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MAYERS
- Ausgabe 1/2006 |
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„Die Frauenfußball-Nationalmannschaft
ist ja schon Fußballweltmeister, und ich sehe keinen
Grund, warum Männer nicht das Gleiche leisten können
wie Frauen.“ Das sagte Angela Merkel in ihrer ersten
Neujahrsansprache als Kanzlerin am 31. Dezember 2005. Und
sie weiß bekanntermaßen, wie man nach ganz oben
kommt – auch wenn es einem zuvor keiner so richtig zugetraut
hatte.
Auch Jürgen Klinsmann ist optimistisch: „Es wäre
doch wunderbar, wenn wir die wären, die wo im Sommer
Weltmeischder werden“, wie er jüngst in einem Interview
sagte. „Wollen wir denn auch noch Weltmeister im Jammern
werden?“ fragt dagegen Altbundeskanzler Helmut Schmidt
(SPD).
Egal aber, worin wir Weltmeister oder gar Weltmeisterin werden:
Verdient sollten wir diese Würde erlangen, Weltmeister
der Herzen werden, schöner Weltmeister sein. Nicht, dass
es uns geht wie Sonny Liston, dem ehemaligen World Champion
im Schwergewicht, über den Muhammad Ali einst sagte:
„Er ist zu hässlich, um Weltmeister zu sein!“.
MAYERS leider ist zwar Weltmeister in gar
nichts, aber zumindest sind wir das dienstälteste Studentenmagazin
der Stadt. Ein kleiner Rekord ist das ja auch.

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Darum sind wir
Weltmeister
Nur noch wenige Tage – dann wird am 9. Juni
in München die FIFA Fußballweltmeisterschaft mit
dem Spiel Deutschland gegen Costa Rica angepfiffen. Neben
weiteren „kleineren“ Matches wird unser Weltdorf
anschließend auch Austragungsort eines der beiden Halbfinalspiele
sein. Doch wir wären nicht wir, wenn uns nur die Fußball
-WM in Feierlaune versetzen würde: Es gibt noch mindestens
zehn weitere Gründe, warum München Weltmeister ist!
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1. Höher, schneller, weiter. Das StuStaCulum
als Deutschlands größtes studentisches Theater-
und Musikfestival knackt regelmäßig alle Rekorde:
Über 30.000 Besucher haben dort beispielsweise im vergangenen
Jahr gefeiert. Und damit nicht genug: Die für heuer gebuchten
gut 100 Veranstaltungen auf fünfeinhalb Bühnen stimmen
sehr zuversichtlich, dass es in diesem Jahr mindestens genauso
voll wird auf dem Fest. Den Auftakt gestaltet übrigens
auch heuer das TU-Kino mit „L’Auberge Espagnole
2“ am Dienstag, den 23. Mai (genaue Zeit und Ort stehen
rechtzeitig auf www.stustaculum.de), und von Mittwoch, den
24. Mai, bis Samstag, 27. Mai, rocken schließlich über
500 Künstler nonstop das Studentenstädtle. Ein Rekord
steht in diesem Jahr übrigens schon wieder fest: mit
drei Euro Eintritt für vier Tage Konzerthighlights ist
das StuStaCulum einmal mehr unschlagbar günstig.
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2. Die Studentenstadt ist Deutschlands größte
Wohnsiedlung für Studenten mit sechs Hochhäusern
und Münchens höchstem Biergarten „Manhattan“
auf der Dachterrasse im 19. Stock und einer Bar im 20. Stock.
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3. München will ins Guinness-Buch der
Rekorde. Und weil wir ja in der Hauptstadt des Bieres leben,
ist der Hopfensaft auch ein probates Hilfsmittel dafür.
Am 9. Juni jedenfalls soll auf der Ludwigsstraße die
längste Biertafel der Welt errichtet werden. Rund 3600
Meter soll sie lang werden und für 1600 Biertischgarnituren
reichen. 150.000 Biertrinker werden erwartet. Es wäre
natürlich überhaupt kein Problem für uns Münchner,
diesen Rekord aufzustellen, wenn die Veranstalter Freibier
ausschenken würden. Und falls es wider Erwarten mit diesem
Rekord nichts werden sollte, dann werden wir halt auf der
kommenden 173. Wiesn Sieger: hier trinken 6,1 Millionen Besucher
sechs Millionen Liter Bier auf einer Fläche, die so groß
ist wie 50 Fußballfelder. Volltreffer!
