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Ausgabe 1/2002

MAYERS - Ausgabe 1/2002
 

Editorial

Unser Mitarbeiter Stefan Gimpel ist in der zweiten Januarwoche gestorben. Seit seinem 4. Lebensjahr litt er an Diabetes, nahm diese Krankheit aber mit einer großen Selbstverständlichkeit hin.

Für MAYERS arbeitete er seit 1993 und machte sich als Anzeigenverkäufer, Film- und Theaterkritiker unentbehrlich. So manchem von uns gab er gute Filmtipps (eine seiner Empfehlungen im letzten Jahr war "Almost Famous"), so manchem brachte er das Kino in langen Gesprächen näher. Er ging ganz und gar in der Welt der großen Leinwand auf: Fünf bis sechs Mal die Woche besuchte er das Kino. Auch für andere Zeitschriften und Internetseiten verfasste er Kritiken, oft ohne Geld dafür zu bekommen, einfach aus Liebe an der Sache.

Den Redaktionsschluss von MAYERS haben wir wegen seines Todes um eine Woche verschoben. Wir haben auch beschlossen, dass diese Ausgabe ohne Filmkritik auskommen muss. Einen Artikel von Stefan über das Maxim-Kino, den er für das im MAYERS-Verlag erschienene Stadtbuch "München Leben" verfasst hat, könnt ihr hier lesen.

Stefan fehlt uns.


Chefredakteurin

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Zweite Chance

Als die Medizinstudentin Jessica Fischer (26) nach nicht bestandenem Staatsexamen in die Sprechstunde ihres Professors Hans-Peter Böcking kam, lag dieser bewusstlos auf seiner Couch: Er hatte sich an einer Breze verschluckt. Der Studentin gelang es, ihren Dozenten wieder zu beleben. So stellte sie ihre medizinischen Fähigkeiten unter Beweis. Deshalb durfte sie ein zweites Mal zur Prüfung antreten - die erste wurde nicht gewertet. „Jessica hat mir das Leben gerettet, also verdient sie auch eine zweite Chance,“ sagt Professor Böcking dankbar.

-sack

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Münchner Uni: Fünf Mal dieselbe Hausarbeit abgegeben
www.netzpiraterie.de

Misstrauisch blätterte Petra Taubert in der Hausarbeit. Die Dozentin am Münchner Institut für Kommunikationswissenschaft wollte nicht glauben, dass der Student aus ihrem Seminar diese Arbeit selbst geschrieben hatte: "Er hat immer nur Durchschnittliches geleistet", sagt sie. "Seine Arbeit über den Zweistufenfluss der Kommunikation war jedoch nahezu perfekt."

17.500 Hausarbeiten zum Abschreiben
Ein Blick auf die Internetseite www.hausarbeiten.de bestätigte ihr Misstrauen: Der Student hatte die Arbeit, die ein Kommilitone im Wintersemester 1998/99 verfasst hatte, offensichtlich von dort herunter geladen und als Eigenleistung abgegeben. Er war nicht der erste Student, der sich auf diese Weise das Studium erleichtert: Mittlerweile wurde dieselbe Arbeit zum fünften Mal am Institut abgegeben.

Die Netzpiraten haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, ihre Beute groß zu verändern: Mal wurde ein Satz gekürzt, mal ein Wort geändert - ansonsten stimmten alle Arbeiten mit dem Original überein. "Die Studenten haben kein Unrechtsbewusstsein – die glauben, was im Internet steht, gehört ihnen", sagt Bernd Ostendorf, Leiter des Promotions-Ausschusses an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Im Internet wird man auf der Suche nach Prüfungsmaterial zu beinahe jedem Thema fündig. Allein auf der Hausarbeiten.de-Seite kann man sich an über 17500 Arbeiten bedienen. Ein Mausklick, und das gewünschte Werk steht druckfertig auf dem PC. An der LMU habe der Betrug mit geklauten Arbeiten Hochkonjunktur, sagt Ostendorf.

Härtere Strafen für Plagiate
Ein Trend, der ihm Sorge bereitet. Denn einem diebischen Studenten komme man nur durch Zufall auf die Schliche: "Die meisten Dozenten sind chronisch überlastet - sie haben gar keine Zeit, alles nachzuprüfen." Anders als in den USA, wo Hausarbeiten-Klau mit Exmatrikulation bestraft werde, drohe hiesigen Studenten lediglich eine Wiederholung des Seminars.

Für Ostendorf eine völlig unzureichende Strafe: "Wir müssen künftig mit härteren Bandagen gegen Plagiate vorgehen", sagt er. Sein Vorschlag: Eine völlige Neuordnung der Seminare. "Es sollten viel mehr Klausuren geschrieben werden – im Hörsaal kann man nicht so leicht schummeln."

Nadine Nöhmaier

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Wenn Windows wieder mal nicht will...
Ausnahme: Fehler?

