehen.“

Wird sie mit solchen Rechnungen konfrontiert, entgegnet Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), dass es nie Zweck des Bafögs gewesen sei, die „alleinige Grundlage für die gesamte Studienfinanzierung“ zu bilden, sondern immer in Verbindung mit dem Elterneinkommen oder auch mit „Studienkrediten zu guten Konditionen“ betrachtet werden müsse.

Und so muss auch Stefan B. auf seine Eltern zählen, „die selbst nicht viel haben“. Und natürlich muss er auch arbeiten gehen: „Gott sei Dank habe ich einen Job gefunden für 15 Stunden die Woche.“ Das allerdings sind 15 Stunden, die er vom Studium wegbleiben muss: „Das ist wirklich ein Problem, vor allem in Prüfungszeiten. Doch was soll ich tun?“ fragt er.

Wegen der steigenden Lebenshaltungskosten hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung übrigens gefordert, das Bafög um 10,3 Prozent anzuheben – doch außer den Studiengebühren wurde in jüngster Zeit bekanntlich nichts erhöht: Und selbst Bildungsministerin Schavan bezeichnete die 10,3-Prozent-Forderung als „wünschenswert, aber nicht verkraftbar“.

Stefan B. hierzu: „Meine Lebenshaltungskosten steigen ständig, doch das Geld wird immer knapper. Dazu kommt, dass man teilweise sehr lange auf sein Bafög warten muss: Das letzte Mal hatte ich es erst fünf Monate nach Antragstellung bekommen. Da fragt man sich schon, wie man seinen Unterhalt bestreiten soll.“ Er habe glücklicherweise einen Wohnheimplatz in der Studentenstadt bekommen – „aber auch der wird immer teurer“.

Kathrin Harder

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Arbeitsurlaub in Australien

Den deutschen Winter gegen den Sommer am anderen Ende der Welt tauschen

Reisen und gleichzeitig die Reisekasse aufbessern: Mit einem „Working Holiday“-Visum in der Tasche ist MAYERS-Redakteurin Sandra Janecek zu einem „Work & Travel“-Urlaub nach Australien aufgebrochen. Unter „Work & Travel“ versteht man – wie der Name sagt - eine längere Reise, auf der man durch gelegentliches Jobben sein Urlaubsgeld aufstockt. Wer solch einen Arbeitstrip buchen will, kann sich an spezielle Organisationen wenden, siehe: www.stepin.de, www.travelworks.de oder www.aifs.de. Sandra hat sich allerdings auf eigene Faust durchgeschlagen.

Für ein halbes Jahr habe ich den deutschen Winter gegen den australischen Sommer getauscht. Das Visum war schneller und leichter als ein Flug zu kriegen – übers Internet bei der australischen Einwanderungsbehörde für etwa 100 Euro. Im September vergangenen Jahres hatte ich nicht viel mehr zu tun als die Koffer zu packen, eine Abschiedsparty zu feiern – und mit Zwischenstopp in Singapur ans andere Ende der Welt nach Sydney, the Harbour City, zu reisen. Bereits im Flieger lernte ich Gleichgesinnte kennen, die ich während der gesamten Reise zufälligerweise immer wieder in Backpacker-Hostels und -Bars traf. Mit einigen dieser Leute, die aus der ganzen Welt kamen, bin ich schließlich zusammen gereist, mit manchen habe ich gearbeitet oder zusammen gewohnt.

Von meinem ersten Ziel Cairns im tropischen Norden aus bin ich mit meinem Greyhound-Busticket in der Tasche und meinen 20 Kilo schweren Habseligkeiten auf dem Rücken die Ostküste entlang des Great Barrier Reefs gereist. Eine Erfahrung, die ich dabei keinesfalls missen, aber niemals wiederholen möchte, sammelte ich gleich zu Beginn meines Aufenthalts: ich arbeitete als Fruitpickerin!

Glücklich waren die, die sich in den „Working Hostels“ in der Nähe der Felder ein Bett in einem komplett überfüllten Zimmer sichern und sich ihren Hungerlohn mit Traktorfahren verdienen konnten. Die weniger von der Sonne geküssten Menschen wie ich mussten sich zwischen Kakerlaken und Mäusen einen Schlafplatz in der Küche erkämpfen, nachdem sie von 5 Uhr morgens bis spätnachmittags bei brennender Hitze Chilis oder Zucchinis gepflückt hatten. Klingt schrecklich, ist es auch! Aber ein echter Backpacker will schließlich mitreden und vor allem mitklagen können! Allerdings habe ich nach acht Tagen das Landleben hinter mir gelassen – und bin weiter gen Süden gezogen.

Es hat sich gelohnt: In den dortigen Großstädten fanden sich besser bezahlte Jobs wie Kellnern, Lagerarbeit, Promotion-Tätigkeiten – und so weiter. Nach etlichen Ausflügen, Schnorchel- und Tauchtrips und dem heiligen Schwur, nie wieder Fruitpicking zu machen, mietete ich mir gemeinsam mit einer anderen Backpackerin für neun Wochen eine kleine Wohnung in Brisbane und schuftete mit Blick auf meine weiteren Reiseziele am Verpackungs-Fließband eines Bücherlagers.

Einige Zeit später bin ich im Süden der Insel angekommen, wo ich einen völlig anderen Job testete: das „WWOOFing“, sprich: „Willing Workers On Organic Farms“. Für rund vier Stunden Farmarbeit pro Tag - von Hühnerfüttern bis Knoblauchernten – gab es freie Kost und Logis bei einer Farmerfamilie. Hier bekam ich einen Einblick in den Australian Way of Life – und lebte einige Zeit abseits der Backpacker-Wege. Sogar abseits jeglicher Zivilisation übrigens, denn es hatte mich auf eine kleine Insel verschlagen – die Farm, auf der ich arbeitete, war früher sogar ein altes Gefängnis!

Als Erlebnis der besonderen Art war mein Nachtlager denn auch im ehemaligen Zellentrakt untergebracht. Zwar waren die Zellen inzwischen auch von innen verschließbar, Licht und Strom aber wurden nach wie vor vom Wärterhäuschen aus gesteuert. Ein mordsmäßiger Spaß, nachts auf einer einsamen Insel quer über den Gefängnishof zu seiner Zelle zu rennen...

Bei der letzten Etappe meiner Reise von Adelaide übers Outback zum Ayers Rock und wieder hoch in den Norden habe ich jeden Cent meiner mühsam aufgestockten Reisekasse verprasst: Schließlich war es nicht mein Ziel, mit einem Haufen Geld in der Tasche zurück nach Deutschland zu reisen, sondern möglichst lange mit jeder Menge Spaß in Australien zu bleiben. Dem Fruitpicking zum Trotz würde ich eine solche Reise übrigens jederzeit wieder antreten: die Erfahrungen, Eindrücke und Bekanntschaften haben sie zu einer wunderbaren Auszeit gemacht!

Sandra Janecek

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