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4. In einer anderen Disziplin wie dem Biertrinken
stehen wir übrigens schon im Guinness Buch: wir sind
Feier-Weltmeister. Das jährliche Theatron-Festival im
Olympiapark nämlich ist das längste Musikfestival
der Welt; den ganzen August hindurch steigen dort jeden Tag
kostenlose Konzerte. Wegen dieses Rekords wird das Festival
nun in einem Atemzug mit Peter Gabriels Womad-Festival (Guinness-Rekord:
größtes internationales Festival mit Künstlern
aus 30 Ländern), mit Woodstock ´99 (Guinness-Rekord:
mit dem elfjährigen Illan Rubin als jüngstem Profimusiker)
und dem legendären San-Bernadino-Festival (Guinness-Rekord:
größtes Festival der Welt, 670 000 Besucher) genannt.
Infos unter www.theatron.de.
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5. Leider nur Vizemeister ist die Ludwigs-Maximilians-Universität
in Sachen Quantität: mit 46.756 eingeschriebenen Studenten
ist sie nur die zweitgrößte Uni Deutschlands –
nach Köln mit 48.200 Studierenden (Stand: Wintersemester
2005/06). Aber kommt es wirklich auf die Größe
an?
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6. Dafür sind die Öffnungszeiten
der Bayerischen Staatsbibliothek (Stabi) Spitze in Deutschland:
Hier wird gelernt, bis der Arzt kommt; seit wenigen Wochen
ist die Stabi fortan immer montags bis sonntags jeweils von
8 bis 24 Uhr geöffnet. Damit können Studenten täglich
bis zu 16 Stunden im Lesesaal verbringen – pro Jahr
2000 Stunden mehr als zuvor. Selbst die British Library und
die französische Nationalbibliothek machen früher
dicht. Und noch mehr: auch was die Ausleihen betrifft, ist
die Stabi hierzulande die Nummer eins: 1,53 Millionen Bücher
und andere Medien wurden verliehen, 777.000 Menschen hatten
den Lesesaal 2005 genutzt.
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7. Überhaupt heißt Münchens
Hauptsport Rekord: Wir sind mehr wert als jede andere deutsche
Stadt, gemessen am Marktwert unserer Unternehmen. Frankfurt
dagegen landet abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze,
wie eine Unternehmensberatung berechnet hat. Besonders ins
Gewicht fallen bei dieser Statistik die Börsenwerte von
BMW, MAN, Allianz und der Münchner Rück.
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8. Und wenn Oberbürgermeister Christian Ude
(SPD) in den kommenden Monaten vom Rathausbalkon auf seine boomende
Stadt blickt, wird er sogleich den nächsten Rekord sehen:
Denn Schätzungen zufolge wird heuer der Besucherrekord
geknackt – und die Touristen werden vermutlich mehr Geld
in München lassen als im bisherigen Rekordjahr 2005, als
sie über fünf Milliarden Euro ausgegeben hatten. Die
Fußball-WM, der Papst-Besuch und ein Oktoberfest, das
zwei Tage länger dauert, machen’s möglich. |

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9. Wir sind Nobelpreisträger! Seit der
LMU-Physikprofessor Theodor Hänsch im vergangenen Dezember
mit dem Oscar der Wissenschaft ausgezeichnet wurde, wagen
wir wieder, ans hiesige Bildungssystem zu glauben. Hänsch
und sein Partner John Hall haben es ermöglicht, Lichtfrequenzen
mit einer bisher nicht gekannten Genauigkeit von 15 Stellen
hinter dem Komma zu messen. Praktisch heißt das: wir
bekommen eine verbesserte GPS-Technologie und somit präzisere
Navigationssysteme. Auch verbesserte Anwendungen in der Telekommunikation
sowie bei Messungen astronomischer Entfernungen sind möglich.
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10. München hat einen König. Natürlich
wollen wir jetzt nicht behaupten, Ludwig zwo habe sich aus
seinem nassen Grab erhoben. Nein – Münchens König
heißt Fußball, und er wohnt seit vergangenem
Jahr in einer neuen Bleibe, welche die Form eines Gummiboots
hat. Dort regiert vor allem der FC Bayern München,
der – auch, wenn das MAYERS-Anzeigenleiter Tino Krense
gar nicht gerne hört – Deutschlands erfolgreichster
Fußballverein ist.
