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Wenn Windows wieder mal nicht will...
Ausnahme: Fehler?
Ich war fast fertig. Ein letzter Mausklick, und meine mühselig
erstellte Tabelle mit Messwerten des letzten Halbjahres wäre
gespeichert gewesen. Doch dann folgte ein blauer Bildschirm
mit der Meldung: "Ein schwerer Ausnahmefehler ist an
Adresse xyz aufgetreten." Die Folge: Neustart
die Tabelle war futsch: "... konnte nicht wiederhergestellt
werden ..." war die Antwort meines Rechners auf den Versuch,
die Tabelle doch noch zu öffnen.
Ein schwerer Ausnahmefehler? Schwer vielleicht, aber leider
keine Ausnahme. Mittlerweile gehören die "Blue Screens"
und ihre Meldungen zum Alltag vieler Windows-Benutzer. Beflissene
PC-Verkäufer und auch Hersteller suchen selbstverständlich
nach den Ursachen für die Abstürze der Windows-Welt
und werden prompt fündig. Da werden selbst fortgeschrittene
Anwender, die ihr System seit Jahren kennen, als "Fehlerquelle"
des ach so perfekt laufenden, mindestens vier mal so schnellen
neuen Systems ausgemacht.
Auch die Softwareschmiede Microsoft propagiert immer schnellere,
stabilere Windows-Versionen, die neben dem stetig wachsenden
Bedienerkomfort trotz vieler neuer Funktionen sogar dem "Fun-Faktor"
gerecht werden sollen. Da kann man als Anwender schon mal
einen Fehler machen, der das neue Betriebssystem ins Nirwana
schickt.
Genau hier liegt das Problem. Nachdem die Rechenleistung
ebenso wie das Volumen der Software immer größer
wird, könnte man annehmen, dass ein nicht unbeträchtlicher
Teil der Bemühungen der Soft- und Hardwareindustrie darauf
abzielt, die Systeme "fehlertoleranter" und damit
absturzsicherer zu machen.
Das System im Nirwana
Laut Microsoft ist das so. Aber: wenn eine "Windows 98"-Version
als Nachfolge einer "Windows 95"-Version in die
Läden kommt und ein halbes Jahr später durch "Windows
98 Second Edition" kostenpflichtig nachgebessert wird,
ist das wirklich Produktpflege? Da stellt sich die Frage:
War das notwendig oder hätte man sich nicht gleich die
fehlerhafte Version sparen können? Wie können einer
so großen Firma tatsächlich so viele Missgeschicke
unterlaufen, dass eine eilig verbreitete Second Edition dem
Anwender gegen Entgelt untergeschoben wird?
Die Währung: Geld und Nerven
Eines ist gewiss: Diese Form der Fehlerbehebung zahlt der
Anwender mit Geld und Nerven. Denn sowohl die zweite Ausgabe
des Feld-, Wald- und Wiesen-Betriebssystems Windows 98 als
auch sein Nachfolger, Windows ME haben Fehler, die neu hinzugekommen
sind. Doch woran liegt es, dass es immer wieder zu Problemen
mit Abstürzen und "Blue-Screens" kommt?
Viele Köche verderben den Brei, heißt es. Das
trifft vermutlich auch auf die weite Windows-Welt zu. Durch
die Fülle an Software- und Hardwarekomponenten wird die
Funktionalität zu einer Gleichung mit fast unendlich
vielen Unbekannten. Eilig hingezimmerte Software-Updates,
die sich zum Zwecke der rechtzeitigen Markteinführung
nicht wirklich mit bestehenden Komponenten vertragen, sind
häufig anzutreffen. Kein Problem, übernimmt doch
der Anwender die für ihn kostenpflichtige Endkontrolle
der neuen Software. Und das ist in keiner anderen Branche
so.
Tatsache ist, dass es sich für ein Softwareunternehmen
nicht unbedingt lohnt, an der wirklichen Perfektion seiner
Software zu feilen. Würde doch ab einem bestimmten Zeitpunkt
die Notwendigkeit, immer neue Software-Updates auf den heimischen
Computer zu laden, fast wegfallen. Und das ist bestimmt nicht
im Sinne des Erfinders.
Bill Gates verfluchen
Was bleibt also übrig? Ein mögliches Konzept stellen
alternative Betriebssysteme wie Linux dar, die sich nicht
so wie das Windows-Umfeld ausschließlich nach den Marktmechanismen
richten. Denn auch hier gibt es mittlerweile Tabellenkalkulationen,
Textverarbeitungen, Spiele und Grafikprogramme in Hülle
und Fülle. Und das sogar fast kostenlos.
Doch wer kompatibel sein will, muss eben zahlen und kommt
meist auch nicht an den "Blue-Screens" vorbei. Vielleicht
ist die Linux-Gemeinde in ein paar Jahren so weit, ein anwenderfreundliches
System zu stellen, das sich behaupten kann. Das sollte man
in jedem Fall beobachten. Vielleicht verspricht ja auch Microsoft
in bezug auf das neue Windows XP mal ausnahmsweise nicht zuviel
und es wird alles besser.
Mir bleibt jetzt jedenfalls nichts anderes übrig, als
die Messwerte wieder in den Computer einzugeben und Bill Gates
zu verfluchen, der sich gerne eins verdient, und sei es auch
nur mit schweren Ausnahmefehlern.
Matthias Manow
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