Ich war fast fertig. Ein letzter Mausklick, und meine mühselig erstellte Tabelle mit Messwerten des letzten Halbjahres wäre gespeichert gewesen. Doch dann folgte ein blauer Bildschirm mit der Meldung: "Ein schwerer Ausnahmefehler ist an Adresse xyz aufgetreten." Die Folge: Neustart – die Tabelle war futsch: "... konnte nicht wiederhergestellt werden ..." war die Antwort meines Rechners auf den Versuch, die Tabelle doch noch zu öffnen.

Ein schwerer Ausnahmefehler? Schwer vielleicht, aber leider keine Ausnahme. Mittlerweile gehören die "Blue Screens" und ihre Meldungen zum Alltag vieler Windows-Benutzer. Beflissene PC-Verkäufer und auch Hersteller suchen selbstverständlich nach den Ursachen für die Abstürze der Windows-Welt und werden prompt fündig. Da werden selbst fortgeschrittene Anwender, die ihr System seit Jahren kennen, als "Fehlerquelle" des ach so perfekt laufenden, mindestens vier mal so schnellen neuen Systems ausgemacht.

Auch die Softwareschmiede Microsoft propagiert immer schnellere, stabilere Windows-Versionen, die neben dem stetig wachsenden Bedienerkomfort trotz vieler neuer Funktionen sogar dem "Fun-Faktor" gerecht werden sollen. Da kann man als Anwender schon mal einen Fehler machen, der das neue Betriebssystem ins Nirwana schickt.

Genau hier liegt das Problem. Nachdem die Rechenleistung ebenso wie das Volumen der Software immer größer wird, könnte man annehmen, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bemühungen der Soft- und Hardwareindustrie darauf abzielt, die Systeme "fehlertoleranter" und damit absturzsicherer zu machen.

Das System im Nirwana
Laut Microsoft ist das so. Aber: wenn eine "Windows 98"-Version als Nachfolge einer "Windows 95"-Version in die Läden kommt und ein halbes Jahr später durch "Windows 98 Second Edition" kostenpflichtig nachgebessert wird, ist das wirklich Produktpflege? Da stellt sich die Frage: War das notwendig oder hätte man sich nicht gleich die fehlerhafte Version sparen können? Wie können einer so großen Firma tatsächlich so viele Missgeschicke unterlaufen, dass eine eilig verbreitete Second Edition dem Anwender gegen Entgelt untergeschoben wird?

Die Währung: Geld und Nerven
Eines ist gewiss: Diese Form der Fehlerbehebung zahlt der Anwender mit Geld und Nerven. Denn sowohl die zweite Ausgabe des Feld-, Wald- und Wiesen-Betriebssystems Windows 98 als auch sein Nachfolger, Windows ME haben Fehler, die neu hinzugekommen sind. Doch woran liegt es, dass es immer wieder zu Problemen mit Abstürzen und "Blue-Screens" kommt?

Viele Köche verderben den Brei, heißt es. Das trifft vermutlich auch auf die weite Windows-Welt zu. Durch die Fülle an Software- und Hardwarekomponenten wird die Funktionalität zu einer Gleichung mit fast unendlich vielen Unbekannten. Eilig hingezimmerte Software-Updates, die sich zum Zwecke der rechtzeitigen Markteinführung nicht wirklich mit bestehenden Komponenten vertragen, sind häufig anzutreffen. Kein Problem, übernimmt doch der Anwender die für ihn kostenpflichtige Endkontrolle der neuen Software. Und das ist in keiner anderen Branche so.

Tatsache ist, dass es sich für ein Softwareunternehmen nicht unbedingt lohnt, an der wirklichen Perfektion seiner Software zu feilen. Würde doch ab einem bestimmten Zeitpunkt die Notwendigkeit, immer neue Software-Updates auf den heimischen Computer zu laden, fast wegfallen. Und das ist bestimmt nicht im Sinne des Erfinders.

Bill Gates verfluchen
Was bleibt also übrig? Ein mögliches Konzept stellen alternative Betriebssysteme wie Linux dar, die sich nicht so wie das Windows-Umfeld ausschließlich nach den Marktmechanismen richten. Denn auch hier gibt es mittlerweile Tabellenkalkulationen, Textverarbeitungen, Spiele und Grafikprogramme in Hülle und Fülle. Und das sogar fast kostenlos.

Doch wer kompatibel sein will, muss eben zahlen und kommt meist auch nicht an den "Blue-Screens" vorbei. Vielleicht ist die Linux-Gemeinde in ein paar Jahren so weit, ein anwenderfreundliches System zu stellen, das sich behaupten kann. Das sollte man in jedem Fall beobachten. Vielleicht verspricht ja auch Microsoft in bezug auf das neue Windows XP mal ausnahmsweise nicht zuviel und es wird alles besser.

Mir bleibt jetzt jedenfalls nichts anderes übrig, als die Messwerte wieder in den Computer einzugeben und Bill Gates zu verfluchen, der sich gerne eins verdient, und sei es auch nur mit schweren Ausnahmefehlern.

Matthias Manow

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