Sandra Janecek
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Wir sind Weltmeisterin
Ein Leben zwischen Lernen und Loipe: Die 24-jährige
Biathletin Verena Bentele gewann bei den Paralympics in Turin
zweimal Gold und einmal Bronze. Fernsehauftritte, zahlreiche
Interviews, ein Abendessen mit Wolfgang Schäuble, eins
mit Horst Köhler folgten. Jetzt allerdings, nach Abschluss
der Wintersaison, kämpft sich die blinde Top-Sportlerin
wieder durch ihr Germanistik-Studium an der Ludwig- Maximilians-Universität.
Nebenher engagiert sie sich für Kommilitonen mit Handicap.
Seit 2001 studiert Verena in München; anfangs war sie
im Fach Psychologie eingeschrieben, aber „das ist ein
sehr verschulter Studiengang“, wie sie sagt. „Ich
verpasste zu viel Stoff, wenn ich im Winter bei Wettkämpfen
war oder trainieren musste.“ Weil sie allerdings auf
keinen Fall auf den Sport verzichten wollte, hat sie kurzerhand
das Studienfach gewechselt: „Ich studiere jetzt Neuere
Deutsche Literatur, da geht’s lockerer zu: wenn ich
im Winter wenig Zeit habe, kann ich die entsprechenden Seminare
im Sommer nachholen.“ Manche ihrer Professoren allerdings
würden ihr keinen Schein ausstellen, wenn sie mehr als
zwei Mal im Kurs gefehlt habe. „Wissenschaftler haben
oft kein Verständnis für Sport“, sagt sie.
„Mein Lieblingsprofessor in Neuere Deutsche Literatur
aber ist selbst Läufer – wenn ich in seinen Seminaren
fehle, kann ich durch spezielle Ausarbeitungen den Schein
trotzdem bekommen.“
Ganz gut laufe es im Studium, auch, wenn es oft mühselig
ist für die Studentin, Literatur zu besorgen: Hilfe braucht
sie beispielsweise, wenn sie in der Bibliothek Bücher
für ihr Studium sucht. Wenn sie schließlich die
entsprechenden Seiten als Kopien vorliegen hat, muss sie diese
auf einen Scanner legen, der die Buchstaben in Braille-Blindenschrift
übersetzt.
Ansonsten aber kommt Verena, die lediglich Hell und Dunkel
sehen kann, wunderbar alleine zurecht. „Lästig
ist es mir nur, wenn ich eine Treppe hinaufgehe und mich Leute
aus übertriebener Hilfsbereitschaft hochtragen wollen“,
sagt sie. „Dabei sollten sie sich überlegen, woran
es hakt, wenn jemand nicht sehen kann; jedenfalls: nicht an
den Beinen.“
Denn jene trainiert sie sommers wie winters: Kraft- und Konditionstraining
gehören auf ihren täglichen Stundenplan. Durch die
Langlaufloipen dieser Welt lotst sie übrigens ihr Trainer
Franz Lankes mit Anweisungen wie „hopp auf Drei, hopp
gerade, hopp, hopp, hopp auf Neun – und jetzt: langsamer,
Verena“. „Er ist mein Auge“, sagt die Sportlerin.
„Ich vertraue ihm sehr – da bleibt mir nichts
anderes übrig.“
Wenn sie dagegen ihre zweite Disziplin, das Schießen,
ausübt, muss sie sich auf ihr Gehör verlassen: Blinde
verwenden Lasergewehre, die über ein akustisches Signal
anzeigen, ob die Richtung stimmt: Je höher der Ton, desto
genauer zeigt das Gewehr ins Schwarze. Wenn Verena allerdings
weder sportelt noch studiert – dann engagiert sie sich
für andere Studenten mit Handicap: Sie hat an der LMU
die „Interessengemeinschaft behinderter und nicht behinderter
Studierender“ mitgegründet. „Wir kämpfen
unter anderem dafür, dass die Ampel an der Schelling-/
Ecke Ludwigstraße behindertenfreundlich wird.“
Und natürlich geht Verena „saunormal“ ins
Kino, auf Reisen, zu Freunden.
Geboren ist die Spitzensportlerin im Dorf Tettnang am Bodensee
– und zwar blind, wie ihr älterer Bruder Michael.
Das Gymnasium besuchte sie an der Blindenstudienanstalt in
Marburg; von ihren Lehrern wurde sie bald auf einen Langlauf-Kurs
geschickt: ihre Karriere als Biathletin nahm ihren Lauf. 1997
holte sich Verena erstmals EM-Gold – und gewann fortan
Meisterschaften über Meisterschaften.
Ihre Träume? Bei den kommenden Winterspielen 2010 in
Vancouver mindestens genau so viele Medaillen einzuheimsen
wie jetzt in Turin. Und später Rhetoriktrainerin für
Sportler zu werden. „Manche Spitzensportler bringen
keinen vollständigen Satz zustande – da täte
ein wenig Übung gut“, ist sie überzeugt. Und
sehen – freilich würde sie das gerne mal ausprobieren.
„Wenn es mir nicht gefallen würde, könnte
ich ja die Augen wieder schließen“, sagt sie flapsig.
„Aber im Ernst: ich hätte gerne mal Blickkontakt
zu anderen Menschen. Das ist sicher spannend. Leider kann
ich mir gar nicht vorstellen, wie das ist.“
Nadine Nöhmaier
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Aufräumen wie ein Weltmeister
Tageszeitungen der letzten drei Wochen wachsen zu
wilden Bergen, der Locher liegt irgendwo mittendrin, dazwischen
auch Stifte, Tesa-Rollen, Handschuhe, zwei leere Joghurtbecher
samt Teelöffel: Beim Blick auf meinen Schreibtisch überkommt
mich regelmäßig das Grauen; und trotzdem ist gelegentliches
Entrümpeln nie lange erfolgreich.
Dass die Unordnung allerdings mit Hilfe aus Fernost kein
Dauerzustand bleiben muss, verspricht der Ratgeber „Feng
Shui gegen das Chaos auf dem Schreibtisch“. Ich starte
einen Selbstversuch.
„Jeder hat ein grundsätzliches Bedürfnis nach
Ordnung“, schreibt Autor Christopher A. Weidner. Feng
Shui („Wind und Wasser“) ist eine fernöstliche
Lehre, die zeigt, wie uns die Kräfte, welche die Welt
durchströmen, für unser Wohlbefinden nützen
können. Na dann los:
Auf den ersten Seiten des Ratgebers erfahre ich, dass durch
die Wechselwirkung der beiden „Grundqualitäten“
Yin und Yang die alles bewegende Lebensenergie Qi entsteht
und für einen gesunden „Stoffwechsel“ im
Raum sorgt. Der Arbeitsplatz muss also so eingerichtet sein,
dass Qi ungehindert fließen kann. Sonst verwandelt es
sich in zerstörerisches „Sha“, was eine bedrückende
Atmosphäre zur Folge hat. Ungünstig sind zum Beispiel
scharfkantige Möbel, die im Qi-Fluss stehen.
Mein Zimmer ist rechteckig – sehr gut für den Qi-Fluss,
sagt mein Buch. Weniger günstig sei aber mein Sitzplatz,
schräg mit dem Rücken zur Tür. Ich kann folglich
nicht gleich sehen, wer das Zimmer betritt – und bin
eventuellen Angriffen schutzlos ausgeliefert! Besser: diametral
zur Tür und von hinten durch Wände geschützt
sitzen.
Ungünstige Einflüsse üben technische Geräte
wie Computer und Drucker aus – Stichwort „Elektrosmog“.
Gerne würde ich den Vorschlag übernehmen, meinen
Röhrenbildschirm durch einen LCD-Monitor mit weniger
elektromagnetischer Strahlung zu ersetzen. Von jeglicher Technik
allerdings kann ich mich nicht fernhalten – das dürfte
meine Arbeit allzu sehr beeinträchtigen. Zu vermeiden
sei auch „optischer Stress“, etwa durch Klebezettelchen
am Bildschirm. Also weg mit meiner Postkartensammlung. Besser
sei es, maximal zwei dominante Accessoires gezielt zu platzieren
und in Farbe, Form und Material auf Umgebung abzustimmen.
Sonst ist der Raum nur sparsam zu schmücken. Leerstellen
sollten mit Pflanzen begrünt werden. Als Deko empfiehlt
Weidner zudem passende Bilder, die nicht zu bunt, zu kontrastreich
oder zu abstrakt sein sollten.
Auf den angepriesenen Zimmerbrunnen werde ich aus Platzgründen
allerdings leider verzichten müssen. Höchstens ein
Feng Shui-kompatibles Mobile könnte ich noch anbringen.
Pluspunkte bekommt mein Arbeitszimmer übrigens für
die beiden Topfpflanzen, die einen positiven Effekt auf die
Qualität der Umwelt haben, für Feuchtigkeit sorgen
und Schadstoffe aus der Luft filtern. Allerdings hätten
meine Multitalente eine etwas bessere Pflege verdient –
kranke und vertrocknete Pflanzen rauben Energie!
Auf dem Schreibtisch soll ich alle häufig verwendeten
Büromaterialien in Griffnähe platzieren, und zudem
Hängeablagen und Rollcontainer benutzen. Alles, was ich
nur hin und wieder brauche, packe ich in Schränke. Ganz
wichtig: regelmäßig ausmisten und prüfen,
was wirklich noch gebraucht wird!
Laut Feng Shui verteilt sich das Qi in einem Raum –
und analog auch auf dem Schreibtisch – nach einem ganz
bestimmten Muster. Dadurch haben auch einzelne Tischbereiche
jeweils andere Qualitäten. Diese lassen sich in acht
„Lebenswünsche“ („Ba Gua“) aufteilen,
welche für menschliche Grundbedürfnisse stehen.
An den chaotischen Stellen meines Schreibtisches muss mein
entsprechendes Bedürfnis besser „gepflegt“
werden. In jenen Bereichen sollen spezielle „Heilmittel“
wieder ein Gleichgewicht herstellen.
Der größte Ordnungsbedarf herrscht hinten rechts
(Ba Gua „Erde“) und hinten in der Mitte (Ba Gua
„Feuer“). Da muss Rettung her, denn angeblich
entsteht dort eine Blockade, durch die es mir schwer fallen
müsste, „den Sinn in meiner Arbeit zu erkennen,
Erfolgserlebnisse zu haben und eine positive Einstellung gegenüber
meiner Arbeit zu entwickeln“. Aha.
Also: erst einmal kräftig ausmisten und dann hinten rechts
und in der Mitte Heilmittel mit Merkmalen der Elemente „Erde“
und „Feuer“ benutzen. „Erde“-Formen
sind rechteckig; passende Farben sind Gelb und Braun. Erde-Duft
verleihen Banane, Vanille oder Karamell. „Feuer“-Gegenstände
sind spitz zulaufend, in Rot-Tönen gehalten und vorzugsweise
aus Tiermaterialien gefertigt. Ich entscheide mich für
eine Würfel-Kerze mit Vanilleduft, entsprechender Farbe
und einem Untersetzer aus Ton sowie einen roten Deko-Kegel
als „Medizin“.
Das Ergebnis: Mein Schreibtisch ist jetzt erst einmal aufgeräumt.
Wie lange ich die Ordnung durchhalte, wird sich in den nächsten
Wochen zeigen. Allerdings hätte ich hinsichtlich des
Buchtitels mehr Anti-Chaos-Strategien speziell für den
Schreibtisch erwartet. Kurzfristig gesehen kann ich sagen,
dass es sich natürlich auf einem aufgeräumten Schreibtisch
besser arbeitet; ob sich die Feng Shui-Heilmittel zusätzlich
positiv auswirken oder nicht, ist momentan noch schwer zu
beurteilen. Zugegebenermaßen konnte ich – vor
allem aufgrund der bereits vorgegebenen und schwer veränderbaren
Büroeinrichtung – nicht alle nötigen Änderungen
umsetzen; es befinden sich demnach weiterhin „störende
Faktoren“ im Raum. Bei einer konsequenten Umsetzung
der Lehre des Feng Shui könnten vielleicht auch eindeutigere
Ergebnisse erzielt werden – mit Sicherheit spielt dabei
auch der Glaube an die Wirkung eine große Rolle.
Stefanie Nemet
Christopher A. Weidner: „Feng Shui gegen das Chaos
auf dem Schreibtisch“, Rowohlt 2004, 9,90 Euro.
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